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Gift im Wasser: Trinkwasser selber aufbereiten

Die hohen Uranwerte sorgen in Praunheim, Rödelheim, Hausen, Bockenheim, Heddernheim für Unruhe.

Aus 35 bis 54 Meter Tiefe wird in Praunheim das Grundwasser hochgepumpt, fließt zusammen mit zugekauften Wassermassen aus dem Oberhessischen - und kommt in den Stadtteilen Praunheim, Rödelheim, Hausen, Bockenheim und Heddernheim an. So groß ist das Versorgungsgebiet Nordwest der Hessenwasser GmbH, dem Frankfurter Hauslieferanten von Trinkwasser.

Insgesamt gibt es stadtweit sieben solcher Versorgungsgebiete und in allen anderen ist die Uranbelastung nicht größer als 0,5 Mikrogramm pro Liter. Nur im Versorgungsgebiet Nordwest liegt der Wert mit 2,8 Mikrogramm über einem Grenzwert, der derzeit für Unruhe sorgt: Nicht mehr als zwei Mikrogramm dürfen im Mineral- und Tafelwasser sein, wenn der Hersteller damit werben will, dass sich sein Produkt für Babynahrung eignet. Für Leitungswasser existiert nur ein Leitwert.

Die Umgebung des Praunheimer Wasserwerks am Volkspark Niddatal ist untersucht worden, Zeitzeugen wurden befragt, um abzuklären, ob dort irgendwo uranhaltige oder sogar radioaktive Abfälle lagern könnten. Zum Glück war das nicht der Fall, so dass der Pressesprecher von Hessenwasser, Hubert Schreiber, davon ausgeht, dass das Uran aus dem Erdreich kommt.

Nicht mehr als 10 Mikrogramm

Schreiber hält den Grenzwert von zwei Mikrogramm/Liter für einen "Werbewert". Der Umkehrschluss, dass mehr als zwei Mikrogramm dann doch schlecht seien, "stimmt nicht". Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfehle einen Grenzwert von 15 Mikrogramm, das Bundesumweltamt von 10 Mikrogramm. Das Praunheimer Wasser sei deshalb auch für Säuglinge vollkommen unbedenklich. Auch im Gesundheitsdezernat der Stadt wird diese Auffassung vertreten. Bereits im Mai diesen Jahres hatte der Magistrat darauf hingewiesen, dass der Leitwert von zehn Mikrogramm/Liter "wissenschaftlich fundiert" sei.

Andrea Schauff von der Verbraucherzentrale Hessen rät dennoch Eltern, die im Versorgungsgebiet Nordwest wohnen, auf ein für Babynahrung geeignetes Tafelwasser umzusteigen. Schauff stützt sich dabei auf das Bundesinstitut für Risikobewertung in Berlin, das den Babys nicht mehr als zwei Mikrogramm je Liter zumuten möchte. Freilich sollte Mineralwasser, selbst solches mit dem Zusatz "Für Babynahrung geeignet", vor dem Gebrauch abgekocht werden. Das empfehlen Kinderärzte. Beim Öffnen der Flaschen könnten sich Keime bilden.

Wer auf Nummer Sicher gehen möchte, sollte über den Kauf einer Aufbereitungsanlage nachdenken. Unter anderem sind so genannte Umkehrosmose-Anlagen in Mode, die über 90 Prozent der gelösten Stoffe im Trinkwasser herausfiltern. So hat der Anbieter My Aqua aus Taunusstein sein Osmose-Wasser vom Institut Fresenius testen lassen. Ergebnis: Uran war nicht mehr nachweisbar. Die Wissenschaftler fanden im Leitungswasser aber Pestizide und Medikamentenrückstände, etwa des Schmerzmittels Ibuprofen - auch von diesen Stoffen fand sich nach Aufbereitung nichts mehr.

Eine Umkehrosmose-Anlage der Firma My Aqua kostet 890 Euro. Infos unter 0800-300 222 12. Trinkwasseranalysen bietet die Stiftung Warentest für 28 Euro an, Telefon 01805-00 24 67.

Autor:  FRIEDERIKE TINNAPPEL UND MARTIN MÜLLER-BIALON
Datum:  8 | 8 | 2008
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