Anna Latsch ist "sehr froh". Sehr froh darüber, dass nach zweieinhalb Jahren ein Integrationskonzept vorliege. Die integrationspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion betont als Podiumsgast des FR-Stadtgesprächs, sie "hoffe, dass die Integrationsdebatte nicht eine parteipolitische Debatte" werde. Latsch beschreibt es als "eine gute Sache", dass nun "die Dinge nicht über nationale Kategorien" erklärt werden sollen.
Was die junge Politikerin mit "Dinge" meint, muss sie dem Publikum im Depot Sachsenhausen nicht lange erklären. Es geht um die an Defiziten orientierte Wahrnehmung und Stigmatisierung von Einwanderern. Dass die Zugewanderten nicht einer Gruppe zugeordnet werden können, sondern sich in unterschiedlichen Milieus wiederfinden. Die Sicht der Dinge soll die Grundlage künftiger Integrationspolitik in Frankfurt am Main sein, wie die zuständige Stadträtin Nargess Eskandari-Grünberg ankündigte.
Sie erwarte "klare politische Aussagen" und dass die in Frankfurt finanzierten Integrationsprojekte stärker überprüft und vernetzt werden, sagte Latsch. Eben das unkoordinierte Wirken von Einzelnen, Stiftungen und Einrichtungen, die sich mit unterschiedlichen Projekten für die Integration engagieren, kritisierte auch Thomas Kirchner. Er ist der integrationspolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Römer. "Wir haben viele engagierte Institutionen, Lehrer, Projekte, aber alle arbeiten nebeneinanderher." Vernetzungsbedarf sah er auf drei Ebenen: Bürgerinnen und Bürger, Vereine und Träger und auch in der Stadtverwaltung.
Nötig sind nach Ansicht des CDU-Politikers nicht weitere Projekte, sondern Analysen vor Ort und das Umsetzen der Best-Practice-Beispiele in anderen Stadtteilen. Kirchner nutzte am Mittwoch abend auch die Gelegenheit, eine Lanze für seinen, immer wieder in negatives Licht gestellten Stadtteil zu brechen. "Die Kinder im Gallus sind Helden", sagte er mit Hinweis auf die sozialen und kulturellen Bedingungen, unter denen sie aufwachsen müssten. ( top)

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