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14. Dezember 2012

G8 - G9: Gymnasien dürfen zurück zu G9

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In Hessen können Gymnasien ab dem nächsten Schuljahr wählen, ob sie G8 oder G9 anbieten. Foto: dpa

Die Verkürzung der Gymnasialzeit bis zum Abitur ist bei Eltern umstritten. Um Wähler nicht zu verprellen, drehen CDU und FDP eine Volte. Im Landtag setzen sie eine Änderung des Schulgesetzes durch, wonach Gymnasien nun wählen können. Die Grünen stimmen mit Schwarz-Gelb.

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Die Verkürzung der Gymnasialzeit bis zum Abitur ist bei Eltern umstritten. Um Wähler nicht zu verprellen, drehen CDU und FDP eine Volte. Im Landtag setzen sie eine Änderung des Schulgesetzes durch, wonach Gymnasien nun wählen können. Die Grünen stimmen mit Schwarz-Gelb.

Acht Jahre nach der Verkürzung der Schulzeit dürfen Gymnasien wieder zur längeren Dauer bis zum Abi zurückkehren. Das hat der Landtag am Freitag in Wiesbaden beschlossen. Dafür stimmten nicht nur die Regierungsfraktionen von CDU und FDP, sondern auch die oppositionellen Grünen.

Schulen entscheiden

Im Sommer dürfen Gymnasien zur längeren Schulzeit (G9) zurückkehren. Voraussetzung dafür ist ein Votum der Schulgemeinde. Schüler- und Elternvertretung sind zu beteiligen. Außerdem muss die Schule ein Konzept vorlegen.

Kooperative Gesamtschulen dürfen bereits seit dem Schuljahr 2008/09 wählen, ob sie ihre Schüler in acht (G8) oder neun Jahren (G9) zum Abitur führen wollen. Bislang ist rund die Hälfte der 116 Kooperativen Gesamtschulen zu G9 zurückgekehrt.

G8 bedeutet, dass die Mittelstufe fünf Jahre dauert (Klassen 5 bis 9). In G9 sind es sechs Jahre (Klassen 5 bis 10).

SPD und Linke lehnten es ab, die Schulen selbst über die Schulzeit entscheiden zu lassen. Sie setzen sich dafür ein, in ganz Hessen zur sechsjährigen Mittelstufe zurückzukehren.
Genau vor einem halben Jahr hatte Ministerpräsident Volker Bouffier beim CDU-Parteitag angekündigt, man überlege, ob Gymnasien selbst entscheiden sollten zwischen der acht- und der neunjährigen Gymnasialzeit (G8 und G9). Man löse das Versprechen des Regierungschefs jetzt ein, betonte die CDU-Landtagsabgeordnete Claudia Ravensburg am Freitag in der Debatte.

Kultusministerin Nicola Beer (FDP) sagte, die Schulen sollten immer selbstständiger werden und „pädagogische Freiheiten“ erhalten. Dazu zähle auch die Entscheidung über die Dauer des Gymnasiums. Sie warnte davor, Druck auf Schulen mit dem Turbo-Abi G8 aufzubauen, die nicht zur längeren Dauer zurückkehren wollen. Ihr Parteifreund Mario Döweling beteuerte: „Wenn G8 nicht funktionieren würde, dann würden wir es abschaffen.“ Es gebe aber etliche Schulen, bei denen der schnelle Weg zum Abi gut funktioniere.

Der Grünen-Bildungspolitiker Mathias Wagner verteidigte die Haltung seiner Fraktion, in dieser Frage mit dem Regierungslager zu stimmen. Die Grünen seien schon immer für „Wahlfreiheit“ gewesen. „Bloß weil Sie unseren Vorschlag übernommen haben, sind wir jetzt nicht dagegen“, rief Wagner der Koalition zu. CDU und FDP sollten aber auch eingestehen, dass die flächendeckende Einführung von G8 zum Schuljahr 2005/6 ein großer Fehler gewesen sei.

Der Grüne betonte, dass der Beschluss jetzt auch verwirklicht werden müsse. „Die Eltern erwarten, das sie im kommenden Jahr wählen können“, sagte Wagner.

Fünftklässler bleiben bei G8

Ohne Erfolg blieb ein Änderungsantrag der SPD. Er sollte es Kindern in den fünften Klassen ermöglichen, die längere Schulzeit zu bekommen, obwohl sie schon ein Jahr in einer G8-Klasse absolviert haben. SPD, Grüne und Linke votierten dafür, CDU und FDP dagegen.

CDU-Politikerin Ravensburg räumte ein, dass Elternbeiräte den Wunsch nach einem Rückkehrrecht für Fünftklässler geäußert hätten. Es bestünden aber rechtliche Bedenken, da Mitschüler einen Anspruch auf Rechtssicherheit und Vertrauensschutz besäßen. Schulen könnten jedoch ein Angebot unterbreiten, wenn sie sich an dem Schulversuch beteiligten. Er sieht vor, dass Gymnasien sowohl G8- als auch G9-Züge anbieten dürfen, wenn sie über genügend Schüler verfügen.

Vergeblich sprach sich die SPD-Schulpolitikerin Heike Habermann gegen die Koalitionspläne aus. Was die Koalition als „Wahlfreiheit“ bezeichne, sei in Wirklichkeit „ein Abwälzen der Verantwortung auf die Gymnasien“. Für jene zehn Prozent der Schüler, die G8 wollten, solle eine Verkürzung der Schulzeit in der Oberstufe ermöglicht werden, warb Habermann.

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