Nach den Berichten über Imam Sabahattin Türkyilmaz und den Generalsekretär der Hazrat-Fatima-Gemeinde, Ünal Kaymaçi, fragen sich viele, ob es richtig war, während der Auseinandersetzung zum Moscheebau in Hausen an der Seite dieser Gemeinde gewesen zu sein.
Es war richtig und wichtig, dass alle demokratischen Fraktionen im Römer und viele gesellschaftliche Gruppen ihre Solidarität mit der Gemeinde gezeigt und ihren Protest gegen populistische Parolen gemeinsam zum Ausdruck gebracht haben. Es gab und gibt einen Konsens, dass auch Muslime ihre Gebetshäuser in Frankfurt bauen dürfen.
Allerdings sind viele aufgrund der Berichterstattung über die Hazrat-Fatima-Gemeinde verunsichert. Deshalb rufen viele Herrn Kaymaçi auf, sich von den in der Presse diskutierten Vorgängen und vom Imam der Gemeinde zu distanzieren. Ja, wir sollten im Dialog bleiben, aber dieser Dialog sollte uns nicht daran hindern, bestimmte Entwicklungen innerhalb der Religionsgemeinschaften zu kritisieren.
Unser Ziel sollte sein, Vorurteilen von allen Seiten entgegenzuwirken und mit einem offensiven Dialog für ein gleichberechtigtes Zusammenleben aller einzutreten. Aus diesem Grund müssen sich die Vertreter der Hazrat-Fatima-Gemeinde unmissverständlich den Vorwürfen stellen und sich vom fundamentalistischen Islamischen Zentrum Hamburg und den "Al-Quds-Tag"- Demonstrationen distanzieren.
Ich habe den Aufruf gegen "Islamismus, Judenhass und Vernichtungsdrohungen gegen Israel. Für Demokratie und Menschenrechte im Iran!" und gegen den "Al-Quds-Tag" unterzeichnet. Es darf nicht sein, dass Vertreter bestimmter Gruppen von der Demokratie profitieren und sich auf das Grundgesetz berufen, gleichzeitig aber dem Aufruf eines totalitären Unrechtsregimes folgen.
Es ist nicht zu akzeptieren, dass in Deutschland zur Vernichtung Israels aufgerufen wird. Wenn von der Hazrat-Fatima-Gemeinde gesagt wird, man habe nichts von der Al-Quds-Demonstration gewusst, so halte ich das für nicht glaubwürdig.
Schon im Zuge des Karikaturen-Streits war festzustellen, dass es auch in Deutschland bedenkliche Anzeichen von Rassismus und Antisemitismus gibt. Dies betrifft sowohl deutsche als auch Jugendliche aus islamischen Herkunftsfamilien. Ein Teil der muslimischen Jugendlichen steht zunehmend unter islamistisch-fundamentalistischem Einfluss, einerseits durch arabische oder türkische Satellitensender und Zeitungen, andererseits durch das Moscheeumfeld und das Internet.
Verschwörungstheorien, die Israel und die USA als Wurzel allen Übels "entlarven", gewinnen an Zuspruch. Ein platter Antiimperialismus macht Selbstmord-Attentäter zu Widerstandskämpfern und fordert Solidarität mit dem "Widerstand".
Dieser Umgang wird zum Teil in islamistischen Communitys gepflegt. Die Juden werden zum Hauptübel tituliert. Gerade von den religiösen Vereinen darf eine eindeutige und aktive kritische Haltung zum Antisemitismus erwartet werden. Radikale islamistische Vereine verstehen unter Rassismus in erster Linie Islamfeindlichkeit.
Die Gesamtheit der demokratischen Werte und Normen ist von allen, die in dieser Gesellschaft leben, uneingeschränkt zu akzeptieren; religiös begründete Partikularforderungen können nur innerhalb dieses Rahmens eine Geltung haben.
Wie steht es mit der konsequenten Bekämpfung des Antisemitismus als eine Form des Rassismus? Gibt es die Bereitschaft, die undemokratischen Praktiken in bestimmten islamisch geprägten Herkunftsländern konsequent zu verurteilen? Es bleibt unsere Aufgabe, jeder Form von Antisemitismus ebenso wie rassistisch oder religiös motivierten Ressentiments und Islamophobie entgegenzutreten - in Frankfurt und überall. Und daher brauchen wir Antworten auf die obigen Fragen.
Turgut Yüksel ist SPD-Stadtverordneter und Sprecher der Initiative säkularer Bürger aus islamisch geprägten Ländern.

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