Der große Tag beginnt trüb, dichter Nebel hängt über der Landesbahn Nordwest über dem Flughafen Frankfurt. Es gibt Sekt und Selters, Häppchen und viel gute Laune. Viele bekannte Gesichter sind dabei aus Politik und Wirtschaft. Hans Eichel steht neben der Bühne und freut sich. "Ja, ich finde das gut", sagt der früher hessische Minsisterpräsident, in dessen Amtszeit die Debatte um den Ausbau begann. Ja, es sei richtig gewesen, die Schlichtung anzuregen. Wichtig sei dabei gewesen, dass dies vor der Grundsatzentscheidung geschah. Nicht wie bei Stuttgart 21, wo der Mediator erst eingesetzt wurde, als der Konflikt um den Umbau des Hauptbahnhofs bereist eskaliert war. Nun müsse sich die Landesregierung, aber auch an die damals im Konsens erarbeiteten Ergebnisse halten, mahnt Eichel und meint damit das Nachtflugverbot. "Sonst wird das ganze Verfahren desavouiert."
Die Blaskappelle des hessischen Rundfunks hebt an. Jetzt wird es ernst. Fraport-Vorstandvorsitzender Stefan Schulte begrüßt die Gäste, dankt für ihre Unterstützung. Ein Lob findet Schulte auch für die "kritischen Partner der Region". Sie hätten das große Infrastrukturprojekt "sehr verantwortungsvoll begleitet".
Die anderen Flugzeuge müssen warten, Merkel hat Vorrang
14.15 Uhr. Axel Raab, Sprecher der Deutschen Flugsicherung in Langen zeigt auf die an die Wand projizierte Karte. Das türkise Flugzeug, sagt er, sei die Regierungsmaschine. "Grün wäre ihr wahrscheinlich nicht so recht." Kanzlerin Angelas Merkel (CDU) schwebe derzeit über der Rhön und werde mit Sicherheit pünktlich landen. Die anderen Flugzeuge müssten warten. "Staatsoberhäupter haben Vorrang." Und wenn ein Regierungschef im Passagierraum sitzt, sei der Abstand zu anderen Flugzeugen mit 600 Metern auch doppelt so groß.
Wieder die HR-Blaskapelle - und plötzlich ist er da, der Jet mit der Aufschrift "Bundesrepublik Deutschland". Das Empfangskommitee Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier und Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth begrüßt Merkel an der Gangway, zusammen laufen sie zum Festzelt - offenbar hat Merkel sich geweigert, in ihre Limousine zu steigen. Verkehrsminister Ramsauer ist auch da. Vom weiten sind Tröten und Sprechchöre zu hören. "Pfui" steht auf einem Transparent. "Flughafenausbau nach Recht und Gesetz? Da biegt sich der letzte Baum", auf einem anderen. "Der breite Dialog hat sich gelohnt", sagt Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und erntet im hinteren Teil des Zelts einige Lacher. Die Pfiffe von draußen sind nicht zu überhören.
Auch während Oberbürgermeisterin Roth vor dem Mikrofon steht, reißen die Unmutskundgebungen von der anderen Seite des Zauns nicht ab. Sie habe stets zum Ausbau gestanden, versichert die Rathauschefin der Stadt, sie ist die zweitgrößte Anteilseignerin der Flughafenbetreiberin Fraport. "Frankfurt hat Kurse gehalten", sagt Roth. Gewiss gebe es Beeinträchtigungen für die Bevölkerung. Es müsse weiter daran gearbeitet werden, diese zu reduzieren. Der Lufthansa-Vorstandsvorsitzende Christoph Franz blickte zurück auf "viele schwere Jahre". Die Airline, versprach er, "wird die Chancen des Ausbaus nutzen". In Feierstimmung sei Lufthansa gleichwohl nicht. "Der Preis für die vierte Bahn ist zu hoch." Auf einem der größten Drehkreuze könne sein Unternehmen nicht völlig auf Nachtflüge verzichten. Nun gebe es zusätzliche Flüge nach Köln/Bonn und Lastwagentransporte: "Das ist ökonomisch und ökologisch grotesk."
Kanzlerin Merkel stellte heraus, wie wichtig moderne Infrastruktur im Bereich von Logistik und Transport ist, um im internationalen Konzert weiterhin an der Spitze mitzuspielen. "Die Landebahn ist ein Gewinn für den Flughafen, die Region und die ganze Bundesrepublik." Merkel lobt die Mediation. Künftig sollten solche Verfahren generell dem Bau neuer großer Infrastrukturprojekte vorausgehen solle. Sie brächten stets Belastungen für die Bevölkerungen mit sich. "Wir brauchen eine neue Form der Öffentlichkeitsbeteiligungen, Sie haben das vorgemacht."
15.38 Uhr. Mit achtminütiger Verspätung landet der erste Linienflug auf der neuen Bahn: ein Airbus aus Hamburg. 15.46 Uhr, eine blaue KLM-Maschine setzt auf. Die Sonne scheint und die Nordwestbahn ist im Normalbetrieb´. Die Proteste ¬– heute hinter dem Zaun, morgen in Wiesbaden und Mainz.

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