Wie teuer ist der Tiger im Zoo, wie viel wert ist der Titanwurz im Palmengarten, was kostet der Dom, was der Römer? Die Stadt Frankfurt hat das große Taxieren für ihre Eröffnungsbilanz schon länger hinter sich als das Land. Seit 2007 ist die Doppik eingeführt, die kaufmännische Buchführung im Stadthaushalt. Mehr Wahrheit und Klarheit bringe sie, hatte Kämmerer Uwe Becker (CDU) vorausgesagt, eine "nachhaltige Finanzwirtschaft". Die ersten Erfahrungen seien positiv: "Wir wissen besser, wo wir stehen." Zunächst freute man sich über ein Vermögen von insgesamt 13 Milliarden Euro und eine - für Kredite bedeutsame - Eigenkapitalquote von mehr als 66 Prozent.
Enthalten im Vermögen sind Beteiligungen wie die an der Mainova, aber auch Straßen und Brücken, der Dom und die Paulskirche. Nach einem vorgeschriebenen Verfahren sind sie bewertet worden. Fiktive Herstellungskosten wurden angesetzt; besonders schwierig bei historischen Baudenkmälern. Davon wurden bis zu 70 Prozent abgezogen - auch das ist Vorschrift, weil ja vermutlich niemand mal die Alte Brücke kaufen mag. Da klaffen oft Lücken zwischen Buch- und Marktwert. Doch es gibt einen großen Vorteil: Die Abschreibungen, also der jährliche "Werteverzehr", können klar berechnet werden. Um den Wert ihrer Immobilien zu erhalten, muss Frankfurt jährlich etwa 150 Millionen Euro investieren.
Auch unangenehme Wahrheiten wurden offenbar: Rückstellungen von 1,2 Milliarden Euro muss die Stadt allein für ihre Beamtenpensionen leisten. Danach hatte in der alten Haushaltsführung keiner gefragt. Die Kunstwerke in den Museen sind zwar noch nicht bewertet, klar ist aber schon: Für den Titanwurz ist 1 Euro angesetzt, für den Tiger gar nichts (er kann nur getauscht werden). Der Dom ist 58 Millionen wert, der Römer 22,8 Millionen.

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