Der bundesweite Skandal um die Vergabe von Doktortiteln berührt auch die Frankfurter Universität. "Personen, die in Verbindung mit der Goethe-Universität stehen", würden verdächtigt, als öffentliche Amtsträger für Dienstaufgaben gesondert Geld bekommen zu haben, sagte Uni-Sprecher Stefan Hübner am Dienstag in Frankfurt.
Wie viele dies seien und zu welchen Fachbereichen sie gehörten, wisse die Hochschule aber noch nicht. Die Kölner Staatsanwaltschaft hatte am Wochenende bestätigt, sie ermittle bundesweit gegen 100 Professoren, die ungeeignete Kandidaten gegen Geld als Doktoranden angenommen haben sollen.
Die Frankfurter Universität habe bei der Staatsanwaltschaft Akteneinsicht beantragt und ihre eigene "Kommission für den Umgang mit wissenschaftlichem Fehlverhalten" eingeschaltet, sagte Hübner. "Wir haben ein großes Interesse an der Aufklärung und daran, zu schauen, wie man da den Riegel vorschieben kann."
Das "Institut für Wissenschaftsberatung" in Bergisch Gladbach bei Köln hat dem Verdacht zufolge bis zu 20.000 Euro pro Kandidat für die Vermittlung an einen "Doktorvater" und Hilfe bei der Themenfindung erhalten. Bei den verdächtigen Professoren handelt es sich nach Angaben von Oberstaatsanwalt Günther Feld vor allem um Privatdozenten oder "außerplanmäßige Professoren", nicht um Lehrstuhl-Inhaber.
Das Nachrichtenmagazin "Focus" hatte Hochschulen in Bayreuth, Berlin, Bielefeld, Frankfurt, Hagen, Hamburg, Hannover, Ingolstadt, Jena, Köln, Leipzig, Rostock und Tübingen genannt.
Der Hochschulverband erklärte, er habe die Staatsanwaltschaften immer wieder auf dubiose Anzeigen von Promotionsberatern hingewiesen. Nur in Einzelfällen sei es aber zu Untersuchungen gekommen. Es sei im Interesse von Hochschulen und Wissenschaft, wenn nun erstmals in Deutschland in diesem großen Umfang mögliche illegale Geschäfte mit Promotions-Vermittlungen unter die Lupe genommen würden, betonte DHV-Präsident Bernhard Kempen.
In Deutschland werden jedes Jahr 25.000 Promotionen vorgelegt, sagte Kempen. Schätzungen darüber, wie viele Doktorgrade illegal zustande gekommen sein könnten - zwei Prozent oder auch ein bis fünf Prozent wurden in Medienberichten genannt - seien Spekulation: "Ich hoffe, dass es im Promille-Bereich liegt."(dpa)

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