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08. Februar 2011

Heimatgeschichtler Lixenfeld: Empörung über den Stolperstein-Gegner

 Von Barbara Helfrich
Stolperstein in Frankfurt

„Verunglimpfung“ von NS-Opfern von Heimatgeschichtler Hermann Lixenfeld trifft im Main-Taunus-Kreis auf Ablehnung.

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Hattersheim-Okriftel –  

Als „beschämend“ bezeichnet die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit im Main-Taunus-Kreis (CJZ) die Äußerungen des Heimatgeschichtlers Hermann Lixenfeld zur Stolperstein-Verlegung in Hattersheim-Okriftel. Und die Kreistagsabgeordneten der Wählergemeinschaft Die Linke nennen diese Äußerungen „unerträglich“. Sowohl CJZ als auch Linke kritisieren, dass der Main-Taunus-Kreis kein Problem darin sieht, Lixenfeld weiter für das Jahrbuch des Kreises schreiben zu lassen.

Lixenfelds „Verunglimpfung“ von NS-Opfern sei möglicherweise sogar strafbar, sagte der Schwalbacher Pfarrer Willi Schelwies, Vorsitzender der CJZ: „Das müssen Juristen klären.“ Der Kreis dürfe aber „darüber nicht einfach hinweg gehen“.

Holocaust-Opfer als Betrüger diffamiert

Lixenfeld wehrt sich vehement dagegen, dass im November vor einem Haus in Okriftel, das seine Schwiegereltern in der NS-Zeit aus jüdischem Besitz ersteigert hatten, drei Stolpersteine verlegt wurden. Sie erinnern an die Vorbesitzer, die Familie Schwarz, die im Holocaust umkam. Adolf Schwarz nahm sich nach der Pogromnacht 1938 das Leben, Frau und Tochter wurden deportiert.

Lixenfeld hatte vorige Woche gegenüber der Frankfurter Rundschau Adolf Schwarz das Recht auf ein Denkmal abgesprochen und ihn als „Betrüger“ diffamiert. Seine Schwiegereltern stellte Lixenfeld als Opfer dar, weil sie nach dem Krieg eine Entschädigung zahlen mussten. Er hatte andere Hausbesitzer animiert, ebenfalls Einspruch gegen Stolpersteine vor ihren Türen zu erheben.

Lixenfelds Geschichtsdarstellung sei „eine Katastrophe“, findet Bernd Blisch, kommissarischer Vorsitzender des Historischen Vereins Rhein-Main-Taunus.

Bedenken, Lixenfeld Jahrbuch-Artikel schreiben zu lassen

Lixenfeld habe offenbar „viel Forschung aus den letzten Jahrzehnten nicht wahrgenommen“. Blisch hat daher „große Bedenken“, wenn Lixenfeld im nächsten Jahrbuch des Kreises wie angekündigt einen Artikel über die Geschichte der Juden in Flörsheim-Weilbach publizieren sollte. Den Text hat Lixenfeld nach eigenen Angaben bereits verfasst und beim Kreis abgegeben. Das Landratsamt hatte auf Anfrage der FR erklärt, Lixenfelds Kampagne gegen die Stolpersteine sei kein Grund, ihn von der Autorenliste des Jahrbuchs zu streichen.

„Jemand, der die Opfer des Faschismus derart zynisch verhöhnt und beschimpft“, dürfe keinen Platz in einer offiziellen Veröffentlichung des Kreise haben, schreibt die Linke in ihrer Stellungnahme. Pfarrer Schelwies kündigte an, im Vorstand der CJZ über mögliche juristische Schritte gegen Lixenfeld zu beraten.

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