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Frauenfußball-WM: Blanko-Scheck vom Sportamt

Für die Ausrichtung der Frauenfußball-WM 2011 muss Frankfurt der Fifa einen Blanko-Scheck ausstellen - auch wenn es nicht weiß, ob es Austragungsort ist.

Der Streit um die Kosten für das Turnfest 2009 ist noch im Gange, da tobt schon der nächste: Für die Ausrichtung der Frauenfußball-WM 2011 muss die Stadt dem Weltverband Fifa einen Blanko-Scheck ausstellen - obwohl noch nicht feststeht, ob Frankfurt überhaupt Austragungsort wird.

Wie schon bei der Fußball-WM 2006 diktiert die Fifa auch diesmal die Bedingungen für Vermarktung und Kosten der Spiele sowie des Rahmenprogramms. Dabei wird nach dem Prinzip verfahren: Einnahmen aus der Vermarktung gehen an den Verband, die Kosten trägt die Stadt. Geregelt wird dies in einem so genannten Host-City-Vertrag. Und da setzt die Fifa im Vergleich zu 2006 sogar noch einen drauf. Städte, die sich als Ausrichter der Spiele bewerben, müssen den Vertrag vorab rechtsgültig unterschreiben. Bis zum 19. September muss der Vertrag vorgelegt werden, über die Ausrichterstädte entscheidet die Fifa dann am 30. September.

Der Magistrat hat sich dem Geschäftsgebaren der Fußball-Funktionäre bereits gebeugt und einer Vorlage von Sportdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU) zugestimmt. Und auch in der heutigen Sitzung des Stadtparlaments wird ein positives Votum erwartet. Die schwarz-grüne Mehrheit wird das Papier wohl abnicken. "Das sind schon spezielle Verträge, aber wir wissen auch, dass viele Städte die Spiele haben wollen", sagt CDU-Fraktionschef Markus Frank. Sein Grünen-Kollege Olaf Cunitz meint: "Die Fifa agiert aus dem Wissen heraus, dass sie eine starke Position hat."

Dass sich die Stadt auf ein finanzielles Abenteuer einlässt, räumt der Magistrat offen ein: "Zum jetzigen Zeitpunkt lassen sich die finanziellen Anforderungen nicht seriös beziffern, da dem Magistrat zum Beispiel noch nicht alle benötigten Informationen seitens der FIFA vorliegen, die Anzahl der Spiele noch nicht feststeht, weiterhin noch offen ist, welche Spiele am Austragungsort Frankfurt stattfinden werden." Klar ist nur, dass Frankfurt zahlen muss.

Stadträtin Birkenfeld verteidigt den Vertrag mit dem Hinweis, dass "jeder, der Einwände äußert, sofort ausscheidet". Einige der konkurrierenden Städte hätten bereits unterschrieben. Sie sei sicher, dass Frankfurt mehr als ein Spiel erhalten werde. Die BFF-Römerfraktion hingegen tobt: "Kein auch nur halbwegs bei Sinnen befindlicher Mensch darf einen solchen Vertrag unterschreiben."

Das Sommermärchen 2006 hat die Stadt laut Birkenfeld zehn Millionen Euro gekostet. Damals gab es am Main eine Leinwand im Fluss. Ob das bei der Frauen WM auch so sein wird, ist offen. Im Host-City-Vetrtrag werden die Kommunen zur Organisation einer Festmeile verpflichtet, die Fifa behält sich aber "eine Öffnung vor". Weil die Vermarktung komplett in Händen der Fifa liegt, wurden bei der WM 2006 im Stadion weder Apfelwein noch regionale Biersorten ausgeschenkt.

Viel zimperlicher als der mächtige Weltfußballverband sind auch deutsche Sportverbände nicht. So werden auch beim Turnfest 2009 die Kosten auf die Kommune abgewälzt, den Nutzen hat der Turnerbund - unter anderem durch kostenlose Benutzung der Messehallen. Als nach Bekanntwerden der Kosten für das Turnfest (25 Millionen Euro) Aufregung entstand, strich Birkenfeld den einzigen Veranstaltungsort unter städtischer Regie - die Festmeile am südlichen Mainufer.

Letztlich bleibt der Stadt bei Turnfest wie Fußball-WM die Hoffnung auf Werbung durch TV-Berichte sowie Umsatz für Hotels und Gastronomie. Kommentar F 4

Autor:  MARTIN MÜLLER-BIALON
Datum:  27 | 8 | 2008
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