kalaydo.de Anzeigen

Goethe-Universität: Keine Gnade für Casino-Besetzer

Die Goethe-Uni zieht einen Teil der Strafanzeigen wegen der Besetzung des Casinos vor rund einem halben Jahr zurück. Gegen 106 Betroffene allerdings ermittelt die Staatsanwaltschaft nun weiter. Von Astrid Ludwig

Casino-Räumung: Polizisten tragen Studenten und Dozenten aus dem Saal.
Casino-Räumung: Polizisten tragen Studenten und Dozenten aus dem Saal.
Foto: FR/Andreas Arnold

Jetzt wird es also doch ernst: Rund ein halbes Jahr nach der polizeilichen Räumung des besetzten Casinos auf dem Campus Westend hält das Präsidium der Frankfurter Goethe-Universität an einem Teil der Strafanzeigen fest. 106 Studenten und Dozenten müssen sich jetzt wegen Hausfriedensbruch verantworten. Die Staatsanwaltschaft führt die Verfahren fort.

70 der insgesamt 176 erstatteten Strafanzeigen hat die Universität dagegen zurückgezogen, nachdem die Betreffenden sich in Gesprächen künftig zum Gewaltverzicht bereiterklärten. Das Vorgehen des Präsidiums und die Bedingungen für die Rücknahme der Anzeigen waren in der Uni und auch im Senat der Hochschule auf heftige Kritik gestoßen.

Wochenlange Proteste

Ende 2009 war die Lage in Frankfurt eskaliert. Während des bundesweiten Bildungsstreiks hatten Studenten das Casino auf dem neuen Campus der Universität besetzt und gemeinsam mit Dozenten dort alternative Vorlesungen und Workshops organisiert. An einem Abend während dieser Zeit kam es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Teilnehmern des Bildungsstreiks. Das Präsidium ließ das Gebäude von der Polizei räumen, nachdem Treppenhaus und Säle des Casinos erheblich durch Farbschmierereien beschädigt worden waren. 176 Studenten und Dozenten mussten das Casino verlassen, einige wurden von Polizisten hinausgetragen, weil sie sich geweigert hatten das Haus zu verlassen. Es kam zu Handgreiflichkeiten und Verletzten auf beiden Seiten.

Der Räumung folgten Protestaktionen, Demonstrationen und wochenlange Auseinandersetzungen innerhalb und außerhalb der Universität um die bedingungslose Rücknahme der Strafanzeigen wegen Hausfriedensbruches. 118 Dozenten forderten in einer Erklärung den Verzicht auf Strafverfolgung. Das Präsidium beharrte bis zuletzt auf Gesprächen mit den Betroffenen und einer Erklärung zum künftigen Gewaltverzicht, was Kritiker als Nötigung ablehnten.

Auf dieses Angebot seien 70 der 176 Studenten und Dozenten eingegangen, berichtet Olaf Kaltenborn, Sprecher der Universität. Er spricht von einer "signifikanten Anzahl". Vor allem das Dialogangebot der Dekane sei gut angenommen worden. Am Ende der Gespräche sei dann ein gemeinsames Protokoll verfasst worden. In diesen Fällen, so Kaltenborn, habe die Uni die Anzeigen zurückgezogen. 106 würden jedoch aufrecht erhalten, weil die Betroffenen keine Bereitschaft signalisiert hätten. Mehrfach habe das Präsidium die Frist verlängert. Ende April war aber Schluss. Das Ergebnis sei der Staatsanwaltschaft jetzt übergeben worden, so Kaltenborn.

Laut Doris Möller-Scheu, Sprecherin der Staatsanwaltschaft, würden die 106 Anzeigen wegen Hausfriedensbruchs nun abgearbeitet und die Betroffenen angehört. Die Anklagebehörde entscheide je nach Einzelfall.

Geldstrafe wahrscheinlich

Bis zu einem Jahr Freiheitsentzug sei bei diesem Straftatbestand möglich, in der Regel müssten die Betroffenen aber mit einer Geldstrafe rechnen. "Das wird nicht übermäßig teuer", mutmaßt Möller-Scheu. Es sei denn, es existierten bereits Vorstrafen. Als vorbestraft gilt man übrigens erst bei Verurteilungen mit Geldstrafen von über 90 Tagessätzen.

