Maggy sieht gut aus: leuchtend rot, hübsch verpackt und kühlschrankkalt. Verführerisch. Maggy ist ein "Laborkind" und der neueste Schrei der hessischen Apfelsaft-Forschung. Eine Gemeinschaftskreation der Pomologen, Obstbauer und der Getränketechniker des Fachbereiches Geisenheim der Hochschule RheinMain. Ein bisschen spielen auch Psychologie und Marketing eine Rolle. "Die Farbe Rot", sagt Peter Braun, Professor am Fachbereich, "wird als gesünder angesehen". Daher experimentieren Fachleute und Studenten in Geisenheim mit rotem Apfelsaft.
Herausgekommen ist Maggy, vermischt mit dem natürlichen Farbstoff einer Apfelwildart. Das Problem ist nur: Der Saft ist jetzt zwar rot, mundet aber nicht so richtig. "Jetzt arbeiten wir noch am Geschmack", sagt Braun. Maggy ist ein gutes Beispiel, wie am Fachbereich Geisenheim unterschiedlichste Studieninhalte wie Pflanzenbau, Züchtungen oder auch Marketing mit praxisnaher Forschung verzahnt werden. Gerade das reizt die Studentin Myriam Declercq. "Wir konnten das erste Mal direkt in der aktiven Forschung dabei sein." Die 26-Jährige hat den Masterstudiengang Gartenbau begonnen, will sich auf Forschung, Entwicklung, Biotechnologie spezialisieren.
Die grünen Studiengänge gehören seit 1971 zur Hochschule RheinMain, die damals FH Wiesbaden hieß. Der Fachbereich Geisenheim (Rheingau) umfasst Weinbau, Landschaftsarchitektur, Getränketechnologie und Gartenbau.
Der Fachbereich liegt auf dem Gelände der Forschungsanstalt Geisenheim, mit der die Hochschule zusammenarbeitet.
Rund 1200 Studenten sind dort eingeschrieben. (alu)
Kundenwünsche ändern sich
An der Dependance der FH RheinMain im Rheingau studieren 1200 Studenten. Hier werden die Weinbauer, Landschaftsarchitekten, Getränketechniker oder eben Gartenbauer ausgebildet. In meist sieben Semestern können sie ihren Bachelor machen, seit kurzem ist bei den Gartenbauern auch der dreisemestrige Masterabschluss möglich. Die grünen Fachbereiche der Hochschule sind auf dem Gelände der vor rund 130 Jahren gegründeten Forschungsanstalt Geisenheim untergebracht, und eben das ist das Besondere daran. "Forschungsanstalt und Hochschule leben und forschen in Koexistenz", sagt FH-Sprecher Ernst-Michael Stiegler.
Wissenschaftler der Forschungsanstalt gehen als Professoren in die Hörsäle und Studenten der Hochschule in die Labore, in weitläufige Gewächshäuser und Versuchfelder der Forschungsanstalt. "Wir sind nicht mehr nur die reine Lehranstalt", betont Stiegler. Der Fachbereich Geisenheim verfügt seit kurzem auch über ein eigenständiges Doktoranden-Kolleg. Studenten können an der Fachhochschule auch promovieren. "Das ist bundesweit einmalig", sagt Stiegler.
Ihren Doktortitel will auch Myriam Declercq machen - wenn sie ihren Gartenbau-Master in der Tasche hat. Viele der Studenten stammen aus Familien, die selbst im Gartenbau tätig sind. Wie Stephan Schürg, seine Eltern haben eine Baumschule im Westerwald. Im Master-Studium will er mehr lernen über Themen wie Management, moderne Betriebsführung oder Dienstleistungen für den Kunden. Sein Kommilitone Sören Kozica interessiert sich dagegen für den Anbau oder Themen wie Marketing und Logistik für "lebende Pflanzen".
Facetten, die die unterschiedlichen Studienschwerpunkte und Profile bieten. Die Gartenbau-Branche wandelt sich sehr: Die Konkurrenz durch Billigprodukte und Importe ist groß, Kundenwünsche und auch Technologien verändern sich stetig. "Das Studium hat sich sehr verändert. Es geht nicht mehr nur um die Produktion, sondern auch um Marketing und Verkauf. Mensch-Technik-Ökonomie und Pflanze. Die Mischung ist wichtig", sagt Master-Studiengangsleiter Braun. Und gute Ideen für neue Produkte.
Derzeit befassen sich seine Master-Studenten etwa mit Neuzüchtungen für Säulenapfelbäume. Wenig Baumschnitt, leichte Ernte und schmackhafte Früchte sind das Ziel. Und der Einsatz von Pflückrobotern. Braun: "Saisonarbeitskräfte wird es auf Dauer nicht mehr geben." Auch darauf müssen Gartenbauer vorbereitet sein.

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