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Fußballverein: Die Eintracht-Legende

Kurt E. Schmidt gehört seit 1932 zum Inventar des Eintracht Vereins - und hat jede Menge Geschichten parat. Von Fabian Böker

Er kann stundenlang erzählen: Kurt E. Schmidt.
Er kann stundenlang erzählen: Kurt E. Schmidt.
Foto: Michael Schick

Ibiza. Sommer. 35 Grad. Die Jugendlichen feiern, die Personen fortgeschrittenen Alters genießen den Abstand zur Heimat. Mittendrin er, 83 Jahre alt. Angereist mit ausnahmslos jüngeren Freun-den, ist er es, der mit einer jungen Frau schäkert und scherzt und sie zu Lumumba einlädt. Ihr war sein Eintracht-Shirt aufgefallen, seine Kumpels sind sprachlos.

Er, das ist Kurt E. Schmidt. Lebende Eintracht-Legende, er gehört zum Inventar des Vereins. Er war "außer Präsident und Trainer" schon alles. Teambetreuer, Stadionsprecher bei den Amateuren, Revisor, Pressesprecher. Heute ist er Schiedsrichter-Betreuer bei der U23 und in der Presseabteilung der Profis aktiv. Trotz seiner mittlerweile 83 Jahre ist er putzmunter, um keinen lockeren Spruch verlegen, für jeden Spaß zu haben und immer dabei, wenn es um Eintracht Frankfurt geht. Und er kann Geschichten wie die eingangs erwähnte erzählen. Stundenlang.

Am Donnerstag tat er das im Eintracht-Museum. Etwa 50 Zuhörer jeder Altersschicht waren erschienen und kamen aus dem Staunen, Bewundern und Lachen nicht mehr heraus. Schmidt kann sich noch heute an seinen ersten Kontakt mit der Eintracht erinnern. 1932 verfolgte er mit seinem Onkel den 3:1-Derbysieg gegen den FSV Frankfurt im Waldstadion. Nun war es um ihn geschehen, die Eintracht sollte fortan sein Leben bestimmen.

1950 wurde er Vereinsmitglied, und er ließ kaum ein Spiel, kaum eine Veranstaltung aus. Die Auswärtsspiele in der damaligen Oberliga steuerte er stets mit einigen Freunden im VW-Bulli an. Eines Tages - die Eintracht gastierte beim amtierenden Deutschen Meister VfR Mannheim - kam der Fahrer mit einem neuen Auto, einem Borgward, zum Treffpunkt. Die Vorfreude der Mitstreiter wich blankem Entsetzen, als sie das Kennzeichen sahen: OF. "Mit so einem Kennzeichen fahren wir nirgendwo hin!" Guter Rat war nun teuer. Also lieh sich der Fahrer beim Wirt des benachbarten Lokals eine Blechschere, schnitt "feinsäuberlich wie ein Chirurg" das "O" aus dem Kennzeichen, und die Fahrt nach Mannheim - das Spiel endete 1:1 - konnte beginnen.

Kurt E. Schmidt - seit 1946 Ver-kehrpolizist in Frankfurt - beließ es später nicht bei Reisen in den süddeutschen Raum. Er war 1959 beim Finale um die Deutsche Meisterschaft in Berlin dabei. Zwei Tage später hatte er dann seinen mittlerweile legendären Auftritt. Er regelte wie jeden Tag an der Alten Oper den Verkehr, als plötzlich ein weißes Cabriolet hielt. Die Insassen - Alfred Pfaff samt Gattin Edith - drückten ihm zwei Eintracht-Fahnen in die Hand, mit denen er für den restlichen Tag seine Arbeit verrichtete. Resultat des Ganzen war ein Rapport beim Polizeipräsidenten, der - ebenfalls glühender Eintracht-Fan - jedoch mit einem Schmunzeln auf die "perfekte Fotomontage" in der Zeitung hinwies und auf eine Ermahnung verzichtete.

Im Folgejahr begleitet Kurt E. Schmidt seine Eintracht zu allen Europapokalspielen, also auch zum Finale in Glasgow gegen Real Madrid vor 120 000 Zuschauern.

In den 90er Jahren zog es ihn dann nach Wien, La Coruna, Hel-sinki, Turin oder Moskau. Apro-pos Moskau: Auf dem Hinflug sollte er auf Geheiß des Trainers Toppmöller mit Jay-Jay Okocha für dessen Führerscheinprüfung lernen. Doch dieser verschlief den kompletten Flug, bestand seine Prüfung aber dennoch. "Ich kannte den Fahrlehrer ganz gut, er war auch Eintracht-Fan", verriet Schmidt mit seinem typischen Grinsen.

Autor:  Fabian Böker
Datum:  21 | 9 | 2009
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