Wo ist eigentlich der Schweizer? Dieser gut aussehende, ruhige Sympathieträger? Ja, da sind wir ganz objektiv. Also, wo ist Viatu?
Mancher Besucher hat sich diese Frage in den vergangenen drei Wochen sicher auch schon gestellt. Da kommt ein Matze-Nachfolger aus dem Baseler Zoo, wird im neuen Gehege vorgestellt - und ward fortan nicht mehr gesehen. Gewundert haben sich vermutlich auch die Gorilla-Damen und ihre Kinder, die ja bereits durch Nasen und Augen Kenntnis haben vom neuen Familienmitglied. Der kann jetzt aber noch nicht. Er hat Würmer. "Lästige Viecher", wie Kurator Thomas Wilms sagt. Um den neuen Gorilla-Mann von dieser Last zu befreien, hat ihm die Tierärztin eine Wurmkur verordnet. Viatu ist deshalb seit etwa drei Wochen in Quarantäne, in den hinteren Boxen des Geheges, aus denen er bei seinem ersten Auftritt kaum heraus wollte.
Nur für Jungtiere gefährlich
"Für Menschenaffen ist das völlig ungefährlich, aber wir wollen kein Risiko eingehen", sagt Wilms. Zwar könnten die Parasiten für die Jungtiere gefährlich werden, "das ist aber seit Jahrzehnten nicht mehr vorgekommen", beruhigt er Deshalb werde auch die oberste Erdschicht aus dem Gehege zurzeit abgetragen. "Die Würmer werden nicht nur von Tier zu Tier übertragen, sondern können auch in der Erde sein, deshalb ist diese Sicherheitsmaßnahme nötig." Nicht, dass später, wenn es zur Zusammenführung der Familie kommt, die Jungen Fritz und Kabuli womöglich noch so ein Würmchen aus der Erde aufschnappen.
Zoodirektor Manfred Niekisch sieht die Sache ebenso gelassen. Zurzeit ist er in New York, sagte aber vor wenigen Tagen: "Das ist natürlich nicht toll, aber ungefährlich und behandelbar." Zoo-Tierärztin Christina Geiger nimmt regelmäßig Kot-Proben. Sobald die höchstens zwei Millimeter großen Fadenwürmer verschwunden sind - und die Erdschicht abgetragen ist - taucht Viatu wieder auf.
Und wie geht es ihm da so, hinter den Kulissen? "Es geht ihm richtig gut", sagte Niekisch jüngst, "und er freut sich immer über Besuch." Auch Thomas Wilms schwärmt einmal mehr von dem inzwischen nicht mehr ganz so Neuen. "Er ist völlig aufgeräumt und entspannt, wir sind eher überrascht, wie cool er das alles nimmt." Viatu habe sein Spielzeug, seine Futterkisten und trainiere mit den Pflegern. Das Training hilft später, etwa wenn die Tiere in ein anderes Gehege wechseln müssen, weil ihres gesäubert wird. Es ist aber auch Unterhaltung und schafft Vertrauen zwischen Tierpflegern und Gorillas.
Wilms rechnet mit noch etwa zwei bis drei Wochen, bis Viatu wieder ins Gehege kommt. Eine Wurmkur ist sicher kein Spaß - aber auch keine Katastrophe.

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