Die Gegend ist nicht die beste, hinter dem Westhafen auf der Gutleutstraße. Altbauten mit abgeblättertem Putz, Industrie, ab und zu ein Kiosk und Dönerläden. An einem Eckhaus steht "Croque Dijon". Betritt man den kleinen Imbiss mit der Glastheke, steht Murat Ceyran dahinter und strahlt einen an. Er ist für alle im Viertel nur der "Murat" und seit dem neusten Ereignis bekommt er noch mehr Besuch als vorher.
Ceyran stellt eine acht Kilo schwere Statute auf den hohen, runden Stehtisch. Der "Gastro-Oscar", wie er ihn fast zärtlich nennt. Sein ganzer Stolz. Denn mit seinem Croque-Imbiss, einer Art belegtem, knusprigem Sandwich, hat er gerade als Bundessieger den Gastro-Award 2009/2010 in der Kategorie "Newcomer" überreicht bekommen. Mehr als 500 Bewerber in 13 Kategorien, Ceyran hat mit "Hessens erstem Croque-Laden" in seiner Kategorie das Rennen gemacht.
Croque Dijon, Gutleutstraße 148, Telefon 069/367 055 33, Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag, 11 bis 21 Uhr, Freitag, 11 bis 23 Uhr, Samstag, 18 bis 23 Uhr.
Ganz neu ist sein Imbiss nicht, Ende 2002 hatte er den kleinen Laden gemeinsam mit seinem Vater eröffnet. "Meine Verwandtschaft in Hamburg hat mich auf diese Idee gebracht", sagt der in Frankfurt geborene und im Gutleutviertel aufgewachsene Ceyran. Im Norden sei die Alternative zu Döner und Pizza weit verbreitet. Ursprünglich stamme der Croque aus Frankreich, dort werde es aber mit Toast zubereitet, erklärt er die Besonderheit seiner Idee.
Aber das Geschäft lief schlecht, nach ungefähr drei Jahren gab der gelernte Kaufmann auf. Er war bankrott, Freundin und Führerschein weg, der Laden geschlossen. Nach zwei Jahren Pause entschied er sich für einen Neustart. Eine mutige Entscheidung, nachdem er gescheitert war. "Aber ich wollte es allen zeigen", sagt Ceyran. Er wollte "ein neues Kapitel aufschlagen", stellte einen überarbeiteten Business-Plan auf, ging zum Arbeitsamt wegen einer Existenzgründung.
Nur frische Ware
Über seine Theke gehen nur frische Waren und selbst gemachte Soßen, Fertigprodukte kommen in dem Familienbetrieb nicht in die Küche. Aber im Gegensatz zu seinem ersten Versuch hat er sein Angebot an Soßen verkleinert, das Konzept verbessert. Manchmal packt seine Mutter mit an, belegt das Baguette mit türkischer Wurst, Schafskäse, Salat und einer der hausgemachten Soßen, die sich der Gast selbst aussuchen kann. "Ich frage meine Kunden, was sie wollen", sagt Ceyran. Deshalb kommen sie immer wieder. Und deshalb haben sie ihn zum Sieger seiner Kategorie gekürt. Denn der Preis wird nicht nur von einer unabhängigen Jury vergeben, sondern vor allem auch von zufriedenen Kunden.
Ein buntes Publikum kehrt bei ihm ein, Banker, Sozialarbeiter, Nachbarn, Medienleute, Bahner oder Angestellte des nahe gelegenen Finanzamtes, Nachtschwärmer. Ceyrans Imbiss ist ein Treffpunkt. Im Sommer stellt er seine Tische vor die Tür, sitzt dort mit seinen Gästen oft bis in die Nacht.
"Ich liebe meine Arbeit", sagt Ceyran. Er ist mit Leib und Seele Gastgeber. Der Preis ist für ihn ein Beweis, dass er auf dem richtigen Weg ist. Ceyran will ein Franchise-Unternehmen gründen und in diesem Jahr bei den Gastro Awards zur Titelverteidigung gegen die großen Ketten wie Subway antreten.

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