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Rhein-Main und Hessen
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01. Februar 2013

G8 - G9: G8 sorgt weiter für Streit

 Von 
Andreas Bartels (mit Mantel) übergibt die Eltern-Petition für G9 an Vertreter des Landtags.  Foto: Sascha Rheker

Über 22.000 Eltern haben eine Petition mit dem Ziel unterschrieben, jetzigen Fünft- und Sechstklässlern den Umstieg auf G9 zu ermöglichen. Dies ist trotz grundsätzlicher Wahlmöglichkeit der Gymnasien nicht erlaubt. Die Eltern-Petition schlägt hohe Wellen.

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Über 22.000 Eltern haben eine Petition mit dem Ziel unterschrieben, jetzigen Fünft- und Sechstklässlern den Umstieg auf G9 zu ermöglichen. Dies ist trotz grundsätzlicher Wahlmöglichkeit der Gymnasien nicht erlaubt. Die Eltern-Petition schlägt hohe Wellen.

Nicola Beer (FDP) macht eine einfache Rechnung auf: Laut aktueller JIM-Studie zum Medienkonsum Jugendlicher verbringen Gymnasiasten täglich rund fünf Stunden mit Fernsehen, Computer und Konsolenspielen. Offenbar bleibe also trotz G8 noch genügend Zeit für anderes, argumentierte die Kultusministerin am Donnerstag in einer Debatte des Landtags zur Gymnasialzeit.

Viele Eltern sehen das anders. 22.369 von ihnen haben binnen sechs Wochen eine Petition unterschrieben mit dem Ziel, jetzigen Fünft- und Sechstklässlern den Umstieg auf G9 zu ermöglichen. Dies ist trotz grundsätzlicher Wahlmöglichkeit der Gymnasien nicht erlaubt – eine Rückkehr zu G9 soll nur für nachfolgende Jahrgänge gelten. Dies sei rechtlich nicht anders machbar, argumentierten Vertreter der Regierungsfraktionen, und verwiesen auf die Möglichkeit der Gymnasien, G8 und G9 parallel anzubieten.

Weg zum Abitur

Eine Wahlmöglichkeit zwischen G8 und G9 für Gymnasien gibt es vom nächsten Schuljahr an. Die beiden Wege zum Abitur unterscheiden sich in ihrer Länge. In G8 dauert die Mittelstufe fünf Jahre, in G9 sechs. Daran schließt eine dreijährige Oberstufe an. Am Ende der Mittelstufe soll der Lernstand gleich sein.

Ein Parallelangebot von G8 und G9 ist unter bestimmten Bedingungen ebenfalls möglich. So müssen die Gymnasien sich verpflichten, mindestens noch drei Jahre lang G8 von der fünften Klasse an anzubieten.

Die Unterschriftenlisten haben die Initiatoren der Petition am Nachmittag vor dem Landtag der Vorsitzenden des Petitionsausschusses, Barbara Cárdenas (Linke), und den schulpolitischen Sprechern der fünf Fraktionen übergeben. Landtagspräsident Norbert Kartmann (CDU) hatte die persönliche Annahme abgelehnt (siehe Seite R12).

Die Petition bot Eltern, Schülern und Politikern Anlass zu einer erneuten grundsätzlichen Auseinandersetzung mit dem Turbo-Abitur. „Es geht uns darum, so viele Kinder wie möglich aus G8 rauszuretten“, sagte Andreas Bartels, einer der Initiatoren der Petition, in einer Podiumsrunde. Der Stadtschülerrat Wiesbaden hatte anlässlich der Unterschriftenübergabe dazu eingeladen.

Ständiger Lernstress und Überforderung

Das Turbo-Abitur G8 führe zu ständigem Lernstress und Überforderung, klagte Landesschülersprecher Laurien Simon Wüst. Es sei ein „Raub der Kindheit“. Ganze Familien gingen im Lernterror unter, kritisierte Elternsprecher Matthias Bedürftig mit Hinweis auf eigenes Erleben. Hessen brauche kein G8, sagte GEW-Chef Jochen Nagel, um international wettbewerbsfähig zu sein, auch so sei Deutschland Exportweltmeister geworden. Er forderte: „Wir müssen landesweit und flächendeckend zu G9 zurückkehren.“

G8 sei gescheitert, bilanzierte Heike Habermann (SPD) in der Landtagsdebatte. Es vertiefe die Spaltung der Gesellschaft, sagte Barbara Cárdenas. Offenbar wolle die Landesregierung nicht überall zu G9 zurück, weil sie damit ihr Gesicht verlöre und Mehrkosten fürchte. Mathias Wagner (Grüne) warf Kultusministerin Beer Kaltschnäuzigkeit vor, wenn sie den Willen der Eltern ignoriere. Diese würden empört reagieren, wenn sie im nächsten Schuljahr kein G-9-Angebot vorfinden würden.

Laut Beer wollen 38 der 107 Gymnasien vom nächsten Schuljahr an wieder G9 anbieten. Diese Zahl zeige, dass der große Ansturm ausbleibe. Thorsten Schäfer-Gümbel dagegen spricht von einer „Riesenwelle“ angesichts des schwierigen Verfahrens, das die Schulen zu bewältigen hätten. „Und das ist erst der Anfang“, zeigt sich der SPD-Chef sicher.

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