Brigitte Nottebohm gehört fast schon zum Inventar. Sie hat die Anfänge der Bibliothek der Fachhochschule Frankfurt auf dem Campus miterlebt, die Enge, die am Nibelungenplatz herrschte, den Platz- und Büchermangel. Immer wieder hat sie Vorstöße unternommen für eine Erweiterung. Vier Vize-Präsidenten und drei Präsidenten-Amtszeiten lang hat es gedauert. Gerade noch rechtzeitig, kurz vor ihrer Pensionierung, sieht sich die Leiterin der FH-Bibliothek nun am Ziel. Am Dienstag eröffnet sie freudestrahlend die für 1,25 Millionen Euro aus Landesmitteln erweiterte und umgebaute Bücherei.
Dicht drängen sich die Gäste im neugestalteten, hellen Eingangsbereich von Haus 3. Die Infothek im Erdgeschoss ist neu, der Servicebereich und auch die Garderobe. Große blaue Lettern über den Türbögen weisen den Weg zu den Fachbibliotheken, den Gruppenräumen und Einzel-Arbeitsplätzen. Über vier Stockwerke ist die Bücherei nun verteilt, auf rund 3000 Quadratmetern stehen 240000 Medieneinheiten für die täglich bis zu tausend Besucher.
Die Erweiterung wurde seit 1998
geplant und im Juli 2009 begonnen. Die Bücherei auf dem Campus der FH am Nibelungenplatz umfasst 3000 Quadratmeter und 240000 Medieneinheiten. An der FH studieren 10000 Studenten.
1,35 Millionen Euro kostete die
Erweiterung. Bezahlt wurde sie vom Land Hessen über das so genannte
Heureka Programm, aus dem
Bauprojekte an hessischen Hochschulen
finanziert werden. (alu)
Beim Umbau, sagt FH-Vizepräsidentin Eva-Maria Ulmer, wurden die Wünsche der Studenten berücksichtigt. Jetzt gibt es kabellosen Internetzugang flächendeckend, mehr Arbeitsplätze für die Besucher, einen Schulungsraum, mehr Stellflächen für Bücher und überall barrierefreien Zugang für Behinderte. Die Bücherei sei Lernort und sozialer Treffpunkt auf dem Campus, sagt Ulmer. Ziel sei das selbstgesteuerte Lernen der Studenten.
Im Eingang dokumentiert eine Videoinstallation die Bauarbeiten, den Staub und Lärm der vergangenen Monate. Im Juli 2009 begann der Umbau bei laufendem Betrieb. Ein Härtetest für Mitarbeiter und Studenten. Wochenlang gab es nur eine Notausleihe per Telefon, berichtet Dagmar Schmidt, Bibliotheksleiterin in spe. "Das Presslufthammergeräusch war dennoch Musik für uns", lacht Nottebohm.
Detlev Buchholz, Präsident der FH, freut sich über die vergrößerte Bibliothek, für ihn bleibt es aber eine "Interimslösung". Frankfurt ist eine der größten, eigenständigen FH-Bibliotheken bundesweit. Sie verfügt unter anderem über sieben Archive, darunter das der jüdischen Pflegegeschichte. Eigentlich, sagt Buchholz, war in der Zielvereinbarung mit dem Land Hessen ein Neubau mit Bibliothek, Selbstlern- und Didaktik-Zentrum für rund 80 Millionen Euro geplant. Dafür sollten die Gebäude 7, 8 und 9 auf dem Campus abgerissen werden. Das Vorhaben wurde nicht umgesetzt, sagt Buchholz, "ohne uns die Gründe zu nennen". Aus dem Heureka-Programm des Landes stammen stattdessen die 1,35 Millionen Euro für den Umbau.
Marcel Hoppe, Architekturstudent, Asta-Sprecher und regelmäßiger Nutzer, ist auch über eine Übergangslösung glücklich. Die Bücherei sei der wichtigste Ort auf dem Campus. "Vorher waren die Räume verwinkelt, aufgesplittet und auch nicht jedes Buch verfügbar", sagt er. Oft hätten Studenten und Asta ihren Unmut darüber geäußert. Der Umbau gefällt dem Architekturstudenten. Nur eins fehle, scherzt Hoppe: "Der Kamin im Lesezimmer".

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