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08. August 2013

Glauberg Keltenmuseum: Viel Platz zum Ausprobieren

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Einmalig: Der weite Blick in die Wetterau mit ihren frisch abgeernteten Getreidefeldern. Davor der rekonstruierte Grabhügel des Keltenfürsten mit den Holzpfosten.  Foto: Martin Weis

Die Keltenwelt am Glauberg bekommt einen Museumsgarten für Freiluft-Angebote. Er soll Besuchern Gelegenheit bieten, in Workshops beispielsweise Färberpflanzen zu ernten und anschließend zu nutzen oder Leinenkleidung herzustellen.

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Glauberg. –  

Ein Experte mag bei einem Keramikgefäß in einer Vitrine ins Schwärmen geraten. Auch der ein oder andere Interessierte kann dem Anblick etwas abgewinnen. Doch wer Laien für die Archäologie begeistern will, muss mehr bieten als eine gut präsentierte Schau mit einzigartigen Fundstücken. „Die Leute wollen immer häufiger aktiv werden“, sagt Thomas Lessig-Weller, Museumspädagoge in der Keltenwelt am Glauberg in der Wetterau. „Sie wollen etwas ausprobieren.“

Zum Beispiel wie das funktioniert mit dem Feuermachen. Der 45-Jährige schlägt einen Stein gegen eine kleine Stahlplatte. Funken sprühen. Das sind Aktionen, die bei den Museumsbesuchern ankommen, bei den kleinen wie bei den großen.

Seit der Eröffnung im Mai 2011 bemüht sich das Team der Keltenwelt am Glauberg, den Menschen spielerisch die Welt der Archäologie näherzubringen. Schulklassen lernen aus Knochenfunden zu lesen, was damals auf dem Speiseplan stand. Geburtstagsgesellschaften üben sich im Schießen mit Pfeil und Bogen. Betriebsausflügler spinnen Fäden.

Der Spaß steht bei dem gemeinsamen Ausprobieren im Vordergrund, und ganz nebenbei erfahren die Teilnehmer im Selbsttest Wissenswertes über das Leben ihrer Vorfahren. Die Mitmach-Veranstaltungen sind gefragt. Doch die Witterung setzt ihnen Grenzen. Wenn es draußen in Strömen regnet, muss das Feuermachen ausfallen. Das soll sich in den kommenden Jahren ändern.

Die Keltenwelt am Glauberg bekommt einen großen Museumsgarten. Noch ist außer dem symbolischen Spatenstich durch die hessische Wissenschaftsministern Eva Kühne-Hörmann (CDU) zwar nichts geschehen, doch ein repräsentatives Außengelände südöstlich des preisgekrönten Baus war von Anfang an vorgesehen. Allerdings sah die Ursprungsidee einen schicken Garten mit Pflanzen, Wendelgängen und Ausblicken vor. Die ersten zwei Jahre haben jedoch gezeigt, dass das Areal sinnvoller genutzt werden kann und sollte. „Wir brauchen mehr für die Museumspädagogik“, sagt Lessig-Weller. Und deshalb sieht der neue Plan keinen gestylten Garten mehr vor, sondern viel Platz für Aktionen.

Arbeiten ohne starres Konzept

Der Anfang ist schon früh bei den Ausgrabungen gemacht: Der Aushub wurde seinerzeit terrassenförmig am Hang abgelagert, so dass hier ebene Flächen zu Verfügung stehen. Eichen, Ebereschen, Holunder und Gras gedeihen derzeit auf den rund 10.000 Quadratmetern, an deren Rand das Holzhaus steht, das den Ausgräber am Glauberg, Heinrich Richter, und seine Frau seit den 30er Jahren beherbergte. Nach der Sanierung soll es dem Forschungszentrum als Domizil dienen. Direkt daneben ist eine überdachte Fläche geplant, auf der auch eine Feuerstelle brennen kann. Doch zunächst müsse das Gelände erschlossen und verkehrssicher gemacht werden, sagt Lessig-Weller. „Die Arbeiten sollen noch in diesem Jahr beginnen.“

Es ist kein starres Konzept, das das Team der Keltenwelt am Glauberg erarbeitet hat. Der Museumsgarten soll in den kommenden fünf Jahren wachsen und sich entwickeln. „Wir wissen noch nicht, wo der Brotbackofen hinkommt“, sagt der Museumspädagoge und zählt weitere Ideen für das Gelände auf: Auf einem Teil werden Waid und Krapp angebaut. Diese Färberpflanzen, die Blau und Rot abgeben, können die Teilnehmer von Workshops ernten und nutzen. Oder eine Flechtwand aus Weiden bauen – das sei eine alte Grundtechnik, die mittels Pflanzen aus dem Garten vermittelt werden könne. Der 45-Jährige würde auch gerne ein Feld mit Flachs anbauen. „Daraus kann man Leinenkleidung herstellen.“

Er zeigt auf den vorläufigen Plan: „Hier ist ein kleiner Pavillon für einen unserer Kooperationspartner.“ Es handelt sich um das Life-plus-Projekt Wetterauer Hutungen. Es unterstützt Schäfer, um eine langfristige Beweidung zum Erhalt der Magerrasen sicherzustellen. Schafe, Wolle, das Entstehen der Kulturlandschaft, in der wir heute leben – all das hat ihre Ursprünge in der Vergangenheit. Denn Archäologie, sagt der Museumspädagoge, bediene sich aus den Erkenntnissen vieler verschiedener Wissenschaften: Biologie, Anthropologie, Soziologie.

Dessen seien sich auch die Lehrer oft nicht bewusst. Gleichwohl ist der 45-Jährige mit der Zahl der Schulklassen, die das Museum besuchen, zufrieden. Zumal eine große Werbeaktion geplant ist – und es andere wichtige Dinge in den ersten zwei Jahren zu erledigen gab. Auch die Workshops und die Feste gehören dazu. Das Konzept geht auf: 200.000 Besucher haben die Kasse seit Eröffnung passiert, um den Keltenfürsten mit den Micky-Maus-Ohren zu bewundern. Und die Stimmung zu genießen an diesem mystischen Ort.

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