Lutz Sikorski besitzt einen Garten ganz im Osten der Stadt, wo Frankfurt nicht mehr wie eine Metropole wirkt, sondern einen ziemlich dörflichen Eindruck macht. Diese Information ist wichtig. Denn dank seines Gartens bewegt sich der Verkehrsdezernent, der im Nordend wohnt und in der Innenstadt arbeitet, regelmäßig auch in den Stadtteilen, die weit weg von der City liegen. Dabei ist dem Grünen-Politiker aufgefallen: "Hier herrschen andere Sitten." Zumindest was den Verkehr betrifft. Zugeparkte Zebrastreifen oder Autos, die so weit auf dem Bürgersteig stehen, dass Passanten mit Kinderwagen auf die Straße ausweichen müssen, gebe es in den innenstadtnahen Stadtteilen kaum noch zu sehen. In Bergen-Enkheim schon.
Laut Sikorski liegt das vor allem an den Kontrollen des Straßenverkehrsamtes, die sich bislang in einem engen Radius rund um die Innenstadt konzentrierten. Mittlerweile aber müssten auch Falschparker in entlegeneren Stadtteilen die Beamten der Stadtpolizei fürchten. Denn das Straßenverkehrsamt fährt eine neue Taktik, die Sikorski und der Leiter der Abteilung Verkehrssicherheit, Rainer Michaelis, am Donnerstag in Bergen vorstellten.
Das Straßenverkehrsamt - und eben nicht das Ordnungsamt - kümmert sich in Frankfurt neben der Polizei um Verkehrskontrollen. Dafür schickt die Behörde Beamte der Stadtpolizei auf Streife. Sie messen Geschwindigkeiten und ahnden Parkverstöße. Auch rufen sie den Abschleppwagen, wenn jemand besonders falsch geparkt.
Das Ordnungsamt - und jetzt wird es kompliziert - hat hingegen eine Bußgeldstelle, an die sich Bürger wenden können, wenn sie Klärungsbedarf haben. Außerdem verteilt die Behörde die Parkausweise für Anwohner. Auch das Ordnungsamt hat eine Stadtpolizei, die sich aber nur am Rande um die Verkehrssicherheit kümmert. (geo)
Das Stadtgebiet ist nun in acht so genannte Schutzbezirke eingeteilt, die sich an den Grenzen der Polizeireviere orientieren. In jedem dieser Bezirke, so verspricht Michaelis, ist von 7 bis 22 Uhr mindestens eine Streife unterwegs. Ihre Aufgabe ist es, sich nur um die Verkehrssicherheit in ihrem Bezirk zu kümmern und etwa Falschparker aufzuschreiben.
"Mit diesem Konzept können wir schneller auf Beschwerden reagieren", sagte Michaelis. Rund 16000 Anrufe gingen vergangenes Jahr bei seinem Amt ein. Häufig erfuhren die Beamten so, dass parkende Autos Bushaltestellen blockieren oder Kindern auf dem Schulweg die Sicht nehmen. Bis die Stadtpolizisten aber vor Ort waren, hatten die Fahrer längst das Weite gesucht.
In den Verwaltungsstellen in Bergen und in Höchst gibt es für die Streifen auch eigene Räume. Dort können sie Pause machen oder auch Büroarbeiten erledigen. "Sie müssen dafür nicht mehr in die Zentrale in der Innenstadt zurückkommen", sagte Michaelis. Auch in anderen Stadtteilen soll es demnächst derartige Räume geben. Dabei handele es sich aber nicht um Filialen des Straßenverkehrsamtes, stellte Sikorski klar. Die Beamten seien in den Verwaltungsstellen nur zu Gast.
In Bergen sind sie jedenfalls gerne gesehen. Und vielleicht, so hoffen zumindest viele Mitglieder des Ortsbeirats, könne ja bald auch der Bücherbus tatsächlich am Weißen Turm halten, wie er soll. Bislang ist der Platz regelmäßig zugeparkt.

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