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Frankfurt: Millionen-Poker um Filetstück

Die zentrale Achse der Innenstadt ist stetem Wandel unterworfen. Jetzt zeichnet sich ein Ende für den legendären Turmpalast ab. Die Details sind noch offen. Von Claus-Jürgen Göpfert

Die Tage des Frankfurter Turmpalast-Kinos  sind gezählt. Ende 2010 läuft der Mietvertrag aus.
Die Tage des Frankfurter Turmpalast-Kinos sind gezählt. Ende 2010 läuft der Mietvertrag aus.
Foto: Boeckheler

Er gibt sich selbst "zwei bis drei Jahre". Bis dahin möchte Gert Rieche das Quartier zwischen Stiftstraße, Große Eschenheimer Straße und Bleichstraße "verschönern". Oder, wie es der Vermögensverwalter auch gerne formuliert: "Wir wollen etwas zur Stadtentwicklung beitragen."

Auch die Stadt Frankfurt, vertreten durch Alfred Gangel, den Leiter des Liegenschaftsamtes, sitzt mit am Verhandlungstisch. Ein Poker um Millionen hat begonnen. Es geht um die Frage: Wie entwickelt sich der nördliche Rand der City am Eschenheimer Turm?

Im Grundsatz sind sich die Kommune und der private Grundstückseigentümer einig. Rieche sagt: "Wir wollen eine Mischung aus Büros und Wohnen - das steht fest." Gangel sagt: "Es geht um Wohnen und Gewerbe."

Alle Details freilich sind in den Verhandlungen noch offen. Was die Sache kompliziert: Beide Seiten sind aufeinander angewiesen, wenn sich etwas bewegen soll.

Dem 64-jährigen Diplom-Ingenieur Rieche und seiner Fides Beteiligungen GmbH gehört das Appartementhaus Große Eschenheimer Straße 20 - in dem auch der Eingang des Traditionskinos "Turmpalast" liegt, benannt nach dem nahen Eschenheimer Turm, seit 1927 werden auf diesem Grundstück Filme gezeigt.

Rieche hat außerdem die angrenzenden städtischen Grundstücke Bleichstraße 55-57 von der Stadt gepachtet, auf denen unter anderem eine Sportschule und ein Teil des Kinogebäudes liegen. Zusammen ergibt das eine Grundfläche von rund 3500 Quadratmetern. Nach Abriss der heutigen Gebäude aus den 50er Jahren will der Kaufmann eine neue, fünf- bis siebengeschossige Blockrandbebauung errichten lassen. Rieche verspricht: "Ich möchte kein Hochhaus!"

Dafür sollen in den oberen Geschossen Wohnungen entstehen, in den unteren Büros. Der Grundstücksbesitzer hat bereits Entwürfe von einem Architekturbüro zeichnen lassen, die er aber noch nicht öffentlich zeigen möchte.

In dieser Top-Lage der City werde es aber in jedem Fall eine "anspruchsvolle Architektur" geben. Rieche verspricht sich ein gutes Geschäft vor allem durch die Wohnungen, wenige hundert Meter von der Zeil entfernt. Sie an ein internationales Publikum zu vermieten oder zu verkaufen, sei kein Problem.

Fest steht aber bisher nur: Die Tage des "Turmpalast"-Kinos sind gezählt. Rieche lässt den Unterpachtvertrag mit der "Neuen Filmpalast GmbH", hinter der die "Cinestar"-Gruppe steht, zum 31. Dezember 2010 auslaufen. Auch Amtsleiter Gangel bestätigt: "Das Kino wird Ende 2010 geschlossen." Der Hausbesitzer nennt den Zustand des "Turmpalastes" im Inneren vorsichtig "nicht befriedigend". Auf Drängen der städtischen Bauaufsicht hatte der Kaufmann erst kürzlich einiges in Brandschutz und Sicherheit investieren müssen.

Als nächsten Schritt verlangt Rieche von der Stadt jetzt die Verlängerung seines Erbpachtvertrages. Der reicht nur bis zum Jahre 2020, danach fallen die Liegenschaften an die Stadt zurück.

Rieche will jetzt durch einen neuen Vertrag "über 66 oder 99 Jahre" die langfristige Sicherung seiner Interessen. Theoretisch könnte die Kommune die Zeit bis zum Jahr 2020 aussitzen - doch mit dem Haus Große Eschenheimer Straße 20 verfügt Rieche dann noch immer über ein Schlüsselgrundstück für die Entwicklung des Quartiers. Hinzu kommt, dass weitere städtische Flächen in der Nachbarschaft im neuen Hochhaus-Entwicklungsplan der Stadt Frankfurt als Standort für einen Wohnturm vorgesehen sind.

Zunächst hatte der renommierte Planer und Architekt Jochem Jourdan, der seit 1998 für die Stadt die Hochhaus-Rahmenpläne entwickelt, auf diesen Grundstücken sogar zwei Wohntürme vorgeschlagen. Doch das ließ die Besitzer des nahen "Skylight"-Hochhauses, Stephanstraße 14-16, das exklusive Wohnungen birgt, nicht ruhen. Sie fürchteten eine Verschattung und damit Wertminderung ihres Gebäudes. Jochem Heumann, planungspolitischer Sprecher der CDU im Römer, fasst zusammen: "Daraufhin haben wir das zweite Wohnhochhaus fallen lassen."

Die lukrative Verwertung dieser Grundstücke für einen Wohnturm wäre aber auch kaum ohne die Zustimmung des Nachbarn und Kaufmanns Rieche möglich. Fazit: Kein einfacher Millionen-Poker am Eschenheimer Turm.

Autor:  Claus-Jürgen Göpfert
Datum:  2 | 1 | 2010
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