Es sind zwei Geschichten. Zumindest hört es sich so an, wenn Herr G., der 36-jährige Vater, und Frau G., die 33 Jahre alte Mutter, über ihre beiden Töchter sprechen. Eine gemeinsame Geschichte wird daraus nicht mehr werden, denn die Eltern ließen sich vor fünf Jahren scheiden und leben in verschiedenen Städten. Aber ein einvernehmliches Sprechen über die Kinder, über Wochenenden und Urlaubszeiten ist seit einigen Monaten wieder möglich. Beratungsgespräche beim Caritasverband entschärften die bestehenden Konflikte.
Frankfurter Kooperationsmodell heißt das Pilotprojekt, an dem das Elternpaar G. und 62 andere Paare innerhalb eines Jahres teilnahmen. Jugendamt und Familiengericht hatten es gemeinsam mit Caritas und Evangelischem Regionalverband im Oktober 2008 ins Leben gerufen. Es geht in dem wissenschaftlich begleiteten Pilotprojekt um Eltern, die sich nicht einigen können und im Konflikt um Sorgerecht oder den Umgang mit ihren Kindern das Familiengericht anrufen. Die Beratung soll ihnen helfen, sich außergerichtlich zum Wohle der Kinder zu einigen und Verfahren, die im Schnitt sechs, sieben Monate dauern, deutlich abzukürzen.
634 Frankfurter Ehepaare mit Kindern ließen sich im Jahr 2008 scheiden.
Statistisch gesehen gelten bundesweit zwischen acht und zehn Prozent der geschieden oder getrennt lebenden Eltern als hoch zerstritten. Gerichtsverfahren zur Klärung des Sorgerechts dauern im Schnitt sechs bis sieben Monate.
Im Frankfurter Kooperationsmodell versuchen Jugendamt, Familiengericht und Träger seit Oktober 2008 gegenzusteuern. Beratung soll außergerichtliche Einigungen erzielen. Das auf die Sozialrathäuser Dornbusch, Bergen-Enkheim und Sachsenhausen bezogene wissenschaftlich begleitete Pilotprojekt war zunächst auf ein Jahr begrenzt. Weil es erfolgreich ist, soll es um zwei Jahre verlängert werden. (ssl)
"Muss das sein", dachte Vater G. zunächst. "Die Caritas hilft Menschen auf der ganzen Welt, da denkt man doch, es ist bescheuert, sie wegen so einem Thema einzuschalten", setzt er hinzu. Schließlich "haben wir zwei wunderbare Kinder in die Welt gesetzt und sind nicht in der Lage, uns als Erwachsene vernünftig zu einigen." Das Familiengericht sollte es ursprünglich richten, der Vater wollte den Umgang vom Richter regeln lassen, um regelmäßigen Kontakt zu den beiden acht und neun Jahre alten Mädchen zu halten, für die seine Frau das alleinige Sorgerecht hat. Das Gericht verwies das türkischstämmige Elternpaar an die gerade eröffnete konfliktregulierende Beratung im Frankfurter Kooperationsmodell.
"Wir haben Schritt für Schritt gelernt, vernünftig miteinander zu reden und uns nicht falsch zu verstehen", sagt Frau G. Die Beraterin bestellte die Eltern zunächst getrennt ein, damit sie Wut, Enttäuschung und ihre Variante der Geschichte erklären konnten. In den anschließenden acht gemeinsamen Sitzungen ging es dann nur noch um die Fakten. "Es war ein Lernprozess, wie gehe ich mit jemandem um. Ich fand es gut so, es hat uns ganz andere Perspektiven geöffnet", sagt Mutter G. Wo früher Streit war, Enttäuschung über mangelnde Unterstützung, "können wir jetzt besser miteinander kommunizieren, wir müssen die eingefahrenen Sachen nicht mehr weiter mit uns tragen."
Laut einer Evaluation des ersten Projektjahres, die der Fachbereich Gesellschaftswissenschaften der Goetheuniversität erstellte, gab es in den beteiligten Sozialrathäusern 103 Erstanträge auf Sorge- und Umgangsrecht, die das Familiengericht dorthin weitergeleitet hatte. Das Jugendamt lud innerhalb von 14 Tagen nach Eingang der Anträge 71 Eltern zum Gespräch, aber nur 46 folgten dem Angebot. Ziel des Projektes ist es, hochstrittige Sorge- und Umgangsrechtsverfahren außergerichtlich zu klären und deutlich zu beschleunigen. Die konfliktregulierende Beratung nahm 63 Fälle auf und schloss 51 davon ab.
Das Elternpaar G. ist einer davon. Nach einem "steinigen Weg" nach der Scheidung mit "sehr viel Emotionalem" läuft es jetzt "rund", es "hat Bestand, was wir erarbeiteten", sagt Frau G. Ihr geschiedener Mann würde sich wünschen, dass man sich nach einem halben oder dreiviertel Jahr in der Beratungsstelle "nochmal hinsetzt und bereinigt, was sich bis dahin wieder aufbaute". Bisher ist das nicht vorgesehen. Die Stadt indes will das Frankfurter Kooperationsmodell für zwei weitere Jahre fortführen. Details wird sie am Mittwoch vor der Presse bekannt geben.

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