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Gesundheit: Eine Frage der Würde

Katholiken und Protestanten starten gemeinsam "die Woche des Lebens". Aus der Sicht beider Kirchen komme es darauf an, "die solidarischen Grundlagen unserer Gesundheitsversorgung zu erhalten". Von Matthias Arning

Zollitsch und Fischer eröffneten am Samstag im Kaiserdom die Woche des Lebens.
Zollitsch und Fischer eröffneten am Samstag im Kaiserdom "die Woche des Lebens".
Foto: Renate Hoyer

Es geht um Grundsätzliches. Daran lassen Landesbischof Ulrich Fischer im Namen des Rats der Evangalischen Kirche und Erzbischof Robert Zollitsch als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz am Samstag im Haus am Dom keinen Zweifel: Es komme aus der Sicht beider Kirchen darauf an, "die solidarischen Grundlagen unserer Gesundheitsversorgung zu erhalten". Da dieses allerdings gegenwärtig alles andere als sicher sei, müssten sie sich einmischen. Dafür biete die als ökumenisches Projekt in die Welt gesetzte "Woche des Lebens" einen ausgesprochen guten Anlass. Schließlich verpflichte "uns das christliche Verständnis vom Menschen dazu, gerade dort die Stimme zu erheben, wo grundsätzlich die Begrenztheit menschlichen Lebens nicht mehr akzeptiert wird, wo die berechtigte Sorge um Gesundheit das Maß verliert und sich in einen medizinisch-biotechnischen Machbarleitswahn steigert", setzte Zollitsch hinzu.

Die Kopfpauschale steht in der Politik "für einen Paradigmenwechsel", betonten die beiden Geistlichen. Ihre Kirchen würden dafür werben, in der Gesundheitspolitik nicht "von dem Grundgedanken abzurücken, nach dem das gesamte System auf dem Solidarprinzip aufgebaut ist".

Die am Samstag von Frankfurt am Main aus gestartete "Woche des Lebens" nimmt sich mit zahlreichen Veranstaltungen unter dem Titel "Gesunde Verhältnisse" die alles andere als einfache Frage "nach einer gerechten Verteilung der Ressourcen im Gesundheitssektor" vor. Schließlich verstehen sich die katholische Kirche mit der Caritas und die evangelische Kirche mit der Diakonie als "nicht unbedeutende Akteure auf dem Sektor des Gesundheitswesens". In beiden Institutionen müssten für die dortigen Mitarbeiter Tariflöhne gelten, machten Zollitsch und Fischer deutlich. Selbstkritisch müsse er allerdings einräumen, dass "es bei manchen diakonischen Trägern anders ist", sagte Landesbischof Fischer. Wenn sich Einrichtungen ständig mit entsprechenden Vorwürfen konfrontiert sehen würden, "stellt sich die Frage, ob eine solche Einrichtung überhaupt noch aufrechtzuerhalten" ist. Diverse Einrichtungen beider Kirche präsentierten ihr Angebot am Samstag zwischen Dom und Römer auf einer "Allee der Initiativen".

Den beiden Bischöfen geht es darum, "die solidarische Krankenversicherung zukunftsfähig zu machen". Schließlich dürfe Gesundheit nicht von der Leistungsfähigkeit Einzelner abhängig sein. Ein "zuverlässiger Zugang zu notwendigen Gesundheitsleistungen" müsse garantiert bleiben. Gleichsam als Grundsatz für jedes weitere Nachdenken über eine Reform des Gesundheitswesens angesichts der Herausforderungen, mit denen man sich "in den nächsten Jahren auseinandersetzen muss". Schließlich werde sich der demografische Wandel "massiv auf das Gesundheitssystem auswirken". Die Bischöfe verbinden damit "die Sorge, dass Unterschiede in der Versorgung wachsen könnten und dass die wachsende soziale Ungleichheit auch auf das Gesundheitswesen durchschlagen könnte". Dann allerdings gebe es "keine gesunden Verhältnisse mehr". Die Solidargemeinschaft müsse "dort einspringen, wo die Möglichkeiten des Einzelnen überfordert sind". Aber auch "nur dort", Selbstsorge werde "unverzichtbar bleiben", betonten Zollitsch und Fischer.

Grundsätzlich habe Gesundheitspolitik nicht allein eine finanzielle, sondern auch ein ethische Dimension. Dann gehe es um die Würde "derer, die wir leicht aus dem Blick verlieren".

Autor:  Matthias Arning
Datum:  19 | 4 | 2010
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