Nach den wechselseitigen Schuldzuweisungen der vergangenen Wochen mehren sich jetzt die Stimmen an der Goethe-Universität, die nach der umstrittenen polizeilichen Räumung des Casinos eine Wiederannäherung zwischen Präsidium und Studenten sowie Dozenten fordern.
Im Fachbereich Gesellschaftswissenschaften haben 108 Uni-Angehörige um den Politikwissenschaftler Gunther Hellmann eine Erklärung formuliert, die "im Bewusstsein um die Belastungen und Schäden, die entstanden sind, den Blick trotzdem nach vorne richten" wollen. Sie bedauern die Eskalation und wollen, dass alle Beteiligten wieder "über die eigentlichen Inhalte des Bildungsstreiks diskutieren können".
Sie fordern die Rückbesinnung auf Grundsätze des Umgangs unter Mitgliedern einer Hochschule. "Wir wollen Brücken bauen, nicht bestehende Graben vertiefen oder gar neue ausheben." Sie schlagen die friedliche Wiederaufnahme der Bildungsstreik-Workshops ohne weitere Behinderungen vor. Das Seminar, das von der Polizei beendet wurde, wird tatsächlich heute um 16 Ihr im Foyer des IG-Farben-Hauses wiederholt.
Ein gemeinsamer und konstruktiver Dialog könne über einen vertrauenswürdigen Mediator hergestellt werden. Asta und Präsidium müssten beide ihr Bedauern über die Vorfälle ausdrücken. Das Präsidium müsse die strafrechtliche Verfolgung einstellen, und alle Beteiligten sollten auf weitere Besetzungen oder Aktionen, die zu Eskalationen führen könnten, verzichten. Zudem solle eine Stelle eingerichtet werden, die Verbesserungsvorschläge für die Studienbedingungen sammele und umsetze.
Keine einsame Entscheidung
Uni-Präsident Werner Müller-Esterl "begrüßt die Initiative als wertvollen Beitrag einer Wiederannäherung". Auch wenn das Präsidium nicht alle Grundsätze teile, sehe es darin doch einen vernünftige Basis für eine Fortsetzung des Dialoges. Müller-Esterl bedauert, dass sich das Präsidium "angesichts der Eskalation von Gewalt für einen Polizeieinsatz entscheiden musste. Und ich bedauere insbesondere, wenn bei diesem Polizeieinsatz Menschen verletzt worden sein sollten." Bisher wisse er von keinen Anzeigen.
In einem Wortlaut-Interview, das die Uni verbreitet, betont Müller-Esterl, dass die Räumung "keine einsame Entscheidung" war. Er betont, dass das Präsidium eine friedliche verlaufene Besetzung geduldet hätte. Er sei bereit zum Dialog mit dem Asta, habe eine Einladung bereits ausgesprochen, aber noch keine Antwort erhalten. Das Vertrauensverhältnis sieht er jedoch beschädigt. Mit Bologna-Werkstätten in den Fachbereichen will er den "wichtigsten Kritikpunkten" des Protestes begegnen, kündigt der Präsident an.

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