Frankfurt/Main. Nein, das ist "kein Freispruch erster Klasse", wie der Vorsitzende Richter Ulrich Fidora betont. Aber eben doch ein Freispruch. Der 47-jährige Volker S. verlässt das Frankfurter Landgericht als freier Mann. Und hinterlässt einen ratlosen Fidora: "Wie kann ein katholischer Priester nur so tief sinken?"
Am 14. Oktober 2006, soviel steht fest, biss der ziemlich betrunkene S. gegen 23 Uhr auf einer Baustelle an der Peterskirche dem Strichjungen Ahmet Z. beherzt in sein bestes Stück. Z. habe ihn vergewaltigen wollen, sagt er. Der Gebissene behauptet, S. hätte ihm für den Akt Geld gezahlt und dann wie irre drauflosgebissen. Das Frankfurter Amtsgericht hatte S. im September 2008 wegen Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten auf Bewährung verurteilt. Sowohl der Verurteilte als auch die Staatsanwaltschaft hatten dagegen Berufung eingelegt.
"Wir sind nicht von der Unschuld des Angeklagten überzeugt", sagte Fidora in der Urteilsbegründung. Aber das Gericht konnte auch nicht völlig ausschließen, dass der Angeklagte in Notwehr gehandelt habe. Im Zweifel für den Angeklagten. Die Staatsanwaltschaft hatte in ihrem Plädoyer eine Freiheitsstrafe von anderthalb Jahren ohne Bewährung gefordert - es bestünde Wiederholungsgefahr.
Zweifellos ist Volker S. in der Schwulenszene unterwegs. Und zweifellos trinkt er oft mehr, als ihm gut tut. Juristisch ist er wahrlich kein unbeschriebenes Blatt. Erst kurz vor der Tat war er aus einem Gefängnis in Österreich entlassen worden, in dem er wegen versuchten Mordes zehn Jahre gesessen hatte. Er soll im Kokainrausch einen Strichjungen im Pfarrhaus niedergestochen haben - zu diesem Zeitpunkt war S. noch katholischer Priester.
Der Ex-Prämonstratenser sorgte damals in Österreich für großes Aufsehen, auch, weil er in einem Boulevardblatt ausgerechnet einen Pfarrer eines Skandal-Priesterseminars des sexuellen Missbrauchs beschuldigte. Damals kam noch anderes ans Tageslicht: So soll S. einst im Kloster vor der Tür des Abtes einst seinen unheiligen Stuhl hinterlassen haben. Vielleicht war das der Beginn eines langen Abstiegs.

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