Es ist eigentlich gar nicht so schwer, zu erreichen, dass einem in Zeiten spektakulärsten Dauerentertainments noch die Herzen zufliegen können. Im Tigerpalast treten immer wieder Gestalten auf, denen das gelingt. Wolff von Keyserlingk etwa, der Zauberbaron, der mit weltmännischer, unaufgeregter Eleganz durch ein Programm klassischer Kartentricks führt.
Der Zauberbaron fehlt diesmal in der Herbstrevue des Tigerpalastes, seinen Platz hat Charly Borra eingenommen. Leuten die Brieftasche aus der Hose, die Uhr vom Handgelenk und die Brille von der Nase klauen - das alles ist zwar nicht neu, aber wenn es so souverän und charmant gemacht wird wie bei Borra, denn denkt man sehnsüchtig zurück an das Varieté, das die Großmutter noch kannte, und wenn er Zigaretten pafft und Rauchringe zaubert, dann freut sich auch der Opa.
Wie üblich gibt es bei den Tigerpalast-Auftritten mal wieder niemanden, der die Latte reißt. Seinen persönlichen Favoriten muss man sich schon selber aussuchen. Borra kommt beim Publikum jedenfalls hervorragend an.
Schwarzes Theater
Was allerdings auch für das ukrainische Brüderpaar Grynchenko gilt, das sich gegenseitig auf den Köpfen balanciert. Das tut schon beim Hingucken weh, und allein für diese Nummer hätten es die beiden verdient, in naher Zukunft mit einem hochdotierten Milch-Schnitte-Werbevertrag belohnt zu werden, der Klitschkos sind die Zuschauer ohnehin schon lange überdrüssig.
Ebenfalls ein Highlight: Das Duo Elja, ursprünglich aus Bad Nauheim kommend, jetzt in der internationalen Zirkuswelt zu Hause. Die beiden Zwillinge Ele und Julia zeigen am Trapez Sachen, die man in dieser Form noch nie gesehen hat. Es muss also nicht immer etwas Altmodisches sein, wenn einem die Herzen zufliegen sollen.
Ebenfalls in der Herbstshow ist Schwarzes Theater aus Prag zu bestaunen, vorgeführt von den Blackwits. Was Appetit auf mehr machen sollte, denn auch wenn die Vorführung eine Art hat, ist sie doch kein vollwertiger Ersatz für eine Reise nach Prag (wo das Bier im übrigen viel billiger ist als im Tigerpalast). Dafür gibt es dann in Prag aber auch keine Alesya Gulevich, die mehr Reifen um ihren Körper kreiseln lässt, als andere Haare auf dem Kopf haben. Aber irgendwas ist ja immer.
Vorstellungen donnerstags um 19 und 22 Uhr, freitags und samstags um 19.30 und 22.30 Uhr,sonn- und feiertags um 17 und 21 Uhr, Telefon 069/9200220 www.tigerpalast.de

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