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14. Mai 2015

Gymnasien: Weniger Lehrer für Abiturienten

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Vollere Kurse, das heißt für Lehrer mehr Arbeit und für Schüler weniger individuelle Förderung.  Foto: dpa

Die Stellen werden für Ganztagsschulen und Inklusion gebraucht. Deshalb gibt es weniger Lehrer für die Abiturienten. Die Gymnasien protestieren.

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Das Kultusministerium will den gymnasialen Oberstufen weniger Lehrer zuweisen. Der Abbau erfolgt in Stufen und führt vom Schuljahr 2017/18 an zu einem Minus von insgesamt 5,6 Prozent. Eine Oberstufe mit 180 Schülerinnen und Schülern je Jahrgang verliert damit bereits vom nächsten Schuljahr an eine ganze Lehrerstelle.

„Das heißt, dass es bei uns nächstes Schuljahr mit Sicherheit keinen Physik-Leistungskurs geben wird“, beschreibt Heinz-Jürgen Krell von der Eleonorenschule Darmstadt die Folgen. Auch Angebote in Chemie, Informatik oder Spanisch müssten zurückgefahren werden.

„Von 600 Unterrichtsstunden fallen uns 36 weg“, rechnet Ulrich Schmidt vom Albert-Schweitzer-Gymnasium Offenbach vor. „Das sind zwölf Grundkurse, deren Schüler neu verteilt werden müssen.“ Angebote einschränken oder Kurse vergrößern, so lauteten die (schlechten) Alternativen, sagt Stefan Haid, Leiter der Eichendorff-Gesamtschule in Kelkheim am Taunus.

Vom nächsten Schuljahr an erhält das erste Jahr der Oberstufe, die E-Phase, 7,8 Prozent weniger Lehrerstunden. In den beiden folgenden Jahren sinkt auch die Zuweisung für die Q-Phasen, die letzten beiden Jahre der Oberstufen, um jeweils knapp fünf Prozent. Das geht aus einem Schreiben des Ministeriums an die Schulleiter hervor, das der Frankfurter Rundschau vorliegt.

Weniger Leistungskurse

Zugutekommen sollen die eingesparten Stellen dem Ausbau von Ganztagsschulen, der Inklusion, also dem gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderungen, sowie der Deutschförderung.

„Niemand kann etwas dagegen haben, diese Bereiche auszubauen“, sagt Monika Schmidt-Dietrich, Sprecherin der Initiative Bildungsfaktor Abitur, in der die Schulen mit gymnasialer Oberstufe organisiert sind. „Aber das darf nicht so geschehen, dass man die Stellen irgendwo anders wegnimmt.“ Für ihre Schule, ein reines Oberstufengymnasium, reduziere sich die Lehrerversorgung von 104 auf dann nur noch 98 Prozent. Dem fielen auch Förderangebote zum Opfer.

Der Philologenverband äußert sich „entsetzt“ über die Umverteilungspläne zulasten des Gymnasiums. Die Landesregierung betreibe eine Politik „gegen diese Schulform“, schimpft Verbandsvorsitzender Knud Dittmann. Auch der Verband der Oberstudiendirektoren zeigt sich „empört“. Damit verabschiede sich das Kultusministerium von dem Ziel, allen Schulen 104 Prozent Lehrerstellen zuzuweisen, sagte Verbandsvorsitzende Elisabeth Waldorff. Profilbildungen vor allem in den Fremdsprachen und den Naturwissenschaften fielen dem „Spardiktat“ zum Opfer.

Der Landeselternbeirat begrüßt zwar den Ausbau von Ganztagsschulen und Inklusion, warnt aber gleichzeitig davor, Schulen untereinander „auszuspielen“. Die Lehrerzuweisung von 104 Prozent müsse sich auf alle Schulformen beziehen, heißt es in einer Stellungnahme.

„Wir befürchten eine deutliche Einschränkung des Kursangebots an gymnasialen Oberstufen, wodurch schließlich die Wahlfreiheit bei der Belegung von Kursen eingeschränkt wird“, sagt Christoph Degen, bildungspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion.

Je Kurs ein Schüler mehr

Ministeriumssprecherin Eva Dubisch verweist darauf, dass Hessen trotz rückläufiger Schülerzahlen keine Lehrerstellen abbaue. Allerdings würden mehr Lehrkräfte als bisher für den Ganztagsschulbereich (plus 230), die Zuweisung an Schulen mit Blick auf soziale Kriterien (plus 60), Inklusion (plus 100) und Deutschförderung (plus 210) gebraucht.

Das Ministerium gehe davon aus, dass die Kürzung in der Oberstufe lediglich eine geringe Vergrößerung der Gruppenstärken um durchschnittlich je einen Schüler zur Folge habe.

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