Die Nachricht kam vor etwa sieben Jahren. Eine Nachricht, die in Gerburg Klaehn viele Emotionen weckte. Allen voran Fassungslosigkeit. Doch auch Wut empfand die 68-Jährige, als sie erfuhr, dass ein Teil der Bäume auf der Zeil abgeholzt werden solle. Weil ihre mächtigen Kronen die Aussicht auf die gegenüberliegene Straßenseite stören würden. Unter anderem.
"Da bin ich explodiert" sagt sie. In Paris, London habe sie gelebt. "Die Kinder dort sahen auf ihrem Schulweg oft keinen einzigen Baum." Und was mache man in Frankfurt, auf der Zeil? "Das ist was einmaliges, die grünste Einkaufsstraße Europas", findet Klaehn. Deshalb kämpft sie für den Erhalt der Bäume. Mit Stift und Block bewaffnet, stellte sie sich auf die Zeil und sammelte Unterschriften. Weit über tausend hat sie schon.
2002 blühten etwa 430 Bäume auf Frankfurts Einkaufs- und Flaniermeile. Heute stünden noch 356 Bäume auf Zeil und Konstablerwache, so schätzt sie. "Und schon wieder sollen es weniger werden", ärgert sich Gerburg Klaehn. Schon länger malt die Stadt ein Bild von einer Konstablerwache ohne Podest. Oder auch "Bühne", wie die Bornheimerin die Anhöhe gerne nennt. Mit dem Plan, diese abzutragen, wären logischerweise auch die Bäume darauf Vergangenheit. Weitere 40 in der Fußgängerzone sollen der Aussicht auf Schaufenster geopfert werden. "Aber erst 2013."
Ein Baum für jeden (Jahres)-Tag
Klaehn kam eine Idee: "Wenn man die zehn Bäume vom benachbarten Reiffenstein-Platz mitzählt, dann sind das 366; soviel, wie ein Schaltjahr Tage hat." Wenn jedem Baum ein Jahrestag zugeordnet werden würde, könne daraus eine richtige Attraktion werden. "Sowas wie: Finden Sie ihren Geburts-, Verlobungs- oder Namenstagsbaum."
Von verliebten Paaren unter dem Kennenlernbaum und spielenden Kindern unter dem Geburtstagsbaum träumt Gerburg Klaehn. "Auch Geschäfte könnten davon profitieren." Am Tag des Bieres unter dem Baum Proben veranstalten, an Halloween nach Ladenschluss Plüschtiere, Kürbisse oder Masken anbieten. "Es gibt doch sicher auch einen Tag des Käses", sagt die Frau mit der regen Phantasie lachend.
Aber warum sollten sich Phantasien nicht in die Wirklichkeit umsetzen lassen - fragte sich Klaehn und stellte ihre Idee auf der jüngsten Sitzung des Ortsbeirats 1 (Altstadt, Bahnhof, Gallus, Gutleut, Innenstadt) vor. "Die Anwesenden waren begeistert", heißt es in einem Antrag der SPD-Fraktion, den diese für die nächste Sitzung formulierte. Das Grünflächenamt solle die Bäume benennen.
Dass die Mitglieder des Ortsbeirats eine Mehrheit finden, dafür stehen die Zeichen gar nicht schlecht. "Tendenziell klingt das sehr gut", sagt Helgo Müller von der CDU-Fraktion. Und Andreas Lauen von den Grünen kündigt an, nicht dagegen zu stimmen. Nur über die Umsetzung ließe sich streiten. Doch Gerburg Klaehn ist sich sicher, auch dafür eine Lösung zu finden. "In meinem Kopf, da sind noch so viele Ideen, und es werden jeden Tag mehr."

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