Rhein-Main und Hessen
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26. April 2012

Gas-Suche: Bürger fürchten um ihr Trinkwasser

Bürger protestieren gegen Fracking. (Archivbild) Foto: dpa

In Nordhessen regt sich Widerstand gegen die Fracking-Technik. Dabei werden Chemikalien für die Erdgasgewinnung in den Untergrund gepresst. Die Bürger befürchten, dass die Stoffe das Trinkwasser verunreinigen könnten. Sie fordern mehr Informationen.

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Silke Engler-Kurz zuckt mit den Schultern. „Keiner weiß, welche Stelle, welches Verfahren und welche Stoffe beigemischt werden“, sagt die Erste Stadträtin von Baunatal in Nordhessen. Zum Thema Fracking gebe es derzeit in Nordhessen viele Fragen und kaum Antworten.

Beim „Fracking“ wird mit Chemikalien, die in den Untergrund gepresst werden, die Erdkruste aufgespalten, um die Förderung von Erdgas möglich oder leichter zu machen. Ein kanadisches Unternehmen will nun in Nordhessen mit dieser Methode nach Erdgas suchen - und hat als Untersuchungsgebiet vorsorglich 5000 Quadratkilometer angegeben. Das entspricht quasi einer Fläche von ganz Nordhessen.

„Ich bin gegen Fracking“, betont Engler-Kurz. Für das SPD-Mitglied ist vor allem die Frage nach den Auswirkungen für das Trinkwasser ungeklärt. Deshalb hat die Stadträtin einen Brief an das Regierungspräsidium Kassel geschrieben. „Ich bin nicht auf Protest gepolt. Wir möchten Informationen haben.“ Wichtig zu wissen sei zum Beispiel, ob die Wasseraufbereitung umgestellt werden muss.
Das Trinkwasser für die Stadt kommt auch aus dem Schwalm Eder-Kreis. Niemand wisse, wie weit sich die Chemikalien auswirken. Verhindern kann Engler-Kurz eine Entscheidung allerdings nicht. „Das Bergbaurecht sieht quasi keine Beteiligung vor. Wir haben rechtlich keine Einflussnahme“, sagt die 37 Jahre alte Juristin.

„Keine Investitionen in konventionelle Energieträger“

Zudem befürchtet die Stadträtin, auf den Kosten für eine etwaige Umrüstung der Wasseraufbereitung sitzen zu bleiben. Engler-Kurz appelliert schon jetzt, für einen finanziellen Ausgleich zu sorgen, sollte die Stadt neue Verfahren einführen müssen. Die Chancen dafür seien allerdings gering.

Außerdem passe eine solches Verfahren nicht zu Nordhessen, betont Engler-Kurz. „Wir sind Solarregion und gehen auf dezentrale Energien. Es ist der falsche Weg, in konventionelle Energieträger zu investieren.“ Am Donnerstag wollte sich auch die Regierungspräsidium Kassel zu dem Thema äußern.

Der Kreis Kassel behandelt das Thema Anfang Mai in seiner Kreistagssitzung, hat sich aber in einer internen Stellungnahme schon gegen das Verfahren ausgesprochen. Bereits 2010 hatte der Kreis beschlossen, bis 2030 CO2-neutral zu wirtschaften.

In dem internen Papier wird Fracking als besonders risikobehaftet, besonders umweltschädlich und dabei ressourcenverschlingend bezeichnet. Dies stehe im Widerspruch zu dem Beschluss.

Zudem soll laut Kreis die Erkundungslinie mitten durch den Habichtswald führen - und der ist das Bindeglied zwischen dem Unesco-Weltnaturerbe Kellerwald am Edersee und dem vielleicht bald Welterbe Bergpark Wilhelmshöhe. „Wir sind sicher, dass Wald kein Standort für Gasförderanlagen sein kann“, heißt es weiter. Es werde deutlich, „dass es im Landkreis Kassel keine geeigneten Flächen genehmigungsfähiger Standorte für eine spätere Schiefergasgewinnung geben kann“. (dpa)

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