Auch wenn schon 17 Jahre vergangen sind: Der Rosenmontag 1993 wird im Frankfurter Westen unvergessen bleiben. Damals ging auf Schwanheim und Goldstein der "gelbe Regen" nieder. Durch einen Störfall im Griesheimer Werk der Hoechst AG war eine Ortho-Nitroanisol-Wolke entstanden. Welche Auswirkungen der giftige Chemie-Cocktail auf die Bevölkerung hat, sollte eine Langzeit-Studie klären.
Jetzt hat der Magistrat seinen Abschlussbericht vorgelegt: Bei einem Vergleich der in den beiden Stadtteilen inzwischen Verstorbenen mit anderen Toten in Hessen konnten "keine Auffälligkeiten" festgestellt werden, erläuterte Gabriele Dyckmans vom Gesundheitsdezernat am Donnerstag. Weder beim Alter noch bei der Todesursache konnten signifikante Unterschiede gefunden werden.
Entwarnung möchte Dyckmans dennoch nicht geben. Denn die ausgewerteten Daten beziehen sich ausschließlich auf die Verstorbenen. Ob es bei den noch Lebenden mehr Krebserkrankungen als in anderen Landesteilen gibt, kann zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht gesagt werden. Das lässt sich nach Angaben von Dyckmans erst klären, wenn das Hessische Krebsregister steht und das werde noch "ein bis drei Jahre" dauern.
3200 Verstorbene
Deshalb möchte der Magistrat die in Schwanheim und Goldstein gesammelten Daten aufbewahren und zwar im Stadtarchiv. Wenn das Hessische Krebsregister aufgebaut ist, können sie erneut ausgewertet werden. Eigentlich sollten die Daten nach dem Abschlussbericht vernichtet werden. Deshalb braucht der Magistrat jetzt die Zustimmung der Stadtverordneten. "Es wäre schade, wenn diese äußerst sorgfältige Datensammlung verloren ginge", sagte Dyckmans.
Nach dem Störfall am 22. Februar 1993 wurden in den betroffenen Stadtteilen über 20.000 Personen erfasst. Am 19. September 2008 wurde der Gesundheitszustand der Schwanheimer und Goldsteiner überprüft. Dabei stellte sich heraus, dass 3200 Männer und Frauen bereits gestorben waren. Das entspricht einem durchaus üblichen Anteil von 15,9 Prozent.
Die häufigste Todesursache bei den Verstorbenen waren Herz-Kreislauf-Erkrankungen (41 Prozent). An Krebs starben 25 Prozent. Lungen- und Dickdarmkrebs waren die häufigsten tödlichen Tumorerkrankungen.
In der Studie wurde auch die Nähe des Wohnorts zum verseuchten Areal berücksichtigt. Auch hier ergaben sich bei den Verstorbenen keine bemerkenswerten Unterschiede.

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