Wer heute zur Zeitreise ins Erdinnere aufbricht, muss in der Regel weder ein Abenteurer noch ein Kletterkönig sein. Selbst für Rollstuhlfahrer sind die faszinierenden Unterwelt-Landschaften der Eberstadter Tropfsteinhöhle im badischen Odenwald bequem zu erreichen.
Seit September 1973 ist die Schauhöhle im Buchener Stadtteil allgemein zugänglich - und eine große Attraktion für das kleine Fachwerkstädtchen. 3,5 Millionen Besucher ließen sich seither auf dem 600 Meter langen Weg unter der Erde von den prächtigen Tropfsteinformationen begeistern und lernten so, wie die Kalksteinhöhle vor über einer Million Jahre entstanden ist.
Die Tropfsteinhöhle im Buchener Stadtteil Eberstadt, 110 Kilometer von Frankfurt entfernt, ist Teil eines komplexen Höhlensystems. Mit EU-Geld wird dort derzeit ein neues Besucherzentrum gebaut. Die Höhle (600 Meter lang, Temperatur elf Grad) ist täglich von
10 bis 16 Uhr geöffnet. Im März, April, September und Oktober ist Montag
Ruhetag. Telefon: 06281/2780.www.eberstadter-tropfsteinhoehle.de
Der Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald ist ein Verein mit Sitz in Lorsch.
Geschäftsführer ist Reinhard Diehl, Vorsitzender ist der Landrat des Kreises Bergstraße, Matthias Wilkes. 105 Gemeinden, sieben Landkreise sowie die Städte Darmstadt und Heidelberg arbeiten hier zusammen. Der Naturpark feiert am 12. September seinen 50. Geburtstag - mit einem Fest in Lorsch. (tru)
Die märchenhafte Welt zählt zu den vielen Sehenswürdigkeiten im Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald, der sich auf einer Fläche von 3500 Quadratkilometern zwischen den Flüssen Rhein, Main und Neckar erstreckt. Die Region schmückt seit 2002 das Geopark-Prädikat der Unesco zu Recht:
Die Grube Messel als weltweit bedeutende Fossil-Lagerstätte, das Kloster Lorsch, der Odenwald-Limes und das Felsenmeer bei Reichenbach befinden sich hier ebenso wie die Stadt Heidelberg mit dem weltberühmten Schloss. Aktuell gibt es in Deutschland 13 Regionen, die dieses Gütesiegel führen dürfen.
Seit 2008 nennt sich die Region ganz offiziell Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald und betont damit ihre Wurzeln: Der Naturpark Bergstraße-Odenwald wurde 1960 als einer der ersten Naturparks in Deutschland gegründet. Damals ging es darum, den Menschen die Natur nahe zu bringen, ohne dass die Natur darunter leidet. Also wurden Wanderwege angelegt, Hinweisschilder aufgestellt, Parkplätze geschaffen. Später wurden die ersten Infoblätter gedruckt, dann "Lehrpfade" eröffnet - noch war Wissensvermittlung ein eher trockenes Fach. Doch dann wurde der Service immer wichtiger.
Inzwischen erklären nicht mehr nur Faltblätter die geologischen Besonderheiten von Granit, Muschelkalk und Buntsandstein, leibhaftige Geopark-Ranger übernehmen diesen Part. Geführte Themenwanderungen stehen bei Gästen hoch im Kurs - 500 Millionen Jahre Erdgeschichte lassen sich phantasievoll erleben.
So erfährt man, wo im Mittelalter Silber geschürft wurde, was es mit dem "Marmor des Odenwalds" auf sich hat, wo das Gerberhandwerk einmal stark war - oder wie man Geländespuren historisch deuten kann. "Der Geopark bietet lebendige Begegnungen mit Geologie, Natur, Mensch und Kultur", sagt Geopark-Sprecherin Jutta Weber. Das ist wörtlich zu verstehen: Der Trägerverein legt Wert darauf, dass der Geopark in erster Linie für die Menschen gemacht wird - für jene, die dort leben, wie für jene, die zu Besuch kommen. Das kommt an - erst kürzlich haben Zuschauer des HR-Fernsehens den Geopark zu "Hessens beliebtestem Ausflugsziel" gewählt.
Die Idee, Natur, Geschichte und Kultur über Kreis- und Landesgrenzen hinaus zu vermarkten, hat im Odenwald Tradition. Davon profitieren viele: Erbachs Bürgermeister Harald Buschmann (CDU) betont die Werbekraft des Unesco-Siegels. "Der Tourismus ist für uns eine große Chance", sagt er. Dafür entwickelt der Geopark seine Angebote ständig weiter. Umweltbildung zum Beispiel soll künftig eine noch größere Rolle spielen.
Zu entdecken gibt es hier noch viel. In Eberstadt lüfteten Forscher erst vor wenigen Jahren das Geheimnis spektakulärer Höhlenwelten gleich neben der Schauhöhle. Touristen haben dort aus Sicherheitsgründen nichts verloren. Doch wer am Ende des Rundgangs durch das Loch hindurchspäht, der ahnt, wie düster, eng und schmutzig es hier eigentlich ist - das Terrain für Abenteurer.

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