kalaydo.de, Immobilien, Stellen, Auto, Kleinanzeigen, Tiere, Reisen

Langenselbold

Auf die Thermik, fertig, los ...

85 Jahre alt ist der älteste Segelflieger-Pilot beim Aero-Club Langenselbold. Der Verein sammeln Meistertitel massenhaft und warten seine Maschinen in Eigenregie. Von Detlef Sundermann

Himmlische Perspektive auf den Flugplatz in Langenselbold. Anders als im Frühjahr und Sommer ist der Flugbetrieb im Winter stark eingeschränkt.
Himmlische Perspektive auf den Flugplatz in Langenselbold. Anders als im Frühjahr und Sommer ist der Flugbetrieb im Winter stark eingeschränkt.
Foto: Privat

Segelflugpiloten geben sich am Boden bescheiden. Ihnen reicht eine Wiese, um die Maschinen aufsteigen zu lassen. Auch in Langenselbold wirkt ihr Domizil zwischen Autobahn und Bahnlinie etwas verschlafen. Die kleine Flugplatzkneipe in einem Flachbau und der Hangar stammen aus der Gründerzeit des Aero-Clubs vor 55 Jahren und muten eher wie landwirtschaftliche Gebäude an - nur der rot-weiße Tower gibt dem Gelände eine besondere Note.

Derzeit wird die Flugzeughalle erweitert. Vereinschef Gernot Schadt zeigt auf den Stellplan am Tor, ohne den im alten Hangar "nichts geht". Auf knapp 400 Quadratmeter müssen, zum Teil überlappend, sieben Segler mit Spannweiten von bis zu 18 Metern und eine Schleppmaschine geschickt geparkt werden. Auf dem Plan sieht es aus, als habe ein Wirbelsturm die Maschinen "angeordnet". Einfach mal ein Flieger herausholen und starten, das ist kaum möglich, bemerkt Schadt.

Fliegen im Verein

Dem Hessischen Luftsportbund gehören 128 Vereine mit insgesamt knapp 6000 aktiven Mitgliedern an, davon 620 Jugendliche.

Im Aero-Club Langenselbold gibt es 72 Pilotinnen und Piloten, der jüngste ist 14 und der älteste ist 85 Jahre alt.

Fliegen lernen im Verein ist nicht teuer (25 Euro Monatsbeitrag und Prüfungsmaterialien), aber man muss Geduld und Engagement mitbringen.

Mit dem Pilotenschein kann man sich für wenig Geld einen der sieben Vereinsflieger ausleihen.

Internet: www.ac-langenselbold.de, www.hlb-info.de (sun)

Aber allein geht ohnehin nichts in diesem Sport. "Segelfliegen, das ist ein Sport, der Individualität nur in der Luft kennt", sagt der Clubchef. Solange sich der Flieger am Boden befindet, ist Teamgeist angesagt. Für den Flugbetrieb werden mindestens drei Leute benötigt, nicht eingerechnet der Mann oder die Frau im Tower. Gewöhnlich ist in dieser Zeit auch die Kantine geöffnet, in der sich Piloten, Flugschüler oder Wanderer stärken können.

Eingeschworene Gemeinschaft

Schadt bezeichnet die Mitglieder des Aero-Clubs als eingeschworene Gemeinschaft. Das schlage sich auch in den sportlichen Erfolgen nieder. Beim Aufspüren und Ausfliegen von Aufwinden zählen die Langenselbolder Piloten zur Elite.

Dabei sind die Bedingungen über der Stadtgemarkung ob der Nähe zu Rhein-Main alles andere als ideal. Um den niedrig am Himmel vorbeiziehenden Passagier- und Frachtmaschinen nicht zu nah zu kommen, bleibt das Steigen im Aufwind über Langenselbold auf einige hundert Meter begrenzt. In Richtung Osten öffnet sich jedoch der Luftraum nach oben, wenn auch noch nicht grenzenlos.

Gernot Schadt glaubt, dass das Training unter den schwierigen Bedingungen mit zum Erfolg beigetragen habe. 2008 errang der Bundesliga-Aufsteiger gleich den ersten Tabellenplatz. 2009 war es ein Vize-Meistertitel. Auf den Hessenmeister scheint der Aero-Club abonniert zu sein. 2008 gab es den elften Titel in der 18-Meter und der offenen Klasse. Pilot Siegfried Samson siegte beim Bitterwasser-Cup 2009, Europas höchst dotiertem Wettbewerb mit Distanzen von 770 bis 900 Kilometern. Das ist nur ein Ausschnitt der Club-Erfolge.

Lange Tradition

In der Weltbestenliste seien viele deutsche Piloten zu finden. Das habe auch historische Gründe. "Zum einen wegen der langen Segelflugtradition in der Rhön und ihren Flugzeugwerken, zum anderen war nach dem Krieg der private Motorflug viele Jahre verboten."

Im Winter ist der Flugbetrieb auf dem Platz an der A66 stark eingeschränkt. Zeit im Aero-Club, die künftigen Piloten in der Theorie des Fliegens zu unterrichten. Außerdem ist jetzt der Zeitpunkt günstig, den Vereinsmaschinen mit Pflegemitteln und Werkzeug auf den Rumpf zu rücken. "Alle Arbeiten werden in Eigenleistung erledigt", sagt Schadt. Damit der Sicherheitsstandard eingehalten wird, haben sich Piloten zu Werkstattleitern ausbilden lassen. Seit Bestehen des Vereins habe es keine ernsthaften Flugunfälle mit Club-Seglern gegeben.

"Segelfliegen ist relativ ungefährlich für Leute, die Disziplin und eine gesunde Risikoeinschätzung besitzen", bemerkt Schadt. Eine Notlandung auf einem Acker wegen plötzlich ausbleibender Thermik zähle nicht zur Kategorie Unfall, auch wenn das manchmal aufsehenerregend sei. "Der Weg zum Flugplatz ist weitaus gefährlicher als Fliegen", sagt Gernot Schadt nachdenklich.

Bookmarks

FACEBOOK TWITTER DELICIOUS MYSPACE STUDIVZ GOOGLE YAHOO MSLIVE MISTERWONG DIGG WEBNEWS ONEVIEW
Autor: Detlef Sundermann
Datum: 5 | 2 | 2010
Empfehlen: E-Mail
Leserbrief: Leserbrief
Artikel: Drucken
Weiterleiten:Soziale Netzwerke

Nachrichten aus der Region

Kostenlos bestellen

Polizeimeldungen

Was ist passiert? Polizeimeldungen aus Frankfurt, Darmstadt, Offenbach und Hanau sowie Wiesbaden.

Spezial

Eines der größten Kohlekraftwerke der Welt in Großkrotzenburg am Main?

Spezial
Alexander Kraft

Raus - und aufs Bike! Alexander Kraft präsentiert die FR-Mountainbike-Routen abseits der berüchtigten "Biker-Autobahnen".

Spezial

Der Wiederaufbau nach dem Krieg war schnell und lieblos. Nun wagt sich die Stadt an eine umfassende, mutige Stadtreparatur.