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Gastbeitrag von Matthias Müller: Im Sinne der Metropolregion

Gerade bei der Kulturförderung ist ein Bündeln der Kräfte wichtig - ein Gastbeitrag von Matthias Müller.

Mathias Müller ist seit zwei Monaten Präsident der Industrie- und Handelskammer Frankfurt.
Mathias Müller ist seit zwei Monaten Präsident der Industrie- und Handelskammer Frankfurt.
Foto: FR/Boeckheler

Seit mehr als 60 Jahren wird über die geeignete Verfasstheit der Region FrankfurtRheinMain gerungen. Vieles ist bereits erreicht: Öffentlicher Nahverkehr, Abfallwirtschaft, Kultur, Flächennutzungsplanung - eine Vielzahl von mehr oder weniger gut funktionierenden Systemen pulsiert heute in unserer Region. Jetzt geht es um die nächsten Schritte. Darüber sind sich praktisch alle einig. Aus Sicht der Wirtschaft sollte 2010 das Jahr Eins einer neuen Etappe zum Bau der Metropolregion werden. An einigen Beispielen zeigt sich, wie aus den bestehenden Elementen ein leistungsfähiger Corpus gestaltet werden könnte.

Wirtschaftsförderung

Der Autor

Matthias Müller ist Präsident der Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main.

Um das Thema Wirtschaftsförderung und Standortmarketing der Metropolregion kümmern sich derzeit mehrere Organisationen. Häufiger gewinne ich dabei den Eindruck, als laufe manches aneinander vorbei, als würden Arbeiten in verschiedenen Gesellschaften mehrfach und voneinander unabgestimmt erledigt. Solche Zustände sind ineffizient und vermitteln den Eindruck mangelnder Geschlossenheit. Um den einheitlichen Außenauftritt zu erreichen, um ein Gesicht und eine Stimme, eine Telefonnummer und eine E-Mail-Adresse zu haben, sollte es für die Region einen klaren Ansprechpartner geben. Die lokalen Wirtschaftsförderungen der Städte und Gemeinden können und sollten unverändert bestehen bleiben - der grundsätzlich sinnvolle Standortwettbewerb innerhalb der Region bliebe damit gewahrt.

Wissensregion

Die vor zwei Jahren entstandene Initiative "Wissensregion FrankfurtRheinMain" beschreitet einen guten Weg, um die Potenziale von Wissenschaft, Innovation und Bildung besser auszuschöpfen. Die Region verfügt über eine beeindruckende Palette von wissenschaftlichen Einrichtungen mit rund 160000 Studierenden. Allerdings fehlt der nächste Schritt: eine stärkere Vernetzung der Wissensinstitutionen mit den Anforderungen der Wirtschaft. Bisher ist dies noch nicht hinreichend gelungen.

Die Unternehmen haben einen steigenden Bedarf an wissenschaftlich qualifizierten Mitarbeitern und brauchen einen besseren Zugang zum Forschungs-Know-how (Technologietransfer). Die wenigen guten Ansätze (Frankfurt School of Finance & Management, FIZ Frankfurter Innovationszentrum Biotechnologie, HoLM) zeigen, wie es gehen könnte. Zur Verbesserung des Wissenstransfers müssten auch die Hochschulen und Wissenschaftlichen Einrichtungen bei der Bildung fachlicher Schwerpunkte noch mehr kooperieren. Mit der anstehenden Novelle des Hessischen Hochschulgesetzes sollte der Technologietransfer im Kanon der Hochschulaufgaben gestärkt werden. Zielvereinbarungen sollten zum Element der Hochschulplanung werden.

Flächennutzungsplanung

Der Regionale Flächennutzungsplan verbindet Regionalplanung und Flächennutzungsplanung miteinander. Was als gute Idee begann und operativ solide abgearbeitet wird, hat sich im Verfahrensprozess dennoch als insgesamt langwierig und recht kompliziert herausgestellt. Schwierige Abstimmungsprozesse haben viel Zeit gekostet - seit knapp zehn Jahren wird an diesem Planwerk gearbeitet. Dadurch kommen die erhofften Vorteile der Flächenplanung - das Einsparen einer Planungsebene - kaum zum Tragen.

Zudem ist die geographische Abgrenzung des Ballungsraumes nicht optimal, der nur einen kleinen Teil der Metropolregion umfasst und wichtige Gebiete, etwa Darmstadt und Wiesbaden, außen vor lässt. Was wir brauchen, sind schlanke, effiziente Planungsprozesse die nach einem einheitlichen Muster in der Metropolregion abgearbeitet werden. Wie das konkret aussehen kann, wird im Zuge der Diskussion um das Ballungsraumgesetz in den nächsten Monaten zu klären sein.

Kultur

FrankfurtRheinMain ist eine aktive und attraktive Kulturregion - ein wichtiger "weicher" Standortfaktor. Die Finanzierung dieses für die gesamte Region wertvollen Angebotes ist allerdings sehr ungleich verteilt. Zum Beispiel Frankfurt wendet überproportional viel für Kultur auf, die jährlichen Pro-Kopf Ausgaben aus dem kommunalen Haushalt gehören zu den höchsten im Bundesgebiet - selbst in Berlin, Hamburg und München wird proportional weniger aus dem Kommunalhaushalt für Kultur bezahlt. Es gibt eine gewisse Bereitschaft, diese regionalen Missverhältnisse auszugleichen, was sich unter anderem in der Bildung des Kulturfonds und der "Kulturregion" niedergeschlagen hat. Für den Betrachter stellt sich allerdings die Frage, weshalb es weiterhin mehrerer Organisationen bedarf, die sich der Förderung überregionaler Kulturevents in der Metropolregion annehmen. Auch hier wäre ein Bündeln der Kräfte und das Heben von Synergien sinnvoll.

Mit den genannten Beispielen wird deutlich, welche qualitativen Fortschritte im Zusammenwachsen der Region Frankfurt-RheinMain nötig und möglich sind. Im Rahmen der Neufassung des Ballungsraum-Gesetzes sollten diese und weitere Potenziale gehoben werden. Die Industrie- und Handelskammern der Region werden diese Themen beraten und weitergehende Vorschläge an die Politik machen. Der Dialog über FrankfurtRheinMain hat begonnen. Er verdient eine breite Unterstützung.

Datum:  5 | 3 | 2010
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