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Glauben/Nichtglauben: Kein Kreuzzug

Atheisten werben in der City für ein "Leben nach humanistischen Werten". Und um mehr Toleranz. Von Lukas Gedziorowski

Erhitzte Gemüter am Rathenauplatz, ein roter Doppeldeckerbus sorgt für Debatten. "Es gibt (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit) keinen Gott", steht auf dem Bus. Das ist das Motto der so genannten Buskampagne, die seit zehn Tagen in Deutschland unterwegs ist und für ein "Leben nach humanistischen Werten" wirbt und für den Atheismus. Eine Menschentraube steht vor einem Infostand mit Broschüren und diskutiert über Gott und Religion. "Was ist der Sinn dieser Kampagne?" fragt einer. "Der Glaube ist private Sache", findet ein anderer. Ein dritter meint, es sei schade, dass so eine Aktion überhaupt nötig sei.

"Wir wollen nicht-religiösen Menschen Mut machen, die sich isoliert fühlen", sagt Carsten Frerk, Sprecher der Initiative. Die Kampagne will, dass sich Atheisten gesellschaftlich besser darstellen und politisch engagieren. "Atheisten sind wie alle anderen Menschen auch", findet Frerk.

Bus und Anti-Bus

Er hält nicht-religiöse Menschen für diskriminiert und prangert an, dass die Kampagne in Deutschland, im Gegensatz zu religiösen Verbänden, keine Werbung auf öffentlichen Verkehrsmitteln machen dürfe. "Wir wollen keinen Sonderstatus, wir wollen Gleichberechtigung", sagt Frerk und stellt klar: "Wir sind keine Mission, wir führen keinen Kreuzzug und treten auch nicht gegen die Kirchen an. Wir wollen die Leute erreichen, die ohnehin unserer Meinung sind."

Entstanden ist die Kampagne im vergangenen Jahr in England. In Italien, Spanien und den USA sind die Busse auch schon gefahren. Montagnachmittag gehörten eine Autorenlesung und eine Stadtrundfahrt im Bus zum Programm, am Abend eine Diskussionsrunde im Saalbau Gallus.

Neben dem roten Bus steht noch ein weißer mit der Aufschrift: "Und wenn es ihn doch gibt..." Eine Gruppe von Christen spricht Menschen an und verteilt Flyer. Der zweite Bus ist eine Glaubensaktion aber "keine Gegenkampagne", erklärt Andreas Bartels, Leiter des Gießener Missionswerks "Campus für Christus". "Das ist toll, dass die Atheisten zum Dialog anstoßen", sagt er. Man wolle weder stören noch die Aufmerksamkeit stehlen, sondern nur auf den Glauben hinweisen. Bartels: "Auch der Atheismus ist etwas Religiöses."

Autor:  Lukas Gedziorowski
Datum:  9 | 6 | 2009
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