Frankfurt/Main (dpa/lhe) - Als Nachfolger für den toten Gorilla "Matze" im Frankfurter Zoo sind drei Kandidaten in der engeren Wahl. Alle kommen aus europäischen Zoos außerhalb Deutschlands. "In Deutschland gibt es kein geeignetes Tier", sagte Zoodirektor Manfred Niekisch am Freitag.
In Kürze werde eine Entscheidung getroffen, und in wenigen Wochen könnte der neue Chef der Gorilla-Gruppe aus vier Weibchen und zwei Jungtieren nach Frankfurt umziehen. Das Bundesamt für Naturschutz habe zügige Bearbeitung der Formalitäten zugesagt. "Matze" war Mitte August wegen wachsender gesundheitlicher Probleme eingeschläfert worden.
Der Neue muss gut sozialisiert sein, sagt Niekisch
Mit 51 Jahren war er einer der ältesten Gorillas der Welt. Das neue Gorilla-Familienoberhaupt müsse acht bis zehn Jahre alt sein, in diesem Alter würden Gorillas geschlechtsreif, sagte Niekisch. Er sollte außerdem gesund, mit den Frankfurter Tieren nicht genetisch verwandt und gut sozialisiert sein, das heißt schon Erfahrung in einem Familienverband haben.
Im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms EEP soll der Neue künftig in Frankfurt für Nachwuchs sorgen. "Matze" hatte es auf 16 Kinder und vier Enkel gebracht.
Derzeit trauern die Frankfurter Gorillas um ihr totes Familienoberhaupt. "Alle sind sehr still, laufen wenig, sind auch wenig zu sehen", sagte Niekisch. Selbst die sonst übermütigen Jungtiere "Fritz" und "Kabuli" seien sichtlich bedrückt. An einen neuen Anführer werden sich die Tiere nach seiner Erwartung aber schnell gewöhnen. "Männchen spielen eine ganz wichtige Rolle in der Gruppe."
Gorilla-Tauschhandel zwischen den Zoos
Für den neuen Gorilla-Mann entstehen dem Zoo keine Kosten, denn die Zoos tauschen Zuchttiere untereinander aus, ohne Geld dafür zu nehmen. "Das teuerste ist der Transport", sagte Niekisch.
Die Autopsie des toten "Matze" habe gezeigt, dass es richtig gewesen sei, ihn einzuschläfern. Nach ersten Untersuchungen im Frankfurter Forschungsinstitut Senckenberg habe das Tier unter anderem schwere Arthrose und Verknöcherungen der Sehnen gehabt. Wegen einer krankhaften Veränderung des Darms sei er stark ausgezehrt gewesen und habe trotz guter Nahrungsaufnahme praktisch kein Fettgewebe mehr gehabt. "Er war ein Schatten seiner selbst", sagte Niekisch.
In Formalin konserviert soll der Gorilla-Körper im Senckenberg-Institut bleiben und wissenschaftlich untersucht werden.

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