Fußball und Politik: Diese Wechselbeziehung ist eine unendliche Geschichte. Doch die Stadt Frankfurt wartet jetzt mit etwas wirklich Neuem auf: Dem ersten Akteneinsichtsausschuss im Römer, der klären soll, wie eigentlich Eintrittskarten für die Frankfurter Eintracht an Rathaus-Politiker vergeben werden.
Am 22. Februar konstituiert sich dieses Gremium. Die Fakten: Im Stadion also, steht der Stadt Frankfurt bei Heimspielen der Eintracht eine Loge zur Verfügung. Das sind 20 Sitzplätze in bester Lage über der Haupttribüne. Sie kosten die Stadt nichts.
Früher, erinnert sich der SPD-Fraktionsvorsitzende Klaus Oesterling, sei das Verfahren, um in diese Loge zu gelangen, "etwas undurchsichtig" gewesen. Jede Römer-Fraktion habe je nach Größe ein Karten-Kontingent bekommen: "Die SPD zum Beispiel drei."
Oesterling ist selbst kein Fußball-Fan und erzählt, dass er nur selten im Stadion war. Verteilt wurden die Karten, so Carmen Thiele, Stadtverordnete der Linken, "über die Vorsitzende des Sportausschusses", die Grüne Angela Hanisch. Thiele, auch sie kein Fußball-Fan, war nur einmal im Stadion, "weil ich es noch nie gesehen hatte". Er weiß auch, "dass da einiges unter Hand gelaufen ist", will sagen, dass nicht nur Römer-Politiker auf den Plätzen im Stadion saßen, sondern auch deren Verwandte und Freunde.
Dann kam der neue Sportdezernent, Markus Frank (CDU). Und der zog alsbald die Vergabe der Karten an sich. Weil er nämlich die Loge im Stadion für "eine schöne Ressource" hält, um Werbung für die Stadt zu machen.
Kümmern um die Wirtschaft
Frank, auch Wirtschaftsdezernent, hat seit elf Heimspielen der Eintracht die Anzahl der eingeladenen Politiker reduziert und statt dessen "bei jedem Heimspiel sieben bis zehn Leute aus der Wirtschaft gebeten". Seither treffen sich die Geladenen immer "eine Stunde früher", die Wirtschaftsvertreter werden begrüßt und freuen sich: "Das wird super angenommen", so Frank, die Stadt zeige, dass sie sich "um die Wirtschaft kümmert".
Für Hans-Günter Müller freilich, Stadtverordneter der Freien Wähler, erfüllt diese Vergabe den Tatbestand der "Korruption". Und deshalb haben die Freien Wähler auch den Akteneinsichtsausschuss einberufen. Müller vergisst nicht zu erwähnen, dass er sich seit Monaten vergeblich um eine Karte bemüht habe. Das frühere CDU-Mitglied wettert, die Vergabemethode sei undurchsichtig: "Ich will ein transparentes Verfahren."
Wirtschaftsdezernent Frank sieht dem Akteneinsichtsausschuss gelassen entgegen. Der Stadtverordnete Müller, meint Frank, sei halt bisher "noch nicht dran gewesen".

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