Rhein-Main und Hessen
Hessische Landespolitik und Berichte aus dem Rhein-Main-Gebiet.

02. August 2011

Gerichtsurteil: Familienvater sammelte heimlich Kinderpornos

 Von Jutta Rippegather
CD mit Kinderpornographie (Symbolbild). Foto: dpa

Nach außen gab sich der 51-Jährige als unbescholtener Bürger. Nachts allerdings surfte er im Internet und lud sich wahllos pornografisches Material herunter. Die Richter verurteilen ihn zu einer Bewährungsstrafe von sechs Monaten.

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Rechtslage

Der Besitz pornografischer Darstellungen von wirklichkeitsnahen sexuellen Handlungen von, an oder vor Personen unter 14 Jahren ist strafbar. Der Strafrahmen beginnt bei Geldstrafen und endet bei einer bis zu zweijährigen
Freiheitsstrafe.
Die Täter bedienen sich aus Tauschbörsen, von denen sie Dateien herunter-
laden können. Auch in Chat-Foren
tummeln sich Anbieter von Kinderporno-Bildern und Filmen. Zu haben sind die Darstellungen oft erst, wenn der Interessent selbst entsprechende Bilder und Filme per E-Mail sendet. Das soll vor der Internet-Polizei schützen.
Im April 2011 wird ein 32-jähriger Bad Homburger wegen Besitzes und Veröffentlichung von Kinderpornografie zu 240 Tagessätzen von je 15 Euro verurteilt. Die Polizei hatte auf dem Computer des Angeklagten 940 Bilddateien gefunden, die er über Internettausch-
börsen veröffentlicht hatte.
Im März 2011 wird ein 49-Jähriger wegen Besitzes und öffentlichen Zugänglichmachens von kinderpornografischem Material vom Landgericht Darmstadt zu vier Jahren Haft und Sicherungsverwahrung verurteilt. Er war wegen Kindesmissbrauchs vorbestraft und rückfallgefährdet. jur

Dem Papier nach war er ein unbescholtener Bürger: drei Kinder, fester und gutbezahlter Job, keine Vorstrafen. Doch hinter der Maske des Biedermanns verbirgt sich ein Mensch, der nächtelang durchs Internet surfte und sich wahllos pornografisches Material herunterlud – darunter Darstellungen von missbrauchten Mädchen und Jungen. Wegen des Besitzes von 1360 Bildern und 75 Filmen kinderpornografischen Inhalts verurteilte das Amtsgericht Frankfurt am Montag den 51-Jährigen aus Bad Vilbel zu einer Bewährungsstrafe von sechs Monaten. Er muss 1200 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung für Kinder bezahlen und seine Psychotherapie fortsetzen.

Die hatte er im März auf Empfehlung seines Anwalts begonnen und nach 17 Sitzungen – nach eigenen Angaben erfolgreich – abgeschlossen.

Die Hände auf dem Tisch gefaltet, die Augen hinter der Brille niedergeschlagen: Reglos hatte der 51-Jährige bei der Verlesung der Anklageschrift vernommen, was die Ermittler unter anderem auf seinem Computer entdeckt hatten. Gerade einmal sechs Jahre alt muss die Jüngste unter den Mädchen und Jungen sein, die für die Aufnahmen vergewaltigt und missbraucht wurden. Danach beginnt er zu reden. Von den massiven Eheproblemen, die er damals hatte, als er noch mit Frau und Kindern zusammenlebte. Er habe sich immer mehr von der Familie zurückgezogen und sich in die virtuelle Welt geflüchtet. „Es war eine fürchterliche Zeit.“

Erst sei er nur so im Netz herumgesurft, dann auf einschlägigen Seiten gelandet. Schließlich habe er von Tauschbörsen heruntergeladen. „Das plätschert dann einfach so runter.“ Er habe den Überblick verloren, nur wenn sie ihm auffielen, die Dateien mit Kindern gelöscht. Irgendwann, sagte der 51-Jährige, habe er aus eigenem Antrieb mit dem Sammeln aufgehört. Nach Lesen eines Zeitungsartikels sei ihm bewusst geworden, was er mit dem Sammeln von Kinderpornografie anrichtet: „Es heizt das Angebot an.“

Doch so weit, dass er die Daten löschte, ging der Bad Vilbeler nicht. Als sein Sohn ihn besuchte, entdeckte dieser beim Spielen am Computer die Bilder und berichtete seiner Mutter davon. Die stellte dann Strafanzeige. „Aus reiner Rache“, wie der Angeklagte bitter anmerkte.

Der Anwalt hatte angesichts der guten Sozialprognose dafür plädiert, die Bewährungsstrafe auf drei Monate zu begrenzen, damit sie nicht im Führungszeugnis auftaucht. Doch die Richterin folgte dem Antrag der Staatsanwältin. Sie hielt dem Bad Vilbeler zugute, dass er geständig war und die Therapie begonnen hatte. Zu seinen Lasten bewertete sie die große Menge gesammelter Dateien und die geringe Einsicht des Angeklagten. „Das Herunterladen kann nicht zufällig erfolgen.“

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