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Frankfurter Universität: Der glückliche Rest

Der medizinische Fachbereich der Goethe-Uni lädt besonders engagierte Bewerber zum Eignungsgespräch. An allen Zugangshürden vorbei. Von Marie-Sophie Adeoso

Besonders Engagierte haben an der Frankfurter Uniklinik mehr Chancen auf einen Studienplatz.
Besonders Engagierte haben an der Frankfurter Uniklinik mehr Chancen auf einen Studienplatz.
Foto: dpa

Dragana Gerovacs Konkurrenten stehen alle hinter ihr. Von A bis Z durchsortiert, reihen sie sich Regalmeter um Regalmeter hinter der 19-Jährigen auf: Gelbe und blaue Mappen aus Pappe. Zu Tausenden sind sie im Klinikum der Goethe-Universität eingeflattert: die Bewerbungen von jungen Menschen, die nur eines wollen, einen Studienplatz für Medizin oder Zahnmedizin.

Dragana Gerovacs Bewerbung ist nicht dabei - sie hat den Sprung aus dem Regal geschafft und allen Konkurrenzdruck hinter sich gelassen. Ihre Unterlagen liegen der Auswahlkommission vor, jetzt kommt es nur noch auf eines an: Auf Dragana Gerovac und ihre Motivation, ihre Ziele, ihre Worte. 20 bis 30 Minuten hat sie, um zwei Zahnmedizin-Professoren davon zu überzeugen, dass sie für dieses Studium wie geschaffen ist und dass sie hier in Frankfurt und nirgendwo anders studieren will.

"Sie gehört zur Restquote", sagt Anwar Syed Ali. Er koordiniert die Eignungsgespräche am medizinischen Fachbereich, die seit Montag laufen. Seit vergangenem Wintersemester wird ein Zehntel der Studienplätze an Bewerber vergeben, die zwar keine exzellente Abiturnote, dafür aber außerordentliches Engagement nachzuweisen haben.

Überzeugungstäter

"Wir haben schon eine Vorauswahl getroffen", erklärt Syed Ali. Jeder der eingeladenen sieben Zahn- und 27 Humanmedizinbewerber könne einen Studienplatz bekommen, sofern er oder sie im Gespräch überzeugt. "Das sind eigentlich eher Bestätigungsgespräche, die Bewerber müssen keine Konkurrenten mehr ausstechen."

Etwas nervös ist die sogenannte Restquote trotzdem. Aufrecht und schweigend sitzen die jungen Männer und Frauen im Gang vor dem Prüfungszimmer und blicken abwechselnd auf die geschlossene Tür und auf ihre blank polierten Schuhspitzen. Dragana Gerovac ist als erste dran. "Ich bin schon ein bisschen aufgeregt, weil sich heute entscheidet, ob ich das machen kann, was ich wirklich möchte", sagt die Neu-Isenburgerin. Doch ihre Stimme ist fest.

Mit den blauen und gelben Mappen im Rücken sitzt sie nun Detlef Heidemann und Hans-Christoph Lauer gegenüber, zwei freundlich lächelnden älteren Herren im weißen Zahnarztkittel, respektive hellblauem Polohemd, die ganz und gar nicht den Eindruck erwecken, der jungen Fast-Studentin etwas Böses zu wollen. Neben Gerovac nimmt Anwar Syed Ali Platz. "Ich stehe an Ihrer Seite", hat er allen Bewerbern vorab zugesichert.

Warum denn Zahnmedizin?

Auf dem Tisch steht ein kleiner Blumenstrauß. Es ist 14 Uhr drei, Syed Ali stellt die Stoppuhr, Lauer die obligatorische Frage: Warum möchten Sie Zahnmedizin studieren? "Ich habe auch als Kind nie Angst vorm Zahnarzt gehabt", erzählt Dragana Gerovac. Ihr Vater sei Zahntechniker und von klein auf sei sie mit seinem Labor vertraut. Nur fehle ihr im Labor der Kontakt mit den Menschen, deshalb solle es Zahnmedizin sein. Voller Euphorie schwärmt sie von Wurzelbehandlungen, Füllungen und Zahnersatz. "Ich finde es toll, dass man nicht nur mit dem Kopf, sondern auch mit den Händen arbeitet."

Ihr Interesse kann sie auch mit allerlei Referenzen belegen: Gerade absolviert sie ihr zweites Praktikum in einer Zahnarztpraxis, in der Schule zählten Biologie und Chemie zu Ihren Stärken. Trotzdem sei es "nur ein Abischnitt von 2,4" geworden, bedauert sie. Damit hätte sie im regulären Aufnahmeverfahren keine Chance auf den gewünschten Studienplatz. Doch für eine bessere Note habe die Zeit gefehlt.

Denn Gerovac engagierte sich nicht nur jahrelang in der Chemie-AG und räumte mit ihrem Bruder 2007 den ersten Platz beim Bundeswettbewerb Jugend Forscht ab. Sie spielt auch Basketball in insgesamt drei Mannschaften,trainiert eine weitere und pfeift an den Wochenenden als lizensierte Schiedsrichterin.

Hockey-Torwart mit Skalpell

"Wir versprechen uns von Leuten, die sich engagieren, die Biss haben, dass sie auch ihr Studium gut durchziehen", sagt Hans-Christoph Lauer. Neben Gerovac hat sein Fachbereich auch einen Hockey-Torwart der U21-Nationalmannschaft, eine Jugend-musiziert-Preisträgerin und einen Geschichtswettbewerbs-Sieger zum Gespräch eingeladen. "Wenn jemand so viel Zeit auf etwas verwendet, zeigt das, dass er sehr leistungsorientiert ist."

Am Ende heißt es für die Prüfer Häkchen setzen. Analytisches Denken, soziale Kompetenz, Zielorientierung und Belastbarkeit und das sprachliche Ausdrucksvermögen sind die gefragten Kategorien. Bezüglich Dragana Gerovac sind sich alle drei sofort einig. Sie selbst wird erst am 23. September erfahren, ob es für den Traumberuf reicht.

Autor:  Marie-Sophie Adeoso
Datum:  8 | 9 | 2009
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