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10. Dezember 2010

Großrazzia gegen Hells Angels: Rocker schmieren Polizisten

 Von Pitt von Bebenburg und Stefan Behr
Ein Totenkopf mit Flügeln ist das Symbol der Motorradgang Hells Angels.  Foto: dapd

Eine Großrazzia gegen die Hells Angels hat in Hessen mehrere Polizeibeamte auch auf höherer Ebene ins Fadenkreuz gerückt. Sie sollen Informationen an die Rocker verkauft und im Drogengeschäft mitgemischt haben. Fünf Beamte werden suspendiert.

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Wiesbaden –  

Die Rockerbande Hells Angels, die nach Einschätzung der hessischen Polizei in die organisierte Kriminalität verstrickt ist, hat offenbar gegen Geld interne Informationen von fünf Polizisten erhalten. Alle fünf wurden am Freitag vom Dienst suspendiert, wie Hessens Innenminister Boris Rhein (CDU) mitteilte. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.
Rhein sagte, er sei „erstaunt, dass ein Polizeibeamter für verhältnismäßig wenig Geld seine berufliche Existenz aufs Spiel setzt“.

Ein Beamter des Landeskriminalamts habe insgesamt 10000 Euro von den Hells Angels erhalten. Vier der Polizisten sollen auch mit Rauschgift gehandelt haben.

Polizisten sollen Geheimnisse verraten haben

Zu den Festgenommenen zählte ein 50 Jahre alter Kriminalhauptkommissar des Landeskriminalamts. Er wird beschuldigt, den Rockern gegen Geld Ermittlungsinformationen weitergegeben zu haben. Eine 33-jährige Polizistin und ein 36-jähriger Kollege, beide aus Frankfurt, sollen ebenfalls Geheimnisse verraten und zudem Kokain gekauft haben. Eine 34 Jahre alte Frankfurter Oberkommissarin steht unter Verdacht, nicht nur Kokain erworben, sondern es auch an einen Kollegen weiterverkauft zu haben.

Am Freitagmorgen waren die Staatsanwaltschaften Frankfurt und Darmstadt zusammen mit der hessischen Polizei mit einer Groß-Razzia gegen die Rockerbande Hells Angels vorgegangen. 1100 Beamte waren im Einsatz.

Nach Angaben des Ministers wurden 27 Gebäude durchsucht und 19 Menschen festgenommen. Schon vor drei Wochen hatte die Polizei mit mehr als 2000 Beamten nach Belastungsmaterial gesucht.

Rhein sagte, es gehe aber weniger um die Sicherstellung von Waffen und Drogen als darum, die Strukturen der Hells Angels aufzuklären. Bundesweite Strategie der Organisation sei „das Einsickern in die öffentliche Verwaltung, in Polizei und Justiz“. Das habe „glasklar mit organisierter Kriminalität zu tun“. Die Hells Angels würden mit Menschenhandel, Zwangsprostitution und Rauschgifthandel in Verbindung gebracht.

Seit etwa einem Jahr richtet die Polizei verstärkt ihr Auge auf die Hells Angels. Das sei „ein Bereich, der sehr schnell wächst“, sagte der Minister. Auch ein Verbot der Gruppe schloss er nicht gänzlich aus. Das bleibe derzeit aber abzuwarten.

Staatsanwaltschaft ermittelt seit Monaten

Anlass für die Razzia waren unter anderem Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Frankfurt wegen eines 45-jährigen Hells-Angels-Mitglieds. Ihm wurde im Oktober 2009 in Usingen in den Oberarm geschossen. Die Polizei vermutet einen internen Racheakt.

Die Staatsanwaltschaft Darmstadt ermittelt gegen Hells Angels wegen des Verdachts des Drogenhandels. Zuletzt hatte die Polizei Drogenlieferanten hochgenommen und dabei 800 Gramm Amphetamin und zwei Kilo Marihuana sichergestellt.

Der kommissarische Leiter des Landeskriminalamts, Gosbert Dölger, berichtete von Drogengeschäften der Hells Angels in Offenbach.

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