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Rhein-Main und Hessen
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12. Juni 2010

Gedenkstätten: Neue Rolle für den Nazi-Bunker

 Von Claudia Michels

Das Netz der Gedenkstätten wird dichter. Auch die 22 Jahre alte "Initiative 9. November" will "die Debatte eröffnen, wie der Bunker künftig genutzt wird". Von Claudia Michels

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Der Bunker an der Friedberger Anlage, auch der "Synagogenbunker" genannt, ist jetzt zu neuer Nutzung freigegeben. 25 Jahre, nachdem die Bundesregierung das Nazi-Bollwerk von 1942 noch zum Schutzbau nach einem Atomschlag hochgerüstet hatte, gibt die Bundesvermögensverwaltung BIMA den Betonklotz auf und die Stadt kann ihn kaufen. "Ich warte nur noch, welches Geld die wollen", teilt Alfred Gangel im Liegenschaftsamt mit. Sein Angebot: ein Euro; "wenn´s 1000 sind, kann ich auch damit leben".

Damit wird das Netz der Erinnerungsstätten in Frankfurt dichter, denn es ist Beschluss, den Schutzbau auf dem Grundstück der unvergessenen Synagoge Friedberger Anlage dem Gedenken zu widmen. Man befinde sich "auf verbrannter Erde", hatte Salomon Korn, Vorstandsvorsitzender der Jüdischen Gemeinde, bei einer Veranstaltung der "Initiative 9. November" zum 100. Jahrestag des Synagogenbaus 1907 in Erinnerung gerufen. Das Kulturdezernat erkennt an der Friedberger Anlage 5-6 "einen Ort, wo die Geschichte der Juden und der NS-Zeit aufeinandertrifft", sagte Referentin Ann Anders am Freitag.

Das Dezernat lässt erheben, welche Institutionen hier bereits welche Angebote des Gedenkens machen, um die neue Rolle des Bunkers zu beschreiben. Beispielsweise fehlt eine Stelle, die sich mit Tätern auseinandersetzt.

Auch die 22 Jahre alte "Initiative 9. November" will "die Debatte eröffnen, wie der Bunker künftig genutzt wird", wie ihr Mitglied DiWi Dreysse sagt. Und zwar am morgigen Sonntag bei der Vorstellung eines Sammelbands mit Referaten zu Geschichte und Umgang mit dem Ort.

Auf 125 Seiten finden sich darin auch die Berichte alter Frankfurter, jüdischer und nichtjüdischer, die rund um die Synagoge den tiefen Bruch erlebten, der sich im Zusammenleben nach 1933 mehr und mehr auftat: "Menschen, die gestern noch einflussreiche, mit dem Zylinder in der Synagoge sitzende, wohlhabende Hausherren waren, wurden erniedrigt bis in den Staub", schildert es zum Beispiel Max Mayer in einem Interview von 2002.

"Was aus dem Bunker werden könnte", ist zur Buchvorstellung Thema des Referats von Architekt Dreysse zum "Gestaltungs- und Nutzungskonzept". Man plane, auch Gruppen wie die Stolpersteine-Initiative reinzunehmen. Nach dem Kauf werde das Gebäude "dem Kulturdezernat angeboten", teilt das Liegenschaftsamt mit.

Das Buch "Erinnerung braucht Zukunft" ist bei Brandes & Apsel erschienen. Die Veranstaltung, Friedberger Anlage 5-6 , beginnt am 13. Juni, um 16 Uhr.

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