Integrationsdezernentin Nargess Eskandari-Grünberg (Grüne) hat ganz genau gezählt und weiß, wie viel Zeit seit der ersten öffentlichen Veranstaltung zum Entwurf des Integrations- und Diversitätskonzepts vergangen ist. Nämlich "fünf Monate und zehn Tage", wie die Stadträtin am Mittwochabend in der Zentralbibliothek an der Hasengasse sagte. Schon der Name hatte, kaum dass das Papier im Umlauf war, für Diskussionen gesorgt. Seit Oktober gab es insgesamt 46 Veranstaltungen, in dem der Entwurf des Konzepts, ausgebreitet in zwölf Kapiteln auf rund 240 Seiten, zur Diskussion stand; darunter war auch eine so genannte Open-Space-Veranstaltung, bei der die Teilnehmer entscheiden konnten, welche Themen behandelt werden sollen. Zu Wort melden konnten sich die Frankfurter aber nicht nur auf den öffentlichen Veranstaltungen.
Abgefragt wurde ihre Meinung zu Themen und Inhalten in Punkto Zusammenleben von Einheimischen und Eingewanderten auch ganz gezielt - in Sozialrathäusern, Jugendhäusern, Schulen, auf der Straße und auch über den Online-Dialog.
Zum Abschluss dieser Phase lud das Dezernat erneut zu einer vom FR-Lokalchef Matthias Arning moderierten öffentlichen Veranstaltung ein, um einen Rückblick und einen Ausblick auf den Bürgerdialog zu geben. Festzustellen ist in einer ersten Bilanz, dass das "politische Papier" unter anderem für Irritationen sorgte. Weil nämlich viele mit der Form der Bürgerbeteiligung kaum etwas anfangen konnten.
Pilot-Projekt für Frankfurt
Immer wieder hätten Befragte ihre Verwunderung zum Ausdruck gebracht, dass ihre Meinung gefragt ist, sagte Eskandari-Grünberg. Nikolaus Münster, Leiter des Presse- und Informationsamts, das den Online-Dialog koordinierte, erklärte, dass es sich dabei um ein Pilot-Projekt für die Stadt Frankfurt gehandelt habe, von dem man sich erhoffe, dass es auch auf andere Dezernate ausstrahle. So mancher ist - und das ist ebenfalls bei der Bürgerbefragung herausgekommen - des Themas Integration überdrüssig, und das sind vor allem die jungen Migranten.
Es sind aber auch die jungen Frankfurter, die immer wieder erklärten, "dass Vielfalt für sie Normalität ist", sagte Karina Goldberg, die als wissenschaftliche Assistentin an dem Integrations- und Diversitätskonzept mitarbeitet. "Den Begriff Integration verwenden junge Leute gar nicht, und Vielfalt gehört zu ihrem Alltag", sagte Goldberg.
Das Ergebnis der ersten Phase der Bürgerbefragung wird dokumentiert und soll demnächst ebenfalls öffentlich gemacht werden. Den Ausführungen war vor allem zu entnehmen: Der viel diskutierte Entwurf soll insbesondere zur Veränderung der Einstellungen beitragen. Und diese Veränderung bezieht sich auf die Vielfalt und ihre Akzeptanz. Und die verbindenden Elemente sind "die humanistischen Werte", betonte die Dezernentin.

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