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Frankfurt: Museumsleiterin Rein tritt zurück

Nach anhaltendem Streit über die künftige Ausrichtung des Frankfurter Museums der Weltkulturen hat Chefin Anette Rein ihr Amt abgegeben. Von Claus-Jürgen Göpfert

Die Leiterin des Museums der Weltkulturen, Anette Rein, tritt am 15. September zurück.
Die Leiterin des Museums der Weltkulturen, Anette Rein, tritt am 15. September zurück.
Foto: FR/Ungarisch

Vor achteinhalb Jahren verband sich ihr Kommen mit großen Hoffnungen und einem Gefühl des Aufbruchs. Am Montagnachmittag ist Anette Rein, die Direktorin des Museums der Weltkulturen, mit sofortiger Wirkung vorzeitig von ihrem Amt zurückgetreten. Ihr Vertrag hätte noch bis Mitte 2010 gereicht. "Wir haben eine wunderbare Arbeit gemacht, wir haben in all diesen Jahren vielschichtige Anregungen gegeben - ich bedanke mich bei meinen Mitarbeitern", sagte die Ethnologin im Gespräch mit der FR.

In der Tat wird das der bleibende Verdienst von Rein sein. Sie hat aus dem früheren Museum für Völkerkunde das Museum der Weltkulturen gemacht. "Wir hatten eine große Bandbreite von Themen", sagt sie selbst.

Rein bezog beispielsweise auch die Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts in die Arbeit des Museums ein - etwa in der jüngsten Ausstellung "Kirchner und Kamerun", in der die Wechselbeziehung zwischen den Arbeiten des Malers und afrikanischer Kunst untersucht wurden - mit Leihgaben aus anderen Häusern.

Semmelroths Bedenken

Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU)würdigt am Nachmittag auch, dass die Direktorin aus dem Völkerkundemuseum "ein internationales, lebendiges Forum zur Begegnung von Themen und Kulturen" gemacht habe. Zugleich teilt der Stadtrat aber mit: "Die neu erarbeitete inhaltliche Ausrichtung sieht eine größere Konzentration auf die Sammlungen vor". Ein klarer Gegensatz. Diese "inhaltlich andere Bewertung der Aufgaben eines völkerkundlichen Museums" habe zum "Rückzug" Reins geführt, sagt Semmelroth.

Das heißt: Der geplante Erweiterungsbau des Hauses im Sachsenhäuser Museumspark soll vor allem die selten oder nie gezeigten Schätze aus der fast 70 000 Exemplare umfassenden Sammlung zeigen. Das Konzept, das Rein für die Erweiterung vorgelegt hatte, war im Kulturdezernat als unzureichend und räumlich überzogen beurteilt worden.

Es gab auch den Vorwurf, dass die Direktorin mit der Organisation und Leitung des Museums überfordert gewesen sei. Zugleich hatten sich fünf wissenschaftliche Mitarbeiter schon 2003 über "Mobbing" und "Kasernenhofton" Reins beschwert. Dennoch wurde der Vertrag der Direktorin 2004 bis 2010 verlängert. "Das Museum macht gute Arbeit", so das Urteil des damaligen Kulturdezernenten Hans-Bernhard Nordhoff (SPD).

Autor:  Claus-Jürgen Göpfert
Datum:  15 | 9 | 2008
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