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06. September 2008

Haus Buchenrode: Kinderheim bleibt Kinderheim

 Von SEBASTIAN AMARAL ANDERS
Zum 50-jährigen Bestehen von Haus Buchenrode in Niederrad erzählen einstige Bewohner von ihrer Zeit im Kinderheim. Heidi Schultheis und Carroll Weber im Gespräch mit Barbara Bornemann-Sörgel (v.l.). Foto: FR / Boeckheler

Zum 50-jährigen Bestehen von Haus Buchenrode in Niederrad erzählen einstige Bewohner von ihrer Zeit im Kinderheim.

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Haus Buchenrode

Ende Juni 1958 ziehen die Kinder aus dem Kinderheim in der Breubergstraße 6a in das Haus Buchenrode an der Niederräder Landstraße.

Träger des Kinderheims war bis Ende 1995 die Stadt, zum 1. Januar 1996 kaufte die Stiftung Waisenhaus die Einrichtung.

Im selben Jahr eröffnet die Stiftung im Nachbarhaus eine therapeutische Wohngemeinschaft für psychisch kranke Jugendliche.

In zwei Wohngruppen bietet das Heim bis zu 19 Kindern und Jugendlichen ein Zuhause.

Akzeptanz, Verlässlichkeit, Geborgenheit. "Für mich waren das Fremdwörter", sagt Carroll Weber. Der 58-Jährige stützt seine Ellbogen auf den Tisch, beugt sich über das Mikrofon, holt tief Luft und sagt dann diesen Satz: "Es gab in meiner Zeit im Kinderheim nichts Tolles, von dem ich hier erzählen könnte."

Es ist der Feiertag zum 50-jährigen Bestehen des Kinder- und Jugendheims Buchenrode in Niederrad. Weber sitzt am einem langen Tisch, neben ihm nimmt Heidi Schultheis das Mikrofon in die Hand, um aus ihrer Kindheit zu berichten. Wie Carroll Weber und Heidi Weiß, die am anderen Ende des Tisches Platz genommen hat, ist sie nach langer Zeit zurückgekehrt an diesen Ort. Der ihnen vor Jahrzehnten als Waisen eine Bleibe gab. Keinen Familienersatz.

Druck, Cliquen und Hackordnungen. Das sind die Begriffe, die Carroll Weber in den Sinn kommen, wenn er an sein Leben in dem Heim an der Niederräder Landstraße zurückdenkt. Von seinem Vater, einem US-Soldaten, kennt er nur die Unterschrift auf der Geburtsurkunde. Seine Mutter lernt er erst als Vierzehnjähriger kennen. Ein Jahr nach dem Wiedersehen stirbt sie.

Hinter dem Tisch, an dem die drei ehemaligen Heimbewohner sich in einem "Erzählcafé" der Vergangenheit stellen, führt eine Treppe nach draußen. Auf dem Sportplatz spielen Kinder. Es gibt Tore, einen Basketball-Korb. Alles im Schatten des prachtvollen fast 100 Jahre alten Hauses Buchenrode. Hier betreibt die Stiftung Waisenhaus das Heim, das sowohl in der pädagogischen Arbeit als auch im Freizeitangebot Lichtjahre von dem Waisenhaus entfernt zu sein scheint, in das Ende Juni 1958 Kinder ohne Eltern einziehen.

Carroll Weber und Heidi Schultheis gehören zu den Kindern, die 1958 aus dem Heim an der Breubergstraße nach Niederrad kommen. Doch auch die opulenten Räume der Villa machen die Sache für Weber nicht besser. "Heim ist Heim", sagt er. Seinen Schlafraum teilt er sich mit acht bis neun Jungen. "Ich war in der Hierarchie eher unten", erinnert er sich. "Aber ich bin daran nicht kaputt gegangen." Ihm gegenüber sitzt seine Familie. Frau, Sohn, Schwiegertochter und seine Enkelin. Auch beruflich hat sich Weber durchgekämpft.

Heute ist im Haus Buchenrode vieles anders. Kinder werden an Entscheidungen beteiligt, pädagogisch individuell betreut und gefördert. Trotzdem finde es auch heute kein Kind schön, im Heim zu wohnen, sagt die stellvertretende Direktorin der Stiftung Waisenhaus, Barbara Bornemann-Sörgel. "Es gibt keinen Grund, irgendein Kind auf der Welt in ein Heim zu stecken", sagt Carroll Weber, mit lauter werdender Stimme. Um dann leiser hinzuzufügen: "Da das aber trotzdem passiert, ist es gut, dass es solche Heime gibt." Heime, die es in seiner Kindheit nicht gab. Orte der Akzeptant, Verlässlichkeit und Geborgenheit.

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