Er müht sich um Contenance. Und dann bricht es doch aus Andreas Heusinger von Waldegge heraus: "Frankfurt fühlt sich bestätigt!" Kurz zuvor ist der Frankfurter SPD-Geschäftsführer von der Nachricht überrascht worden, dass Wolfgang Clement, Ex-Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen und Ex-Bundeswirtschaftsminister, nach 38 Jahren aus der SPD ausgetreten ist.
Das setzt Emotionen frei in der Frankfurter Partei. "Reisende soll man nicht aufhalten", kommentiert kühl Hans Busch, der langjährige Sprecher des rechten SPD-Flügels. Es war der Frankfurter SPD-Unterbezirk gewesen, der zusammen mit anderen den Ausschluss von Clement aus der Partei beantragt hatte - weil er mitten im hessischen Landtagswahlkampf öffentlich empfohlen hatte, die SPD-Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti nicht zu wählen. "Bei uns in den Ortsvereinen gab es helle Empörung", erinnert sich Heusinger von Waldegger.
"Das war ein toller Fauxpas", urteilt Busch. Der Austritt Clements löst bei ihm deshalb "kein Bedauern" aus: "Wenn jemand so uneinsichtig ist". Derweil erzählt Jürgen Gasper von einer sehr spannenden Verhandlung: Der Richter, Mitglied im Frankfurter SPD-Vorstand, war am Montag von der Frankfurter SPD-Spitze in die Berliner Parteizentrale geschickt worden - im Willy-Brandt-Haus vertrat er die Frankfurter SPD in der Sitzung der SPD-Bundesschiedskommission, die über Clements Zukunft entschied. "Auch der Parteivorsitzende Müntefering war zugegen", erinnert sich Gasper.
Für die Frankfurter SPD erklärte er in Berlin, "dass wir bereit gewesen wären, uns mit einer Rüge gegen Clement zufrieden zu geben". Im Gegenzug sollte der freilich darauf verzichten, seine Vorwürfe gegen Ypsilanti zu wiederholen und sich entschuldigen. Die Bundesschiedskommission sprach schließlich genau diese Rüge aus. Dass Clement 24 Stunden später aus der SPD austritt, hat Gasper "natürlich überrrascht". Nichts habe darauf hingedeutet. Clement stelle auch seinen Anwalt Otto Schily bloß.
Keine Gefühlsäußerung von Gernot Grumbach
Als ihn die Nachricht vom Austritt Clements erreicht, bleibt Gernot Grumbach seiner Linie treu. Der Vorsitzende der südhessischen SPD und Frankfurter Parteichef äußert sich "nicht öffentlich zu Gefühlen, erst recht nicht zu meinen eigenen".
Nein, der Parteilinke Grumbach verrät nur so viel: "Ich bin ganz ruhig". Gegen Clement sei "ein faires Verfahren" geführt worden: "Es gibt einfach Regeln, die müssen eingehalten werden". An der Entscheidung der Schiedskommission sei "nichts auszusetzen".
Auch Petra Tursky-Hartmann, Vorsitzende des größten Frankfurter SPD-Ortsvereins Sachsenhausen, schaut nach vorne: "Ich respektiere Clements Entscheidung - es bringt nichts, immer in alten Wunden zu wühlen". Aber dann kann sie es doch nicht verkneifen, an Clements Rolle bei der Einführung von Hartz IV zu erinnern: "Das hat die SPD durchgerüttelt".

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