Asta-Vorsitzender Jonas Erkel ist empört. Ein Zusammenhang zwischen den Beschädigungen im Casino und Teilnehmern des Workshops habe nie hergestellt werden können. Mehrfach sei Präsident Werner Müller-Esterl auch vom Senat aufgefordert worden, die Anzeigen bedingungslos zurückzunehmen. Er empfiehlt den Betroffenen Rechtsbeistand, den der Arbeitskreis Recht und Asta vermitteln könne. Uni-interne Konsequenzen müssen die Studenten nicht fürchten. Laut Olaf Kaltenborn erwäge die Hochschule keine Exmatrikulation von Studenten. Kommentar F4

Autor:  Astrid Ludwig
Datum:  7 | 6 | 2010
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Regionale Startseite
Ressort

Von Wiesbaden über Frankfurt bis Hanau - Die Stadt und die Region auf einen Blick


Nachrichten aus der Region

Anzeige

 
Spezial

Die heiße Phase naht: Termine, Reportagen, Bilder - vom Kinderfasching bis zur Prunksitzung.

Fastnacht in Rhein-Main
Das Frankfurter Prinzenpaar Marcus I. und Ingrid II.
Frankfurter Fastnacht 
        

In den Clubs könnte die Schwester  auffallen.
Fasching in Mainz 
Rednerschule: Karl Oertl bringt Fastnachtern bei, wie man eine Büttenrede hält. In der Bütt: Patrick Fiederer
Fassenacht in Frankfurt 

Anzeige

Spezial
Beschäftigte des Druckmaschinen-Herstellers Manroland demonstrieren vor der Allianz-Niederlassung in Frankfurt. Allianz und MAN haben dem angeschlagenen Konzern den Geldhahn zugedreht.

Offenbach bangt um einen großen Arbeitgeber: Die Krise beim insolventen Druckmaschinen-Hersteller Manroland.

Social Media
Unser Twitter-Ticker für Frankfurt und Rhein-Main.

 

Facebook | Twitter überregional | Google+
Was bedeutet das hier? FR@Social Media!

Anzeige

Spezial
Wer zieht im März in den Römer ein?

Wer folgt Petra Roth? Mitte März wählt Frankfurt einen neuen OB. Alles über die Kandidaten im Spezial.

OB-Wahl in Frankfurt
        

Rechnet mit einer Stichwahl: Ursula Fechter.
FAG-Kandidatin Fechter 
Das zentrale Themenplakat der Piraten (für ganzes Bild bitte klicken).
Piraten in Frankfurt 
OB-Bewerber Oliver Maria Schmitt setzt sich für ein nichtraucherfreies Frankfurt ein.
OB-Wahl Frankfurt 
        

Ganz großes grünes Kino: OB-Kandidatin  Heilig und der Berliner Fraktionsvorsitzende  Trittin in der Harmonie.
OB-Wahlkampf bei den Grünen 
Boris Rhein hat auf Facebook einen falschen Freund abgekriegt: einem stadtbekannten Rechtsextremen aus Maintal.
Frankfurter OB-Wahlkampf im Internet 
Altenhilfe der FR

Spendenkonten, Bankverbindung, Online-spenden und Informationen zu Spendenquittungen.

Top Stellenangebote
Spezial

Mit gutem Gewissen investieren und gleichzeitig Geld verdienen? Die FR schaut, wie erfolgreich Firmen und Fonds dabei sind.

Spezial

Der Ausbau des Flughafens ist in der Region heftig umstritten. Die FR-Serie informiert über die Landebahn.

Fotostrecke 1. Derpart Familien-Reise-Tag

Staumelder

Staumelder 86 Staus mit einer Gesamtlänge von 273km
Zu den Staumeldungen
Meistgeklickt
Moderator Günther Jauch.
Günther Jauch 
Mohamadou Idrissou: Noch reicht die Kraft nicht für 90 Minuten, vielleicht reicht sie aber für Fortuna Düsseldorf?
Eintracht gegen Fortuna 
Gegen seine alten Kollegen in der Startelf: Bamba Anderson.
Eintracht gegen Fortuna 
Marktplatz

"Wir wünschen uns einen großen Garten um unser Frühlingsglück zu genießen." Über 25.000 Bauplatz- und 6.000 Baugebiet-Angeboten.