Weite Teile der Innenstadt sind über Stunden hinweg abgesperrt, mehrere Hundertschaften der Polizei patrouillieren zwischen Römer, Hauptwache und Börse, und Tausende Menschen ziehen durch die Straßen, um zu protestieren - für eine andere Bildungspolitik und gegen Sozialabbau. Frankfurt erlebt am Mittwoch einen hektischen Demonstrationstag, der erst am späten Abend endet.
Der Römerberg um 17 Uhr: Trommelgruppen heizen den Demonstranten bei Temperaturen knapp über null Grad ein. Die Veranstalter der Bildungsdemo sagen, 5000 Teilnehmer aus ganz Hessen seien nach Frankfurt gekommen, die Polizei spricht von 1500 Demonstranten. Die Wahrheit dürfte irgendwo in der Mitte liegen. Zwar waren mehr Schüler, Eltern, Lehrer, Studenten und Gewerkschafter erwartet worden. Doch diejenigen, die da sind, sind zumindest laut.
Auf der Bühne geben sich die Redner das Mikrophon reihum in die Hand. Katharina Horn, hessische Landesschulsprecherin, sagt: "Die CDU hat im Kopf das 19. Jahrhundert nie verlassen." Unterstützung bekommt sie vom Chef der der Lehrergewerkschaft GEW, Jochen Nagel. Hessen falle bildungspolitisch immer weiter zurück. Die Lehrer hätten hier die schlechtesten Arbeitsbedingungen. Das Turbo-Abi G8, "diese Schülerquälerei", müsse abgeschafft werden.
Unter die Demonstranten haben sich Politiker wie der SPD-Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel und Frank Kaufmann von den Grünen gemischt. Um Schäfer-Gümbel bildet sich sofort ein Kreis junger Leute, die ihn mit ihren Handys und Digitalkameras ablichten. Der parlamentarische Geschäftsführer der CDU-Landtagsfraktion, Axel Wintermeyer, hatte den Veranstaltern vorgeworfen, sie instrumentalisierten Bildung in einer "linken Propaganda-Veranstaltung". Dies sei Quatsch, sagt Schäfer-Gümbel, allerdings fänden die Forderungen der Teilnehmer bei der SPD politische Resonanz.
Vor der Kundgebung auf dem Römerberg waren am Nachmittag vier Protestzüge im Sternmarsch durch die Innenstadt gezogen. "Bildung ist keine Ware" war auf einem der zahlreichen Transparente zu lesen. "Gegen G8-Schulstress" auf einem anderen. Mehrere hundert Lehrer, Schüler und Studenten hatten sich gegen 16Uhr vor dem Frankfurter Hauptbahnhof versammelt. Rote Fahnen tragen viele Demonstranten - die der GEW, der Linken, der SPD, der IG-Metall-Jugend. Dazwischen wehen Fahnen mit Sonnenblume auf grünem Untergrund im winterlichen Wind.
Während die Redner auf dem Römerberg ihre letzten Sätze sagen, versammeln sich auf dem benachbarten Paulsplatz rund 1000 Linke. Dorthin hat ein "Bündnis 14. Januar" eingeladen. Ihm gehören Studenten, Bürgerinitiativen gegen den Flughafenausbau oder auch die Autonome Antifa an. Ihr Protest richtet sich in erster Linie gegen Sozialabbau.
Hielt sich die Polizei bei der ersten Demonstration optisch im Hintergrund, steht rund um den Paulsplatz sehr viel uniformiertes Personal bereit. Hunderte von Beamten begleiten den Zug, der zum Arbeitsamt und zur Börse führt. Kritik an der Polizeitaktik lässt nicht lange auf sich warten.
Die Demonstranten, die in der Fischerfeldstraße ein Wahlplakat der CDU verbrennen, beschweren sich, dass sie in einem "Wanderkessel" laufen müssen - eingekeilt von der Polizei. Aus Protest verharren sie in der Nähe des Gerichts einige Minuten, ziehen dann aber weiter. Die Uniformierten gehen fortan etwas auf Abstand. Polizeipräsident Achim Thiel hatte vorher gesagt, er sei in großer Sorge, dass es zu Ausschreitungen kommen könne. Doch bis zum späten Abend bleibt alles weitgehend friedlich.
Gegen 21.30 Uhr Uhr hat Ande, der Taxifahrer aus Neu-Isenburg, die Nase voll. Vier Stunden zuvor hat er einen Fahrgast in der Frankfurter Innenstadt abgesetzt. Seitdem versucht er, zurück nach Isenburg zu gelangen. Vergeblich. "Ich stand alleine am Friedberger Platz eine Stunde, alles ist abgesperrt", schimpft er. Und: "Wahnsinn, ein einziger Wahnsinn."

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