Es sind jetzt nur noch wenige Tage, bis jeder für sich entscheiden kann, ob es unsinnig ist, nach so vielen Jahren Pause wieder eine Techno-Party im Frankfurter Hafentunnel zu veranstalten, oder eine sehr gute Idee. Alexander Eger, Geschäftsführer des Clubs U 60311 unterm Roßmarkt, hatte die Idee zur Wiederbelebung des Tunnel-Raves und sagt, dass bis Ende der vorigen Woche rund 6000 Tickets im Vorverkauf abgesetzt worden seien. "Dass an jedem Abend 7000 Gäste kommen, werden wir schaffen", glaubt Eger.
Für diese Menge habe das Ordnungsamt die zweitägige Party im Tunnel genehmigt, der eigentlich für den Straßenverkehr bestimmt ist. Alexander Eger erwähnt "etliche Hindernisse, die aber alle ausgeräumt worden sind" - den nötigen Brandschutz, den erforderlichen Lärmschutz für die Nachbarn im Gutleutviertel. Es hört sich an, als habe Eger etliche Diskussionsrunden mit städtischen Beamten hinter sich.
Hafentunnel-Rave, 21./22.8., jeweils 17 Uhr, Hafentunnel, Frankfurt, Hafenstraße
Nun aber steht die Ampel vor der Tunneleinfahrt auf Abfahrt. Die Partygänger kämen zum Teil von weit her, berichtet Eger freudig. "Wir erwarten Gäste aus Irland, Busse aus Italien, Holland und Polen. Die Resonanz ist super. Jeder geht davon aus, dass es gut wird." Auch die eingeladenen Musiker seien in Vorfreude.
Die Liste der DJs, die sich die Kopfhörer in die Hand geben, ist lang. Dazu kommen mit Booka Shade, Alter Ego, Der Dritte Raum, Johannes Heil, The Advent, Tony Rohr und Anthony Rother ein halbes Dutzend Produzenten, die live auftreten. Inklusive der Warm-up-DJs wechseln sich pro Abend zehn Künstler ab. Auch wenn die Party bereits jeweils um 17 Uhr beginnt und erst am nächsten Morgen um zehn endet: Viel Zeit, sich zu entfalten, bleibt für den Einzelnen nicht.
Vertraut man einem in einem einschlägigen Internet-Forum veröffentlichten Zeitplan, soll sich zum Beispiel David Guetta nur für eineinhalb Stunden am frühen Sonntagmorgen hinter die Plattenteller stellen. Der französische Produzent konnte soeben unter Verwendung des Gesangs von Kelly Rowland und eines Coldplay-Pianolaufs einen Hit verbuchen: "When Love Takes Over" feiert den Sommer und nistete sich wochenlang in den regulären Hitparaden Europas ein. Das Lied folgt einer schlichten Struktur und ist mehr Pop als House.
Bei seinem DJ-Set im Frankfurter Hafentunnel wird Popstar Guetta, der vom britischen Magazin DJ Mag wiederholt zum besten House-DJ der Welt gekürt worden ist, bei der Plattenauswahl mehr seiner Elektro-Ader folgen müssen, will er an Tiefe und Intensität im Vergleich mit den übrigen Musikern der Samstagnacht nicht zu stark abfallen. Alter Ego und Adam Beyer läuten den Sonntag großspurig und technoid ein, und auch Booka Shade schätzen einen ordentlichen Bass. Auf Guetta folgen Trentemøller und Dubfire, die ein viel experimentelleres Verständnis von Techno haben.
Es sind jetzt nur noch wenige Tage, bis sich zeigen wird, ob das Konzept aufgeht, in einem mehr als 200 Meter langen Tunnel auf nur einer Bühne ein recht breites Spektrum an elektronischer Tanzmusik anzubieten oder ob mit jedem DJ-Wechsel die Stimmung auf der Party eine andere Wendung nimmt.

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