Ob daheim, im Büro, am Flughafen oder auf dem Autobahnrastplatz: Wenn es die Kunden von Herrenausstatter Alexander Desch nach Anzug, Hemd und Krawatte verlangt, ist dem 39-Jährigen kein Weg zu weit und kein Ort zu ungewöhnlich. Überall bietet Anzug-Alex, so der Name seines Ein-Mann-Unternehmens, sein Sortiment den Kunden aus ganz Deutschland und darüber hinaus an. Und der mobile Anzugservice wird dankbar angenommen. "Durch den Einkauf bei mir sparen die Kunden Zeit und Geld und müssen am Wochenende nicht noch in der Stadt einkaufen gehen. Anzüge sind für sie eben nur Arbeitskleidung", sagt Desch, der sich 1996 mit seinem Unternehmen selbstständig machte.
Inzwischen kleidet er nicht nur ein Viertel der männlichen Belegschaft der Frankfurter Börse ein, sondern auch Vorstandsvorsitzende, Kegelclubs und den 1. FC Kaiserslautern. Dabei kam dem gelernten Industriekaufmann die Geschäftsidee, rund um die Uhr mit einem breiten Anzugsortiment direkt zu den Kunden zu kommen, eher zufällig. "Als ich noch in einer Kleiderfabrik arbeitete, bat mich eines Tages ein Freund, ihm in der Mittagspause rasch einen Anzug vorbeizubringen, den er für eine Veranstaltung am Abend brauchte", erinnert sich Desch. Schnell machte dieser Freundschaftsdienst die Runde, Mundpropaganda tat ein Übriges - und heute ist Desch tagsüber, abends und auch am Wochenende unterwegs, um seine Anzüge an die Männer zu bringen.
Dabei muten die Situationen, in denen die Anzüge ihren neuen Besitzer finden, manchmal geradezu absurd an. Selbst an der Autobahn wickelt Desch seine Geschäfte ab. "Einmal rief mich ein Mann, der auf der Autobahn gerade hinter mir fuhr, auf dem Handy an. Er hatte auf meinem Bus die Telefonnummer gelesen und brauchte für eine zwei Stunden später angesetzte Hochzeit noch einen Anzug", erzählt der Unternehmer. Also fuhren beide den nächsten Parkplatz an - und der Mann war wenig später eingekleidet.
Ebenso wie alle anderen Kunden konnte der Hochzeitsgast zwischen etwa 70 Anzügen, 100 Hemden und 250 Krawatten auswählen, die Desch in seinem Kleinbus mit speziell angefertigtem Schrank immer dabei hat.
Zwischen 180 und 250 Euro kosten die Anzüge aus Baumwolle, Schurwolle, Cord oder Samt, die der 39-Jährige von einer ausgesuchten Fabrik bezieht. Sein Lager hat er sich im Untergeschoss seines Hauses in Jossgrund im Spessart eingerichtet.
Mit Polizeieskorte zum Kunden
"Da ich Single bin, stört das auch niemanden. Eine Frau, die mit meinem ständigen Unterwegssein auf Dauer zurecht kommt, ist schwer zu finden", sagt Desch, der auch in Notfällen immer erreichbar ist. Sogar mit einer Polizeieskorte sei er schon zu einem Kunden gebracht worden, als dieser sich während einer wichtigen Party den Anzug mit einem ausgelaufenen Kugelschreiber ruiniert habe.
"Das sind Erlebnisse, über die ich ein ganzes Buch schreiben könnte", meint Anzug-Alex lachend.
Nicht fehlen dürfte in diesem Buch auch die Geschichte rund um den 1. FC Kaiserslautern. "Da war ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort, nämlich in einem Hotel, in dem ich zufällig den damaligen Präsidenten des Vereins traf." Dem verkaufte Desch, der auch selbst gerne Anzüge trägt, dabei aber meist auf die Krawatte verzichtet, direkt einen Anzug - noch bevor er wusste, wer sein Gegenüber überhaupt ist.
Nach dem Verkauf durfte der mobile Herrenausstatter mitfahren zu einem Spiel. "Als ich das Team in seinen Trainingsanzügen sah, sagte ich sofort zum Präsidenten: ,Die sehen ja schlimm aus.' Seitdem statte ich die ganze Mannschaft aus."
Und die dürfte sich darüber ebenso freuen wie der elfköpfige Kegelclub, den Alexander Desch anlässlich einer Kuba-Reise mit türkisfarbenen Hemden und weißen Sommeranzügen versorgte, deren lange Hosen von seinem Schneider extra in Shorts geändert wurden. dpa

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