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Frankfurter Hochhaussiedlung: Angst vor dem Exodus

550 Mieter hat die Mieterinitiative nach ihren Vorstellung befragt, wie die Siedlung im Mainfeld aussehen soll. Von einem Abriss oder einem Rückbau der kleinen Hochhäuser will die Mehrheit nichts wissen. Von Matthias Arning

Die Bürger im Mainfeld wollen bei der Sanierung mitsprechen.
Die Bürger im Mainfeld wollen bei der Sanierung mitsprechen.
Foto: FR/Schick

Ute Kampschulte will weite Kreise ziehen. Damit sich ihr Problem einer breiteren Öffentlichkeit erschließe und Frankfurt erfahre, wie man mit den Bewohner des Mainfelds umspringe. Aus diesem Grund traf sich Ute Kampschulte am Mittwoch auch mit Vertretern der Sozialpolitischen Offensive, einem Zusammenschluss von Sozialverbänden, Gewerkschaften und Kirchen. Sie versprachen Ute Kampschulte, sich ihrer Sache anzunehmen.

So könne man Kreise ziehen, ist die Vorsitzende des Mietervereins überzeugt, Zeit werde es. Denn die Mieter des Mainfelds fühlten sich mit Fakten konfrontiert. Dabei habe es doch ganz am Anfang der Geschichte das Versprechen gegeben, dass der Wille der Mieter in den 850 Wohnungen aus den 70er Jahren das oberste Prinzip der Sanierungswilligen sein müsse.

Am Anfang der Geschichte aus dem Mainfeld steht die Einsicht: So wie es ist, kann es nicht weitergehen. Die Siedlung müsse saniert werden, brauche unter den Mietern auch eine neue Mischung, zeigte man bei der städtischen Gesellschaft ABG, der Eigentümerin des mehrgeschossigen Häuser, überzeugt. Schließlich gebe es seit Jahren immer wieder Klagen über das, was im Mainfeld so alles geschehe.

Das Quartier ist eines der heute gut vier Jahrzehnte alten Viertel, die einer Sanierung bedürfen. Nichts anders als die Heinrich-Lübke-Siedlung in Praunheim. Dort öffnen Stadtplaner die Eingänge, setzen neue Balkone an und verschaffen den Wohnungen nach Maßgaben der Energieeffizienz mehr Licht. Die Mieter sollen während der demnächst beginnenden Arbeiten an den Wohnungen entlang der Ludwig-Landmann-Straße wohnen bleiben.

Stadtplaner informierten von Anfang an über ihre Plänea

"Wollen wir auch", sagt Ute Kampschulte am Mittwoch im Gespräch mit der FR. Und in ebendiesem Sinne habe sie die Zusagen der Eigentümerin verstanden. Ihre Mieterinitiative habe sich die Mühe gemacht, die Bewohner des Mainfelds zu befragen. Das Ergebnis spreche für sich: 91,8 Prozent. 91,8 Prozent von 550 Mietern, die man in den 850 Wohnungen erreicht habe, seien dafür, die Siedlung zu sanieren, sie aber grundsätzlich in ihrem jetzigen Bestand zu erhalten. Von einem Anriss oder einem ebenfalls erwogenen Rückbau der kleinen Hochhäuser wolle diese Mehrheit nichts wissen.

Das kann Ute Kampschulte in der kommenden Woche noch einmal vortragen in der Hoffnung, auf der für den nächsten Montag angesetzten Bürgerversammlung Kreise im Sinne ihrer Sache ziehen zu können. "Wir hoffen, dass der Dialog mit den Bürgern eng genug ist", sagt Mark Gellert, der Sprecher von Planungsdezernent Edwin Schwarz, auf Anfrage der FR. Von Anfang an hätten die Stadtplaner umfassend informiert über das, was eine Planungswerkstatt Niederrad hervorbringen sollte.

"Niederrad am Main", hatten sie das Projekt überschrieben, mit dem sie über die Grenzen des Mainfelds hinaus Ideen für die weitere Entwicklung des südlichen Stadtteils hervorbringen wollten. Eine Jury wollte am Mittwoch über entsprechende Ergebnisse beraten, am heutigen Donnerstag soll öffentlich werden, was man sich zur Neugestaltung der Flächen zwischen Mainufer und Bruchfeldstraße vorstellen könnte. Längst bevor Gellert Ergebnisse aus der Werkstatt kennt, steht für ihn außer Frage: "Von einer Revitalisierung des Mainfeld werden alle Mieter profitieren."

Kann schon sein, befindet Ute Kampschulte. Ihre Kritik daran, wie man das ambitionierte Sanierungsprojekt "Niederrad am Main" angegangen sei, setzte allerdings viel früher an. Und dann stelle sich für sie vor allem die Frage, warum eigentlich aus ihrer Mieterinitiative niemand gebeten worden sei, in der Planungswerkstatt mitzuwirken.

Autor:  Matthias Arning
Datum:  25 | 5 | 2010
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