Zu Matze geht es durch den Hausflur in den Garten. Im Flur grüßt schon eine Gorillafamilie in Öl. Die hat der Künstler Wolfgang Weber gemalt. "Ich war in Afrika zehn Tage lang täglich mit Gruppe Fünf unterwegs", erzählt der Mann, der die Gorillas häufig in ihrem Lebensraum studieren konnte. Der 73-Jährige arbeitet zurzeit im Garten seines Hauses im Dichterviertel am Denkmal für den verstorbenen Silberrücken Matze. Das will man sehen.
Kurz vorher aber verharrt noch im Wohnzimmer eine Elefantengruppe auf dem Tisch. "Da sehen Sie die Patina, so wird das auch bei Matze." Und da ist er. Als Büste, noch terrakottafarben aus Gips und Plastilin. Hallo Matze. Ein bisschen traurig wirkt sein Blick. Oder legt ihm das die Melancholie des Betrachters in die Augen? Einmal mehr ist Vorsicht geboten, hier nicht zu sehr zu vermenschlichen. Das macht der Künstler schließlich auch nicht, der Matze jahrzehntelang beobachtete und immer wieder zeichnete. "Matze war der, den ich kannte. Dies hier ist die Skulptur." Eine gute.
Das Denkmal von Matze soll als Botschafter für seine bedrohten Artgenossen in der Wildnis dienen. Die - noch nicht ausreichenden - Spenden werden je zur Hälfte für das Denkmal und für die Schutzprojekte der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt in Afrika verwendet.
Im Zoo ist eine Spendenbox unter dem Willkommensschild aufgestellt, wo auch über Matze informiert wird. Aufgestellt wird die Bronze-Büste erst, wenn das Außengehege des Borgori-Waldes fertig ist, nach Einschätzung von Zoodirektor Manfred Niekisch im Juli, spätestens August. Wo genau das Denkmal stehen wird, ist noch unklar.
Es ist das erste Mal, dass der Frankfurter Zoo für ein verstorbenes Tier ein Denkmal errichtet.
Spendenkonto: Zoo Frankfurt, Frankfurter Sparkasse, BLZ: 500 502 01, Kontonummer 208, Verwendungszweck: 1033-48910003-Matze
Der Künstler hat sich ganz aufs Gesicht konzentriert
"Ich habe sofort gesagt: ,Das ist Matze', als ich die Arbeit sah", sagt begeistert Zoodirektor Manfred Niekisch, "der typische Blick, diese Dynamik." Weber erklärt, dass er sich ganz aufs Gesicht konzentriert habe. "Und die Bewegung ist nur angedeutet, das andere soll sich hinter ihm abstrakt auflösen."
Matze wird später auf einer Granitsäule stehen, in Greifhöhe für Kinder. Matze zum Anfassen, so ist das gedacht. Aber erst sind noch einige Arbeitsschritte nötig. Weber gibt Matze noch einen Silikonmantel, dann einen Gipsmantel - eine Negativform entsteht, in die Wachs gegossen wird. "Dann kommt Keramik drauf, mit Röhrchen, die die Luft rauslassen, sonst gibt es Blasen."
Diese Form kommt dann in den Ofen, wo endlich das aufgefüllte Wachs davonfließt und die Positivform übrigbleibt. "Die Patina wird dann erstmal künstlich hergestellt, weil die Form sonst so eine unschöne Messingfarbe hat", sagt Weber. Dann machen Sonne, Regen, Schnee und Kinderhände mit der Patina weiter. "Matze wird sich ständig verändern", sagt sein Erbauer und dreht die Büste mal ein bisschen. Da scheint die Sonne auf Matzes Hinterkopf. Es wird warm.
Und wie ist das für den Künstler, der Matze liebte, und nun beinah jeden Tag gleichsam Hand an ihn legt? In intensivster Zusammenarbeit sozusagen? "Ach", sagt Weber. Und: "Es fallen mir immer wieder die Szenen ein, die ich mit ihm erlebt habe. Die Situationen, wenn ich ihn gezeichnet habe, das war immer besonders intensiv."
Wolfgang Weber ist dem Zoo Frankfurt seit 1954 eng verbunden. "Da habe ich dort zum ersten Mal volontiert und schon erste Arbeiten erledigt." Und im Wirtschaftshof campiert, mit Mantel als Decke und Schuhen als Kopfkissen. "Das hat den Grzimek damals beeindruckt." Weber lächelt.

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