Er wird immer dann gerufen, wenn es brennt. "Ich habe noch kein Projekt an die Wand gefahren", sagt er stolz. Seit Jahrzehnten löst der studierte Architekt und Diplomingenieur Michael Guntersdorf heikle, knifflige Aufgaben. Als etwa die traditionsreiche Metallgesellschaft ins Trudeln geriet, holte man ihn. Für die Dresdner Bank verwirklichte er einen schwierigen Bürobau im Bahnhofsviertel. Bei der Bundesbank arbeitete er als Projektsteuerer. Und nun soll der 58-jährige gegen finanzielle und technische Unwägbarkeiten das Prestigeprojekt der Kommunalpolitik stemmen: Die Gestaltung eines Altstadt-Ensembles, samt Rekonstruktion historischer Bauten.
Oberbürgermeisterin Petra Roth hat ihn engagiert, nachdem sein Vorgänger Werner Pfaff wegen Korruptionsvorwürfen zurücktreten musste. Am heutigen Donnerstag präsentiert ihn die Kommune im Sonderausschuss Dom-Römer als den neuen Geschäftsführer der Dom-Römer-GmbH. Guntersdorf ist entschlossen, die Zügel in der Hand zu behalten: "Wenn das Ding fliegt", sagt er, "kann ich meinen Vertrag kurzfristig auflösen".
Auf dem Grundstück des Technischen Rathauses, Braubachstraße 15, will die Stadt Frankfurt nach dessen Abriss eine kleinteilige Bebauung von Wohn- und Geschäftshäusern verwirklichen.
Die Kosten des Vorhabens werden derzeit mit mindestens 100 Millionen Euro beziffert. Bis zu sieben Fachwerkhäuser der historischen, 1944 bei Bombenangrioffen zerstörten Frankfurter Altstadt sollen rekonstruiert werden. ( jg)
Aber der Nachfahre eines alten österreichischen Adelsgeschlechts, der Familie Teufel zu Guntersdorf, fühlt sich nach den ersten Treffen von einem "breiten Konsens" der Kommunalpolitik getragen. "Mit der Oberbürgermeisterin habe ich sehr vernünftig gesprochen und auch sonst ist keiner gegen mich", bilanziert der passionierte Motorradfahrer, der seine alte BMW liebt.
Michael Guntersdorf, der Troubleshooter, sitzt seit seinem Amtsantritt am 1. Dezember nur noch wenig an seinem Schreibtisch in der Führungsetage des Projektentwicklers OFB im Westend. Er weiß, dass der Ruf des Vorhabens Altstadt angeschlagen ist: "Es bestand die Gefahr einer typischen Frankfurter Kungelei"- so viel und nicht mehr sagt er zu seinem Vorgänger Pfaff.
Jetzt verspricht er den Bürgern, "kein Rüdesheim am Rhein" zu bauen, also keinen Rummelplatz für internationale Touristen, sondern ein "ruhiges Wohnviertel". Fünf Investoren haben sich bei ihm schon dafür gemeldet. Aber bevor er Baugrundstücke in Erbpacht vergeben kann, muss der gebürtige Würzburger erst mal viele technische Probleme lösen. Und da beklagt er "eine gewisse Panikmache". Den vielstimmigen Chor der Experten nämlich, die da bisher die Schwierigkeiten für groß und schwer zu handhaben erklärten. Guntersdorf reagierte, wie es für ihn typisch ist: "Ich hab mir einen externen Gutachter geholt". Und siehe da: ein geplanter völliger Abriss der Tiefgarage Dom-Römer sei nicht nötig. Der hätte acht Millionen Euro kosten sollen. Guntersdorf will nun mit einem sechs Millionen Euro teuren Teil-Abriss hinkommen. "Etwas mehr als die Hälfte der 600 Auto-Stellplätze können in Betrieb bleiben."
Verheerendes Echo
Für den bisher von der Stadt beschäftigten Statiker sei das keine gute Nachricht: "Den Vertrag werden wir auslaufen lassen", sagt der Manager grimmig. Auch das lange diskutierte Problem eines neuen Zugangs zur U-Bahn-Station Dom-Römer scheint gelöst: "Er wird nach Norden zur Braubachstraße hin verschoben".
Und dann das "Stadthaus am Markt", das über dem Archäologischen Garten mit den Ausgrabungen der Staufer-Zeit gebaut werden soll. Guntersdorf weiß, dass das öffentliche Echo auf den ersten Preis des Architektenwettbewerbs im Dezember verheerend war. Er sieht diesen Sieger-Entwurf aber als reinen "Platzhalter". Erst nach der Überarbeitung, um die alle teilnehmenden Architekten gebeten wurden, werde man in drei Monaten die Gestalt des Stadthauses kennen. "Dann sehen wir weiter", sagt er gelassen.

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