Nicht wenige wittern ein gutes Geschäft. "Hinter den Kulissen wird gepokert", sagt Jochem Heumann, der planungspolitische Sprecher der CDU im Römer. Tanja Postpischil, die Sprecherin des Suhrkamp Verlages, drückt es zurückhaltender aus: "Es gibt Bewerbungen." Das seit 23. Dezember verlassene Grundstück von Suhrkamp im Westend, Lindenstraße 29, ist zum Objekt der Begierde von Projektentwicklern und Immobilienhändlern geworden. Der Verlag war Ende 2009 nach Berlin umgezogen.
Viele Experten haben schon die Rechnung angestellt, die auch Alfred Gangel kennt, der Leiter des Liegenschaftsamtes. "In dieser Lage lassen sich tolle Preise erzielen", sagt er und fügt hinzu: "Luxuriöse Wohnungen bringen dort mehr als Büros." Für neue Eigentumswohnungen ließen sich Preise "jenseits der 4000 Euro pro Quadratmeter" durchsetzen. Das gelte auch "in wirtschaftlich schwierigen Zeiten wie heute".
Man muss schon ein wenig in der bewegten Baugeschichte des Westends zurückgehen, um zu erkennen, welche Zukunft das Suhrkamp-Grundstück haben kann. Um die Spekulation mit Büroraum einzudämmen, hatte das Stadtparlament am 9. Mai 1978 den Bebauungsplan B 320 mit dem schönen Titel "Westend 1" beschlossen und damit festgelegt, dass die Flächen an der Lindenstraße "wa"-Gebiet sind, also ein allgemeines Wohngebiet. Gewerbe wie etwa Büros ist dann nur in Ausnahmen und zur "Nahversorgung" der Bürger erlaubt. Der Suhrkamp-Verlag, der schon ansässig war, erhielt für seine Büros eine Ausnahmegenehmigung.
"Wir wollen die Rückkehr zum alten Bebauungsplan, also Wohnen", sagt Mark Gellert, Sprecher von Planungsdezernent Edwin Schwarz (CDU). Der Suhrkamp Verlag habe jedoch mit der Stadt "noch keinen Kontakt aufgenommen". Es liege keinerlei Baugesuch vor.
Mehrere Projektentwickler unterbreiteten Suhrkamp ihre Ideen, alle kreisen um den Abriss der heutigen Bürogebäude und die Errichtung neuer Wohnhäuser. Aber der Suhrkamp Verlag will sich Zeit lassen: "Das kann noch dauern", sagt Sprecherin Postpischil.
Am heutigen Montag will der Planungsausschuss des Stadtparlaments über die Zukunft der Verlagsgrundstücke sprechen. Die Stadtverordneten müssen über die Baupläne für diese Flächen entscheiden. Sie besitzen aber wenig Handhabe, gegen einen langen Leerstand der Gebäude an der Lindenstraße vorzugehen. "Theoretisch gibt es die Möglichkeit, dass die Stadt nach einiger Zeit ein Baugebot erlässt", sagt Schwarz-Sprecher Gellert.

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