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Rhein-Main und Hessen
Hessische Landespolitik und Berichte aus dem Rhein-Main-Gebiet.

31. März 2011

Freizeit: Einfach abheben

 Von Katharina Kütemeyer
Hüpfen macht kreativ  Foto: iStockphoto

Das Trampolin erlebt seine Renaissance – als wohnungstauglicher Heimtrainer mit wahrer Wunderwirkung.

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Bereit zum Absprung

Sichere Punktlandung: Auf den ersten Blick erscheinen Mini-Tramps alle gleich, doch mit Sonderangeboten sollte man vorsichtig sein, da die Qualität – und damit die Sicherheit – gering sind. Ein solides Gerät kostet zwischen 150 und 250 Euro. Kleine Gartentrampoline bis 4,40 Meter Durchmesser sind ab von 250 Euro an erhältlich, größere von 700 Euro an. Breite Auswahl und fachliche Expertise unter
www.trampolinhaus.de.
Geräuscharm im Sprung: Damit die Nachbarn nicht denken, es falle ihnen der Himmel auf den Kopf, empfiehlt es sich, eine rutschfeste Decke unterzulegen. Bei hellhörigen Wohnungen sollte unter jedem Trampolin-Fuß
eine 15 mal 15 Zentimeter große und 5 Zentimeter dicke Styroporplatte mit einem Brettchen oben drauf liegen.
Nasses Vergnügen: Die jüngste Entwicklung nennt sich Aquabouncing. Das Trampolin befindet sich in einem Schwimmbecken und man springt in brusthohem Wasser. Dies ist gelenkschonender und
aufgrund des Wasserwiderstands effektiver.

Mehr Infos unter www.unterwassertrampolin.de und www.aquabouncing.de. küt

Lächerlich, geradezu grotesk unkoordiniert schnellt der Körper in die Höhe – nur, um sofort zu fallen und in Schieflage wieder aufzusteigen. Mit rudernden Armen und nach oben verdrehten Augen versucht man, den Rumpf zu stabilisieren, als die Füße schon landen und den Körper zurück in die Luft katapultieren. Während der Kopf noch SOS-Signale sendet, breitet sich auf dem Gesicht ein schwachsinniges Lächeln aus: Die Endorphine übernehmen. Und der Nachbar klopft mit dem Besen von unten an die Decke.
Die ersten Sprünge auf dem Trampolin wandern sofort ins Anekdoten-Repertoire. Nicht nur erregter Mit-Mieter wegen, sondern weil der Erst-Hüpfer, orientierungslos wie ein Flummi, endlose Sekunden braucht, um das Auf und Ab sinnvoll zu verarbeiten, um Hirn und Muskeln zu signalisieren, dass die regelmäßige Schwerelosigkeit gewollt – und normal ist. Zumindest auf einem an Federn aufgehängten Sprungtuch, das darüber hinaus überschaubare 1,30 Meter Durchmesser hat.

Jungbrunnen für Körper und Geist

Denn neben dem gewöhnlichen Outdoor-Trampolin, das Kinderherzen und folglich deutsche Vorgärten rasant und massenhaft erobert hat, besitzt das Minitramp (wie es im Fachjargon heißt) eine Sonderstellung: als wohnungstauglicher Heimtrainer für die Großen – mit wahrer Wunderwirkung, glaubt man den viel versprechenden Broschüren.

Dynamisch, straff und glückselig strahlend werben in den Heften hüpfende Damen (Herren tauchen erst bei den medizinischen Aspekten auf) für den „Jungbrunnen für Körper und Geist“, dafür, dass man „fröhlich wippend“ die Fettverbrennung ankurbelt, den Körper entgiftet und Kondition, Gesundheit, gar Kreativität und gute Laune tankt.

Und jetzt möchte ich, dass Sie mir glauben: Es stimmt.

Nun liegt es mir fern, zu behaupten, den werbenden Damen zu gleichen, dafür ist mein Lebenswandel nicht diszipliniert genug. Doch als müder Abklatsch dürfte ich wohl durchgehen.
Immerhin schwinge, springe und hopse ich seit gut zwei Jahren, stauche und entspanne meine Zellen mit jedem Sprung, aktiviere so mein Lymphsystem und bilde mir ein, mein Bindegewebe enorm gestrafft zu haben.
Als Stimmungsheber taugt das Sprungtuch also allemal. Dass es zudem so wunderbar in den Alltag zu integrieren ist, offenbart sich nach der ersten faulen Trainingspause.
Seitdem dienen mir die Beine des Gestells (wiewohl sie einklappbar sind, das gesamte Gerät leicht zu verstauen ist) als bewährte Taschen- und Jackenhaken. Bis auf die zwei- bis dreimal pro Woche, wenn ich meinen Hometrainer in Position bringe, die Vorhänge zuziehe (es ist immer noch lächerlich – aus Zuschauersicht) und den Fernseher anschalte.
Die Flut der bunten Bilder eignet sich hervorragend, um die körperliche Ertüchtigung zu kompensieren. Vom Bildungsfaktor ganz abgesehen: Mein Wissen über Geparden und Elefanten ist erheblich gewachsen.

Fliegen für Mikrosekunden

Entgegen aller Vorurteile ist Trampolinspringen übrigens verdammt anstrengend – selbst wenn man aufgrund der begrenzten Sprungfläche, Deckenhöhe und Nachbarn auf Salti und Schrauben verzichten muss. Stattdessen gilt es, vorerst auf- und abzuschwingen, mit leichtem Hüpfen fortzufahren, um schließlich bei Sprints, Twist-Sprüngen und imaginärem Hürdenlauf gehörig zu schwitzen.
Das Schöne daran: Man hat (nahezu) komplette Bewegungsfreiheit, Hauptsache, der Körper fliegt für Mikrosekunden. Denn es ist die ständige Überwindung der Schwerkraft, die den Körper arbeiten lässt – auch wenn es sich nicht so anfühlt. So beweisen Studien, dass wir auf dem Trampolin 68 Prozent mehr Kondition und Muskeln aufbauen als beim Joggen, in einer Stunde 750 Kalorien verbrennen und in fünf Minuten so viel Sauerstoff tanken wie beim Drei-Kilometer-Lauf. Klingt doch traumhaft – selbst mit dem Wissen, dass nicht zwingend jeder (ich!) springend zum Wunderweib (oder -kerl) mutiert.
Schließlich gibt es andere Gründe, abzuheben: Weil es Spaß bringt, weil es tatsächlich den gesamten Körper formt (wenn auch keinen Waschbrettbauch erzeugt) und den Kreislauf auf Touren bringt. Außerdem hüpfen Sie damit immer aus der Reihe: für Smalltalk-Lücken unbezahlbar.

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